Waiblingen

Lehrermangel: "Es gibt an Schulen nichts mehr zu holen", sagt Waiblinger Rektor

RybakStauferrealschule
Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule in Waiblingen. © Gaby Schneider

Die Bitte der Landesregierung, Teilzeitlehrkräfte sollten zur Bewältigung des Personalmangels in Schulen freiwillig mehr arbeiten, stößt auch in Waiblinger Lehrerzimmern auf Kopfschütteln. „Wir retten seit Jahren alles damit, dass wir unsere Teilzeitlehrer fragen, ob sie aufstocken“, sagt der Rektor der Staufer-Realschule, Axel Rybak. Er ist auch geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen.

Vergangenes Jahr seien an der Staufer-Realschule auf diese Weise zwei Schwangerschaften „aufgefangen“ worden - Lehrerinnen, die in Mutterschutz gingen, wurden also ersetzt, indem Teilzeitlehrkräfte ihre Arbeitszeit hochgefahren haben. „Es geht nur über Aufstockungen“, so Rektor Rybak. „Anders können wir uns ja gar nicht mehr helfen. Wir können das nur intern regeln, von außen kommt nichts mehr.“

Mehr Personal bekommt die Staufer-Realschule wie auch andere Waiblinger Schulen in der Regel also nicht. Wenn an einer Schule allerdings besonders großer Mangel herrscht, helfen sich die Schulleiter aus, so Rybak. In Absprache mit dem Staatlichen Schulamt wechseln dann Lehrkräfte die Schulen, um Löcher wenigstens teilweise zu stopfen.

"Diese Spirale ist irgendwann mal am Ende"

Anfang des Jahres hat die Staufer-Realschule laut Rybak etwa einen Physiklehrer abgegeben, der anderswo noch dringender gebraucht wurde. Allerdings bekam sie auch einen Sportlehrer aus Neustadt.

Das Arbeitszeit-Aufstocken halte schon seit Jahren das System aufrecht, so Rybak. Nur so könnten Ausfälle wegen Schwangerschaft oder Krankheit teils kompensiert werden. Aber: „Diese Spirale ist irgendwann mal am Ende. Es gibt nach meinem Dafürhalten an Schulen nichts mehr zu holen.“

Er sei froh, so Schulleiter Axel Rybak, dass sich immer wieder Lehrkräfte bereiterklären, ihre Stundenzahl zu erhöhen. Doch das sei vorübergehend, „denn jede Teilzeitkraft hat einen guten Grund, Teilzeit zu arbeiten“.

Ministerium: „Übliches Instrument“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) hatten Teilzeitlehrkräfte in einem Brief gebeten, zu überlegen, ob sie „eine, zwei oder vielleicht sogar drei zusätzliche Stunden unterrichten“ könnten. Auch das Hinausschieben des Ruhestands könnte den Lehrermangel lindern. Daran gab es viel Kritik, auch von Gewerkschaften. Im Landtag verteidigte Kultusstaatssekretär Volker Schebesta (CDU) den Brief laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur: „Die Bitte an Lehrerinnen und Lehrer, die in Elternzeit sind oder die in Teilzeit sind, zurückzukommen aus der Elternzeit oder ihre Teilzeit zu erhöhen, ist ein in den letzten Jahren völlig üblich gewähltes Instrument in der Schulverwaltung.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert, das Land bilde zu wenig junge Lehrkräfte aus. Sie fordert für befristet eingestellte Vertretungslehrer „jetzt Einstellungszusagen für das nächste Schuljahr statt Arbeitslosigkeit über die Sommerferien, um sie nicht zu verlieren“.

Die Bitte der Landesregierung, Teilzeitlehrkräfte sollten zur Bewältigung des Personalmangels in Schulen freiwillig mehr arbeiten, stößt auch in Waiblinger Lehrerzimmern auf Kopfschütteln. „Wir retten seit Jahren alles damit, dass wir unsere Teilzeitlehrer fragen, ob sie aufstocken“, sagt der Rektor der Staufer-Realschule, Axel Rybak. Er ist auch geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen.

Vergangenes Jahr seien an der Staufer-Realschule auf diese Weise zwei

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