Waiblingen

Lehrerverband: Eltern bringen Kindern das Schulschwänzen bei

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Waiblingen. Es gibt keinen entschuldbaren Grund, die Ferienzeit zu individualisieren, schreibt der Lehrerverband VBE zur Diskussion über Schulschwänzer vor und nach den Ferien: „So bringen Eltern ihren Kindern das Schulschwänzen bei.“

Die Mitglieder des Kreisverbandes Bildung und Erziehung (VBE) wissen aus leidvoller Erfahrung: „Wenn Anfang Juni die zweiwöchigen Pfingstferien zu Ende gehen, sitzen leider nicht alle eigentlich ganz gesunden Schüler in den Klassenzimmern.“ Manche Erziehungsberechtigte gönnen ihren Kindern unerlaubterweise Gleitzeitferien und genehmigen ihnen eigenmächtig eine Verlängerung. Laut einer Pressemitteilung sieht der VBE solch negatives Elternverhalten nicht als entschuldbar und auch nicht als ein Kavaliersdelikt an, sondern schlichtweg als schlechtes Vorbild.

"Der Zweck heiligt nicht die Mittel"

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind die Schule schwänzt, zeigen sich die meisten ziemlich fassungslos. Trotzdem gebe es, so der VBE-Sprecher, immer wieder Erziehungsberechtigte, die ihren Kindern regelrecht vormachten, wie man Lehrer und Schule an der Nase herumführt, indem sie eigenmächtig die Schulferien ihrer Kinder verlängerten und deren Fehlen gerne mit „Schwindel“ oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen begründeten. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel“, meint man beim VBE Rems-Murr und appelliert an die Eltern, ihren Kindern nicht auf diese Weise das Schuleschwänzen beizubringen.

Schüler lernen, dass Schule doch nicht ganz so wichtig ist

Wenn vor oder nach Ferienblöcken der Familienurlaub unerlaubterweise verlängert und von den Erziehungsberechtigten das Fehlen der Kinder beim Klassenlehrer mit „Krankheit“ entschuldigt wird, lernten die Schüler von ihren Eltern, dass Schule doch nicht ganz so wichtig ist, und dass man mit List und Tücke, mit Lug und Trug seinen Willen durchsetzen kann. „Wenn Kinder dieses Tricksen später auch für sich in Anspruch nehmen und Unterricht schwänzen, sind dieselben Eltern hellauf entsetzt, fielen häufig aus allen Wolken und könnten überhaupt nicht verstehen, warum ihr Kind gegen Recht und Ordnung verstößt.

Kein entschuldbarer Grund, die Ferienzeiten zu individualisieren

Entgegen der landläufigen Meinung findet in den letzten Tagen vor den Sommerferien Schule statt, wenn auch in anderer Form als sonst, da alle Klassenarbeiten geschrieben und die Zeugnisnoten gemacht sind. Jetzt stehen vor allem Erlebnispädagogik und soziales Lernen im Vordergrund: Ausflüge, Besichtigungen, Schulfeste, Vorlesestunden, Theaterstücke oder Konzerte, die gemeinsame Vorbereitung von Klassennachmittagen, Abschiedsfeiern oder Schulgottesdiensten. Alles Dinge, für die oft in der Hektik des Schulalltags sonst wenig Zeit bleibt, so der VBE-Sprecher. Bei 75 unterrichtsfreien Tagen im Jahr, einschließlich der Feiertage, bestehe für Eltern kein entschuldbarer Grund, die Ferienzeiten zu individualisieren, den Beginn ohne Genehmigung vorzuverlegen oder das Ende nach Gutdünken zu verschieben. „Die Ehrlichen, die sich an die offiziellen, lange im Voraus bekannten Ferienpläne halten, sollen sich nicht als die Dummen fühlen müssen“, rügt der VBE-Sprecher die Schummler.

Waiblingen: Bis 1000 Euro Bußgeld

Die bayrische Polizei hatte auf drei Flughäfen Familien vor den Pfingstferien kontrolliert und in 20 Fällen Anzeige erstattet. Zuständig für Bußgelder sind die Ordnungsämter, die regelmäßig mit Schulschwänzern zu tun haben. So auch die Stadt Waiblingen. „Es gibt jährlich zehn bis 20 solcher Verfahren“, so Oliver Conradt, Leiter der Abteilung Ordnungswesen: „Schulversäumnisse werden uns von der Schule direkt mitgeteilt.“ Wie hoch das Bußgeld ist, dafür gebe es keine festen Regelsätze: „Der Bußgeldrahmen geht jedoch bis zu 1000 Euro. Mit mindestens 60 Euro pro Fehltag ist zu rechnen, wobei die Geldbuße aber auch deutlich höher liegen kann“.