Waiblingen

Lehrermangel: Schule in Waiblingen startet "absolut am Limit" ins Jahr 2022/23

SymbolfotoKlassenzimmer
Am Montag geht es in der Staufer-Realschule in Waiblingen und in vielen anderen Schulen wieder los. © Gaby Schneider

„Wir starten absolut am Limit. Es darf niemand wegfallen.“ Kurz vor Beginn des Schuljahres 2022/23 ist der Lehrkräftemangel wieder das „Thema Nummer 1“ für Rektor Axel Rybak von der Staufer-Realschule in Waiblingen. Zwar sieht er seine Schule mit einem leichten Minus beim Personal noch „ganz gut aufgestellt“. Alle Fächer können erst mal unterrichtet werden. „Wir kommen klar“, so Rybak, der auch geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen ist. Werden aber Lehrkräfte krank - oder Lehrerinnen schwanger - , dann könnte das schnell anders aussehen.

Es geht nicht nur der Staufer-Realschule so. „Ich denke, das ist der Standard an allen Schulen“, sagt der erfahrene Rektor. Aktuelle Zahlen zur Situation an den Waiblinger Schulen hat er nicht, doch er wisse von Schulleiter-Kollegen mit noch viel größeren Problemen. Eine Schule im Rems-Murr-Kreis starte mit einem Minus von 80 Wochenstunden ins Schuljahr, so Rybak. Zumindest war das sein Informationsstand zu Beginn der Sommerferien. Welche Schule so gebeutelt ist, verrät er nicht.

Die Schulen, die im Vergleich gut aufgestellt sind - dazu gehört auch die Staufer-Realschule -, versuchen auszuhelfen. Die Bereitschaft dazu sei da, so Rybak. Auch wenn die Lehrkräfte dann an der eigenen Schule fehlen. „Diese Unbekannte schwebt über uns, ob wir alle Lehrkräfte behalten.“

„Klassische Mangelfächer“ sind Physik und Chemie. „Da hat man immer Not.“ Aber auch bei katholischer Religionslehre oder Französisch werde es schwieriger. Für welche Fächer genau Lehrkräfte fehlen, sei von Schule zu Schule unterschiedlich und auch ein wenig dem Zufall unterworfen. An der Staufer-Realschule hätte man sich etwa noch eine Englisch-Kraft gewünscht. „Auch das ist anscheinend schwierig.“

Wenn nach dem Schulstart Personal wegbricht, dann muss die Schule laut Rybak überlegen, welche Fächer Priorität haben, etwa Prüfungsfächer. Eventuell müssten Förderstunden gestrichen werden - ohne das offizielle Kontingent zu unterlaufen. Von weniger Förderstunden seien nicht nur schwächere Schüler betroffen, sagt der Rektor. Sie sollten auch den Stärkeren „gegönnt werden, weil ihnen damit Chancen gegeben werden sollen“.

Im vergangenen Schuljahr sind nach Rybaks Einschätzung aber nicht mehr Stunden ausgefallen als früher. Man habe umgeschichtet und sei gut klargekommen. „Wir lassen keine Stunde leichtfertig ausfallen“, sagt der Rektor, der weiß, dass Eltern von Unterrichtsausfällen meist nicht begeistert sind. „Es wird komplett unterschätzt, was wir hier an Umorganisation in Kauf nehmen, um so viel Unterricht wie möglich zu halten.“ Positiv sei auch, dass es im letzten Schuljahr kaum Hitzefrei gegeben habe, findet der Rektor. Dadurch hätten zusätzliche Ausfälle vermieden werden können. Einheitliche Landesvorgaben gibt es dazu nicht.

Salier-Gymnasium: „Bordmittel sind ziemlich ausgeschöpft“

„Ganz zuversichtlich“ blickt Peter Schey aufs bevorstehende Schuljahr. „Wir sind momentan vollständig versorgt und können alles anbieten“, so der Leiter des Salier-Gymnasiums. Das liegt auch daran, dass einige Teilzeit-Lehrkräfte ihre Wochenstunden aufgestockt haben. Dies sei aber nicht weiter möglich, sagt Schey. Und weil es „auf dem Markt keine Vertretungskräfte mehr“ gebe, befürchtet er dann doch, dass Ausfälle im laufenden Schuljahr „immer weniger gut abgedeckt“ werden können. Weil es voraussichtlich kein zusätzliches Personal gibt, könne das Gymnasium „nur noch mit Bordmitteln agieren, die schon ziemlich stark ausgeschöpft sind“.

Das Kollegium werde versuchen, längere Unterrichtsausfälle aufzufangen, „aber das geht nur in begrenztem Maß“. Das „letzte Mittel der Wahl“ wäre dann laut dem Schulleiter, den Mangel auf möglichst viele Klassen zu verteilen, so dass bei jeder nur wenige Stunden ausfallen - und nicht bei einer Klasse ein Großteil des Unterrichts. Aber ob das nötig werde, wisse man jetzt noch nicht.

"Es gibt 95 Prozent Positives an der Schule"

Überhaupt will Peter Schey „nicht nur aufs Negative schauen“. Es habe im vergangenen Schuljahr wieder Konzerte gegeben, Sport und andere Schulaktivitäten, die vorher wegen Corona zeitweise nicht möglich gewesen waren. Auch seien am Salier-Gymnasium deutlich weniger Schüler sitzengeblieben. Schey berichtet vom „niedrigsten Stand an Wiederholern der letzten fünf oder sechs Jahre“. Vielleicht hätten Lehrkräfte hier an einigen Stellen mehr Rücksicht genommen. In jedem Fall sieht er darin ein positives Zeichen. „Es gibt 95 Prozent Positives an der Schule.“

Corona-Einschränkungen gibt es, Stand jetzt, nicht. Auch keine Maskenpflicht. Mit Luftreinigungsgeräten oder Plexiglasscheiben sei das Salier-Gymnasium auch noch vom letzten Winter sehr gut ausgestattet, dank der Stadtverwaltung. Sie ist für die Sachausstattung zuständig.

Inklusion der ukrainischen Schüler wird schwierig

Ein Thema, das die Schule laut dem Leiter „bewegt“, sind die ukrainischen Schüler, die mit ihren Familien vor dem Krieg geflohen sind. Möglicherweise müsse das Gymnasium Vorbereitungsklassen einrichten. Die gibt es hier bislang nicht. „Hierfür Lehrkräfte zu finden, ist aber auch nicht einfach.“

Zudem sei es schwierig, die Ukrainer in Regelklassen zu setzen, damit sie den Unterricht auf Deutsch mitkriegen. Denn viele Klassen sind schon voll. „Wir können ja nicht 38 Kinder im Klassenzimmer haben.“ Dabei findet der Leiter es wichtig, dass geflüchtete Kinder beschult werden.

Lehrkräftemangel: "Man hätte schon etwas tun können"

Wie das gelingt, hängt auch wieder davon ab, ob es genug Lehrkräfte gibt. Für Scheys Rektor-Kollegen Axel Rybak bleibt das der wunde Punkt. „Am allermeisten schmerzt mich die Grundkonstellation, die mit den Jahren immer schlimmer wird, was eigentlich absehbar ist.“ Es sei zu wenig reagiert worden seitens der Politik. „Man hätte schon etwas tun können“, glaubt Rybak. Etwa bei der Zahl der Studienplätze oder Vorgaben zu Fächern, die studiert werden sollten.

„Für uns Schulleitungen ist es ein Drama, wenn zum Beispiel Referendare kommen mit der Kombination AES (Alltagskultur, Ernährung, Soziales, d. Red.) plus evangelische Religion. Dass man das überhaupt zulässt, heißt, dass man sehenden Auges in Kauf nimmt, dass diese Fachkraft Deutsch oder Mathe unterrichten wird.“ Das sei, was ihn wirklich ärgert. „Alles andere ist Handwerk. Den Stundenplan kriegen wir schon hin.“

„Wir starten absolut am Limit. Es darf niemand wegfallen.“ Kurz vor Beginn des Schuljahres 2022/23 ist der Lehrkräftemangel wieder das „Thema Nummer 1“ für Rektor Axel Rybak von der Staufer-Realschule in Waiblingen. Zwar sieht er seine Schule mit einem leichten Minus beim Personal noch „ganz gut aufgestellt“. Alle Fächer können erst mal unterrichtet werden. „Wir kommen klar“, so Rybak, der auch geschäftsführender Schulleiter der Waiblinger Schulen ist. Werden aber Lehrkräfte krank - oder

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