Waiblingen

Legionellen im Wasser: Duschverbot in der Schofer-Siedlung in Waiblingen

legionellen in der Schofer-Siedlung
In der Friedrich-Schofer-Straße wurden bei einer Routineuntersuchung Legionellen im Trinkwasser festgestellt. © ZVW/Benjamin Büttner

In den Hausnummern 36 bis 48 der Friedrich-Schofer-Straße in Waiblingen wurde „eine Kontamination des erwärmten Trinkwasser-Systems“ mit Legionellen festgestellt. Das geht aus einem Schreiben des Sachverständigen-Büros für Trinkwasser-Hygiene von Frank Mildner vom 8. Juli hervor. Die Information wurde den Bewohnern per Aushang mitgeteilt und liegt auch der Redaktion vor. Der mutmaßliche Grund für die Legionellen: das veraltete Versorgungsnetz in der Schofer-Siedlung.

Legionellen sind Bakterien, die dem Sachverständigen Frank Mildner zufolge grippeähnliche Symptome bis hin zur Lungenentzündung hervorrufen können. Daher wurde für die betroffenen Häuser ein Duschverbot erteilt, das bislang andauert. Erkrankungen sind derzeit nicht bekannt. Bei einer Routineuntersuchung des Trinkwassers, die in Mietwohnungen mit zentralem Heizungssystem alle drei Jahre verpflichtend ist, stellte Frank Mildner die Kontamination fest.

Die hohen Legionellen-Werte führten direkt zum Duschverbot

Um die Belastung des Wassers bestimmen zu können, gibt es dem Sachverständigen zufolge Grenzwerte für den Legionellen-Befall und damit verbundene Handlungsempfehlungen. Ab 10.000 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter werde direkt ein Duschverbot ausgesprochen. „Der schwerste Fall, den wir je hatten, lag bei 364.000 KBE“, sagt Mildner. Der Wert am Tag der Messung in der Friedrich-Schofer-Straße: 33.300 KBE.

Doch wozu eigentlich das Duschverbot? Legionellen seien „feuchte Keime“. Das Trinken des Wassers sei weiterhin unbedenklich, doch durch den Wasserdampf beim Duschen können die Bakterien in die Atemwege gelangen - und dort im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung verursachen.

„Im Magen besteht keine infektiöse Anschlussstelle“, so Mildner, in den Atemwegen hingegen schon. Genau davor warnt sein Büro in dem Schreiben vom 8. Juli: „Das Einatmen etwaiger Aerosole sollte vermieden werden.“

Dennoch: Wer den Duschkopf abschraube und sich nur mit dem Schlauch abdusche, könne damit vermeiden, Aerosole einzuatmen, und das Verbot dementsprechend umgehen.

Mit dem Duschverbot ist das Risiko einer Infektion gesunken, doch die Frage nach der Ursache bleibt offen. Aus diesem Grund hat Frank Mildner die Objekte besichtigt.

Bei der Objektbegehung fällt auf: Das Warmwasser ist zu kalt

Schnell war das Problem in der Schofer-Siedlung eindeutig: „Die Wassertemperatur ist zu niedrig.“ Das Wasser, mit dem die Häuser versorgt werden, werde zentral in einer Heizungsanlage eines Hochhauses in der Siedlung erhitzt.

„Dort geht das Wasser mit den vorgeschriebenen 60 Grad hinaus“, so Mildner. Am letzten Punkt in der Siedlung kommen laut seinen Messungen jedoch nur noch 48 Grad an. Die Hausverwaltung Ziesel erklärt in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben, dass das Versorgungsnetz „sehr alt ist und nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht“.

Legionellen fühlen sich laut Frank Mildner bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad am wohlsten. Der starke Fall der Temperatur von der Heizungsanlage zu den Wohnhäusern habe die Bildung der Bakterien begünstigt. Dass das Warmwasser nicht für jedes Wohnhaus separat erhitzt werde, ist auch dem Sachverständigen zufolge heutzutage nicht mehr üblich.

Ein Duschverbot bei den aktuell sommerlichen Temperaturen stößt seitens der Bewohner allerdings auf wenig Freude. Ein Anwohner eines betroffenen Hauses berichtet von „Versorgungsproblemen mit warmem Wasser“ über einen von ihm geschätzten Zeitraum von bereits drei Jahren.

Als Übergangslösung wird eine Pumpe installiert

Damit das Duschverbot so schnell wie möglich aufgehoben und der Alltag für die Bewohner wieder hergestellt werden kann, steht Frank Mildner nun mit dem zuständigen Hausinstallateur in Verbindung. Dieser werde eine Pumpe installieren, die dafür sorgt, dass das Wasser schneller in den Leitungen zirkuliert und dementsprechend weniger Wärme auf seinem Weg verliert. Nach der Installation wird der Sachverständige erneute Proben entnehmen und hofft darauf, das Duschverbot dann aufheben zu können.

Stadtwerke planen Erneuerung des Versorgungsnetzes bis Ende 2023

Langfristig muss allerdings ein neues Fernwärmenetz her und um das kümmern sich die Stadtwerke Waiblingen, die die Betriebsführung der Heizzentrale nach eigenen Angaben im Januar 2021 übernommen haben. Vorher wurde das Netz von der Firma Rhein Energie betrieben. Die Stadtwerke betonen, derzeit Betreiber, nicht aber Besitzer der Heizungsanlage zu sein. In einer Sanierungsinformation heißt es, dass das Warmwasser im neuen Netz direkt in den einzelnen Gebäuden erzeugt werde. „Alle Häuser werden einzeln an das Verteilnetz angeschlossen.“

Im Zuge einer Wasserleitungssanierung werde bereits in diesem Jahr mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. Bis Ende 2023 soll das neue Verteilnetz nach Angaben der Stadtwerke fertiggestellt werden. „Die alten, desolaten Netze können aus technischer Sicht nicht weiter betrieben werden“, wird in der Sanierungsinformation mitgeteilt.

In den Hausnummern 36 bis 48 der Friedrich-Schofer-Straße in Waiblingen wurde „eine Kontamination des erwärmten Trinkwasser-Systems“ mit Legionellen festgestellt. Das geht aus einem Schreiben des Sachverständigen-Büros für Trinkwasser-Hygiene von Frank Mildner vom 8. Juli hervor. Die Information wurde den Bewohnern per Aushang mitgeteilt und liegt auch der Redaktion vor. Der mutmaßliche Grund für die Legionellen: das veraltete Versorgungsnetz in der Schofer-Siedlung.

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