Waiblingen

Lange Wartezeit nach PCR-Tests? In Waiblingen dauert es 90 Minuten

ultraschnelle PCR-Tests
PCR-Testauswertung im Waiblinger Bürgerzentrum. © Benjamin Büttner

Die Omikron-Welle rollt an und treibt die Corona-Fallzahlen in die Höhe. Weil immer mehr Schnelltests positiv ausfallen und anschließend durch einen zuverlässigen PCR-Test überprüft werden, kommt auf die auswertenden Labore noch mehr Arbeit zu. Schon jetzt müssen Betroffene, je nach Auslastung, bis zu zwei Tage auf ihr Ergebnis warten – bis zu zwei Tage voll zermürbender Ungewissheit. Dabei können PCR-Tests in Waiblingen in weniger als einer Stunde ausgewertet werden – unter bestimmten Umständen.

Angesichts der Omikron-Variante geht das Sozialministerium Baden-Württemberg von einer weiteren Zunahme der PCR-Testungen aus. „Sollten die Kapazitäten nicht mehr ausreichen, muss die Auswertung der Proben priorisiert werden“, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. „Dazu zählen sollte dann medizinisches Personal, Personen mit Symptomen und vulnerable Gruppen.“ Ähnlich wie etwa die Betten in den Kliniken seien eben auch PCR-Kapazitäten nicht in unendlichem Ausmaß vorhanden. Darum habe das die Alarmstufe II verlängert und in vielen Bereichen die FFP2-Maskenpflicht eingeführt. So könnten die Infektionen möglichst „gestreckt“ werden und ereigneten sich nicht synchron. Aktuell beträgt die Laborkapazität in Baden-Württemberg in etwa 200.000 PCR-Tests pro Woche.

Von wann an gilt ein PCR-Befund?

Ein negatives PCR-Zertifikat gilt 48 Stunden. Mancher und manche fragt sich: Was, wenn der Test dann schon 36 oder gar 48 Stunden zurückliegt? Gilt er dann nur noch für kurze Zeit oder ist zwischenzeitlich dann schon überholt? Das ist klar geregelt: Entscheidend ist laut Auskunft des Sozialministeriums der Zeitpunkt des Testbefundes. Dazu der Hinweis des Ministeriums: „Die Alternative wäre natürlich immer, sich impfen zu lassen.“

Waiblingen findet sich gewissermaßen in einer privilegierten Lage. Fallen Schnelltests von Schülern oder Kita-Kindern sowie Erzieherinnen oder Lehrern positiv aus, bekommen die Betroffenen einen „schnellen“ PCR-Test im Bürgerzentrum und müssen danach nur noch etwa 90 Minuten auf ihren Bescheid warten. Ähnlich verhält es sich bei Selbstzahlern, die allerdings tief in die Tasche greifen müssen. Der Grund: Zu Beginn der Pandemie entstand durch die Kooperation zwischen der Stadt Waiblingen, Bosch Healthcare und Apotheken ein Pilotprojekt für „schnelle“ PCR-Testungen. Das Pilotprojekt wird durch das Sozialministerium analysiert, um eine Kostenbeteiligung zu prüfen.

Entscheidend ist der Kostenfaktor

Trotz des unbestreitbaren Zeitvorteils haben sich Nachahmer des „Waiblinger Modells“ bisher fast nicht gefunden. Anfragen aus anderen Kommunen gab es dazu durchaus. Einige scheuen den Aufwand, ein kommunales PCR-Testzentrum in Kooperation mit Ärzten und Apothekern einzurichten. Entscheidender Faktor dürfte freilich das Geld sein. Bei der Waiblinger Kooperation gibt es laut Oberbürgermeister Andreas Hesky sowohl vergünstigte Einkaufskonditionen für die Gerätschaften und PCR-Kartuschen als auch ermäßigte Kosten für die Durchführung der Tests, von denen die Stadt Waiblingen profitiert. Trotzdem: Die Stadt nimmt recht viel Geld in die Hand, versichert der OB, ohne Preise zu nennen.

Starke Nachfrage in Waiblingen

In Waiblingen selbst ist das Waiblinger Modell der schnellen PCR-Tests stark nachgefragt: Gerade vor Weihnachten und nach den Ferien war und ist die Nachfrage konstant hoch. Zusätzliche Geräte wurden angeschafft. Die PCR-Tests werden zu allen Öffnungszeiten der Teststation zwischen 8 und 20 Uhr an sieben Tagen in der Woche durchgeführt. Meistens jedoch vormittags, nach positiven Schnelltests im Rahmen der Testungen in Schulen oder Kitas.

Ihr Vivalytic-Testsystem wird von Testzentren und Apotheken mehr und mehr nachgefragt, teilt die Waiblinger Herstellerfirma Bosch Healthcare mit. „Die zeitaufwendige Einsendung in überlastete Labore entfällt dadurch“, betont ein Sprecher. Über Preise spricht auch Bosch nicht, da Vivalytic über ausgewählte Vertriebspartner vertrieben wird: „Die Verkaufspreise werden von den Vertriebspartnern festgelegt.“

Nicht für Masseneinsatz geeignet

Der Vergleich zwischen den schnellen, einfach zu bedienenden PCR-Testgeräten und den Laboren, die Tests in Massen auswerten, hinkt nach Einschätzung des Sozialministeriums. Die dezentralen, „schnellen“ PCR-Testverfahren basierten auf einem Kartuschensystem, meist nur für die Messung von einer begrenzten Probenanzahl oder von Einzelproben. In den Diagnostiklaboren würden hingegen viele Proben gleichzeitig verarbeitet. Somit stellten die dezentralen Geräte zwar eine gute Ergänzung für das diagnostische Spektrum dar, aber: „Eine nennenswerte Anzahl von Massen-Proben, wie sie in den Laboren verarbeitet wird, kann hiermit nicht bearbeitet werden.“

Und noch einmal der Faktor Kosten: Die PCR-Testungen werden nach der Test-Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums mit 30 Euro vergütet. Bereits die Testkartuschen kosteten preislich, je nach System, allerdings schon mehr. Somit sei ein kostendeckender Einsatz häufig nur durch Kooperationsprojekte möglich – wie etwa in Waiblingen oder etwa auch in Gerlingen.

Die Omikron-Welle rollt an und treibt die Corona-Fallzahlen in die Höhe. Weil immer mehr Schnelltests positiv ausfallen und anschließend durch einen zuverlässigen PCR-Test überprüft werden, kommt auf die auswertenden Labore noch mehr Arbeit zu. Schon jetzt müssen Betroffene, je nach Auslastung, bis zu zwei Tage auf ihr Ergebnis warten – bis zu zwei Tage voll zermürbender Ungewissheit. Dabei können PCR-Tests in Waiblingen in weniger als einer Stunde ausgewertet werden – unter bestimmten

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