Waiblingen

Leerstände im Mikrozentrum auf der Korber Höhe

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Fat sieht es aus, als wäre noch offen, aber der Neuanfang im Staufer-Kastell ist schon wieder vorbei. © Büttner/ZVW

Waiblingen. Nur ein halbes Jahr konnten sich die neuen Betreiber des Staufer-Kastells auf der Korber Höhe halten. Neben dem Restaurant stehen weiter der russische Supermarkt und das Friseurgeschäft leer – fast die komplette eine Seite des Mikrozentrums. Mit Hilfe einer Architektin soll ein neues Konzept her, um die Läden wieder zu beleben.

Die Fußstapfen von Charly und Brigitte Herrmann, die das Staufer-Kastell 37 Jahre lang geführt und zu einem der beliebtesten Restaurants der Stadt gemacht hatten, waren offenbar zu groß für das Team um den Nachfolger Roman Chernousov. Nach motiviertem Start im Frühjahr erfüllten sich die Hoffnungen nicht. Besonders unter der Woche blieb der große Gästeandrang aus. Etliche der festen Gruppen, Vereine und Stammtisch-Runden kehrten dem Lokal den Rücken. Besucher beklagten, mit verkleinerter Karte und erhöhten Preisen stimme das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr – und so manchem schmeckte es einfach nicht. Ein hammermäßiges Arbeitspensum hatte der Chef sich selbst verordnet: tagsüber im alten Job in Stuttgart, abends im erträumten eigenen Restaurant. Als er die Eigentümerfamilie Arnold um Auflösung des Vertrags bat, wurde dem Wunsch entsprochen.

Gebäude auf dem Prüfstand: Ist das Restaurant zu groß?

Jetzt also steht das Staufer-Kastell wieder leer, das über Jahrzehnte mit selbst gemachten Maultaschen und Rieslingtorte die kulinarische Institution im Stadtteil war. Aus Altersgründen hatten Charly und Brigitte Herrmann zum Jahresende 2017 aufgehört. Solch ein Wirtspaar lässt sich nicht klonen - und auch sonst stehen die Interessenten nicht auf der Straße Schlange. Die schwierige Lage in der Gastronomie mit langen Arbeitszeiten und überschaubaren Gewinnspannen macht die Suche schwierig. Noch dazu hat das Staufer-Kastell für ein Restaurant eine stattliche Größe, während die Einrichtung großenteils noch aus dem Jahr 1980 stammt, was längst nicht mehr allen Gästen gefällt.

Nebenan hat eine weitere Institution der Korber Höhe im Sommer nach 35 Jahren geschlossen: das Friseurgeschäft von Brigitte Riedl. Hoffnung auf Nachfolge gibt es weiterhin, theoretisch könnte der Betrieb sofort weitergehen, denn die Einrichtung ist noch vorhanden. Auf der anderen Seite des Restaurants steht der ehemalige russische Lebensmittelmarkt Adix leer. Mit neuem Schwung will die Eigentümerfamilie die Wiederbelebung des Mikrozentrums jetzt anpacken. Der Rechtsanwalt Wolfgang Link soll neue Lösungen und Konzepte entwickeln. Gemeinsam mit einer Architektin fand diese Woche eine Besichtigung der Gebäude statt. Auf den Prüfstand kommt die auch die Aufteilung der Flächen – das Staufer-Kastell zum Beispiel könnte kleiner werden.

„Das ganze Mikrozentrum kommt in Bewegung“

Schnelle Nachfolge-Lösungen sind nicht ausgeschlossen, gleichzeitig geht es Wolfgang Link um die strukturellen und baulichen Voraussetzungen: „Das ganze Mikrozentrum kommt in Bewegung.“ Die Sache werde ab sofort mit hoher Priorität behandelt, verspricht er. Und auch aus den Kreisen der Familie Arnold ist zu hören, das Mikrozentrum liege ihr am Herzen. Interessenten verschiedenster Art gebe es durchaus. Allerdings, so der Anwalt weiter, hätten sich nach fast 40 Jahren die Bedürfnisse der Bewohner ebenso geändert wie die der Ladenbetreiber. Beides gelte es, aufeinander abzustimmen. Weitere Interessenten dürfen sich melden: „Wir sind für jeden Hinweis dankbar.“

Auf eine Lösung für das Mikrozentrum hofft auch Winfried Koch von der Bürgeraktion Korber Höhe, die selbst von der Stadt angemieteten Räume nutzt. Restaurant, Läden, Bank und Ärzte spielten eine wichtige Rolle für die Menschen im Stadtteil. Sein Eindruck ist, dass die Eigentümer sich durchaus um das Mikrozentrum kümmern. Nachfolger-Suche für ein Restaurant sei freilich ein „mühsames Geschäft“. Immerhin gibt es noch den Nahkauf, die Bäckereien, Apotheke, das China-Restaurant und die Praxen. Aus Sicht des städtischen Wirtschaftsförderers Marc Funk hat das Mikrozentrum wegen der Größe des Stadtteils durchaus Potenzial.

Korber Höhe

Mit 7000 Einwohnern zählt die Korber Höhe mehr Menschen als Ortschaften wie Beinstein oder Bittenfeld.

Der neue Stadtteil entstand Anfang der Siebziger, 1973 zogen die ersten Bewohner in die Hochhäuser ein. Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten gab es damals praktisch nicht. Das Mikrozentrum folgte um 1980.