Waiblingen

Lieferdienst statt Restaurantbesuch - davon profitiert nicht nur Bella Italia in Waiblingen

Bella Italia
Sibella Rio und Pasquale Rio vor ihrem Geschäft in der Rinnenäckerstraße. © Benjamin Büttner

Von Freitag bis Sonntagabend sind Pasquale Rio und seine Frau Sibella mit ihrem Lieferdienst besonders gefragt. Seit Restaurantbesuche weggebrochen sind, bestellen noch mehr Menschen bei ihnen. Davon profitiert nicht nur die Familie, sondern Lieferando. Wie viel steckt der Konzern dahinter ein?

Liebevoll hat die Familie den kleinen Laden in der Rinnenäckerstraße eingerichtet. Ein dunkles Ledersofa und ein altes Mofa sorgen für Gemütlichkeit. Es sei wie ein zweites Wohnzimmer, erklärt das Ehepaar. Schließlich verbringen sie hier die meiste Zeit des Tages. Normalerweise warten ihre Kunden gerne auf einem der hohen Stühle an der Theke, von der aus man in die Küche blicken kann. „Wenn viel los ist, dann ist das wie Kino“, sagt Pasquale.

Es ist kurz vor vier Uhr. Die Ruhe vor dem Sturm. Die beiden rauchen noch mal eine Zigarette, bevor es losgeht. Das Geschäft laufe sehr gut zurzeit, erzählen die beiden. Jetzt, wo wegen der Corona-Auflagen kein normaler Restaurantbesuch möglich ist, bestellen mehr Leute als sonst bei ihnen. „Für uns ist es ein Vorteil“, sagt Pasquale Rio. Doch Schadenfreude empfänden sie nicht. Sie wissen auch von vielen Stammkunden, die derzeit auf die Pizza von ihnen verzichten müssen. „Viele sind sehr sparsam geworden“, sagt Pasquale Rio. Viele berichten von Kurzarbeit oder sogar einem Job-Verlust. Das tue ihnen richtig leid, erzählen die beiden.

Wie das Paar zum Lieferdienst in Waiblingen kam

Der 45-jährige Pasquale Rio ist gelernter Koch, lange habe er auch von einem eigenen Restaurant geträumt. Mehrere Jahre habe er in einem angesehenen Frankfurter Restaurant gearbeitet. Seine Frau Sibella sprach sich allerdings dagegen aus. Vor fünf Jahren bekam er schließlich die Gelegenheit, den Lieferdienst seines Onkels zu übernehmen, und er ergriff die Chance. Heute sind die beiden froh, mit dem Lieferdienst haben sie bereits mehr als genug zu tun. Vor allem weil die beiden auch eine erst eineinhalb Jahre alte Tochter haben. Die Oma passt auf, während sie im Laden stehen, erzählt die 31-jährige Sibella Rio. Die Familie packt gemeinsam an.

Es braucht viel Strategie

Richtig zur Sache geht es bei dem Lieferdienst am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend. Besonders in der Zeit zwischen 18 und 20 Uhr ist viel los. Nicht nur aus Waiblingen kommt die Kundschaft, auch besonders viele Fellbacher bestellen bei Rios. Es ist eine logistische Herausforderung, möglichst schnell die bestellten Pizzen und Pastagerichte auszuliefern. In der Küche hat das Team eine Metalltafel hängen, dort stehen alle Bestellungen. Sobald ein Fahrer auf dem Weg zurück in den Laden ist, lässt er das Telefon anklingeln. Dann weiß das Team vor Ort, dass jetzt die Pizzen in den Ofen müssen, die als Nächstes dann wieder ausgefahren werden. Die Fahrer im Laden lange warten zu lassen wäre schließlich verschenkte Zeit, erklärt Pasquale Rio. Zu seinen Aufgaben gehört es, hier abends den Ablauf so zu koordinieren, dass die Essen möglichst schnell bei den Kunden sind. „Ich kenne alle Straßen in Waiblingen“, sagt der 45-Jährige. Er gebe seinen Fahrern höchstens drei Bestellungen mit, schließlich sollen die Pizzen beim Kunden heiß und knusprig ankommen.

Besonders stolz sind die beiden auf ihre gute Bewertung bei Lieferando. Fünf von fünf Sternen hat ihr Geschäft. Solche Zahlen sind enorm wichtig in dem Geschäft, die Plattform Lieferando ist der Platzhirsch, die wohl wichtigste Plattform, wenn es um das Bestellen von Essen geht. Dort können sich die Kunden alle Lieferdienste in der Umgebung und das entsprechende Angebot anzeigen lassen.

13 Prozent des Umsatzes behält Lieferando

Praktisch für den Kunden, doch für die Unternehmen hat das Ganze auch einen Haken. Denn der Konzern Just Eat Takeaway, der hinter der Seite Lieferando steht, bekommt ganze 13 Prozent der Bestellung. Ein Beispiel zeigt, was das bedeutet: Von der gelieferten Pizza Salami, die bei Bella Italia neun Euro kostet, behält Lieferando 1,17 Euro. Das Geld fließt alleine dafür, dass der Lieferdienst bei der App gelistet ist. Die Lieferung, die Produktion und sämtliche andere Kosten trägt alleine der Lieferdienst. Lediglich ein paar Tüten, T-Shirts und Jacken in dem typischen Orange des Unternehmens bekommen die Lieferdienste. Lieferando, beziehungsweise Just Eat Takeaway, hat von seinem Geschäftsmodell profitiert und auch an der Börse stieg der Wert des Unternehmens in den vergangenen Jahren massiv. Im Oktober erreichte der Aktienwert einen neuen Höchststand.

„Ohne Lieferando geht es nicht“

Aber warum lassen sich die Lieferdienste auf die Geschäftspraxis von Lieferando ein? „Ohne Lieferando geht es nicht“, sagt Pasquale Rio. Über die App kommen einfach zu viele Bestellungen an. Viele nutzen die Möglichkeit offenbar gerne. Schlecht reden will das Ehepaar aber nicht über den Konzern, schließlich habe man einen Vertrag und sei Geschäftspartner. Doch wer den Lieferdiensten etwas Gutes tun will, der bestellt direkt beim Produzent.

Sibella und Pasquale Rio sind stolz auf das, was sie sich hier mit dem Laden aufgebaut haben. Nicht jedes Paar, da sind sie sich einig, könne auch gemeinsam jeden Tag zusammen arbeiten. Ihre Beziehung sei schon etwas ganz Besonderes, sind sie sich einig. Als Zeichen ihrer Liebe haben die beiden sich denselben Spruch auf den Unterarm tätowieren lassen, den sie stolz vorzeigen: „Il tempo passa. L’amore resta“ (auf Deutsch: Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt).

Von Freitag bis Sonntagabend sind Pasquale Rio und seine Frau Sibella mit ihrem Lieferdienst besonders gefragt. Seit Restaurantbesuche weggebrochen sind, bestellen noch mehr Menschen bei ihnen. Davon profitiert nicht nur die Familie, sondern Lieferando. Wie viel steckt der Konzern dahinter ein?

Liebevoll hat die Familie den kleinen Laden in der Rinnenäckerstraße eingerichtet. Ein dunkles Ledersofa und ein altes Mofa sorgen für Gemütlichkeit. Es sei wie ein zweites Wohnzimmer, erklärt

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