Waiblingen

Logopädin Pfleiderer zum Thema Schluckstörungen

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Heidemarie Pfleiderer zeigt am Modell eines Kehlkopfes, wie Schlucken funktioniert. © Ralph Steinemann

Waiblingen. Wir schlucken täglich eine Menge runter. Speisen, Getränke, Speichel – und nicht selten auch Ärger. Bis zu 2000-mal täglich funktioniert dieser angeborene Reflex, über den wir nie nachdenken – es sei denn, wir haben Probleme damit. Dass Schluckstörungen auf Kosten der Lebensfreude gehen können, weiß niemand besser als die Waiblinger Logopädin Heidemarie Pfleiderer – eine der Fachfrauen bei der Expertenhotline jüngst im Rahmen des europäischen Tags der Logopädie.

Beim Schlucken kann der Hals wehtun, das weiß jeder, der mal eine fiese Halsentzündung hatte. Manchmal kann das Schlucken aber auch selbst Probleme machen – ein Vorgang, bei dem immerhin 50 Muskelpaare und sechs Hirnnerven beteiligt sind. Tatsächlich, sagt die Waiblinger Logopädin Heidemarie Pfleiderer, „haben sieben Prozent der Bevölkerung Probleme mit dem Schlucken“.

Krankheiten, die Schluckstörungen zur Folge haben

Seit 1999 hat die Logopädin eine eigene Praxis, seit 2009 kooperiert sie mit den Rems-Murr-Kliniken. Im Klinikum Winnenden behandelt sie seit Juli 2014 Patienten, die unter Schluckstörungen (Dysphagie) leiden. Diese treten häufig als Folge von Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, ALS oder Demenz auf, neu betroffen sind in Deutschland davon jährlich rund zwei Millionen Menschen. Schluckstörungen können aber auch eine Folge angeborener Fehlbildungen oder von Tumoren sein. Dazu kommt die Dysphagie als Alterserscheinung: „Wenn man älter wird, ist die Muskulatur nicht mehr so kräftig, die zuständigen Muskeln erschlaffen.“

Schluckstörungen muss man behandeln

Klar, jeder Mensch hat sich schon mal verschluckt. Kommt dies aber häufig vor, sollten die Ursachen abgeklärt werden. Dass Schluckstörungen erkannt und behandelt werden, sei notwendig, weil sie zu Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel, Gewichtsverlust und Lungenentzündung führen könnten. Dazu kommen die seelischen Folgen: Viele Betroffene schämten sich wegen ihrer Probleme und ziehen sich deshalb vom sozialen Leben zurück.

Geheilt: Neue Lebensfreude

Die andere Seite: Patienten, die von ihren Schluckstörungen geheilt werden, erleben eine neue Lebensfreude. Wie der 75-jährige Patient, der nach seiner erfolgreichen Therapie wieder voller Lust Erdbeertorte genießen kann. „Zuvor hatte er sich aus dem aktiven Leben zurückgezogen“, berichtet die Fachfrau.

„Oft bleiben die Signale unerkannt, wenn jemand oft hustet oder sich räuspert“

Schluckstörungen können also gefährlich werden. Häufig – vor allem bei betagten Menschen oder Demenzpatienten - werden sie aber nicht so einfach erkannt. Anzeichen wie Hustenreize, Speichelfluss im Mund oder Aufstoßen nach dem Essen wirken oft eher harmlos, sagt Heidemarie Pfleiderer. Andere Signale wie Fremdkörpergefühle im Hals, Atemnot beim Essen und Trinken, erschwertes Kauen, undeutliches Sprechen, Gewichtsabnahme oder Fieber und Lungenentzündung, lassen vielleicht aufhorchen, werden aber nicht immer auf diese Störung zurückgeführt. „Oft bleiben die Signale unerkannt, wenn jemand oft hustet oder sich räuspert“, sagt Heidemarie Pfleiderer. Das auch deshalb, weil die Betroffenen oft keine Lust mehr hätten, gemeinsam mit anderen zu essen, und sich immer mehr isolieren.

Bei Schlaganfallpatienten wird interdisziplinär gearbeitet

Bei Schlaganfallpatienten wird in der Klinik sofort interdisziplinär gearbeitet: „Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden arbeiten zusammen, trainieren mit den Patienten das aufrechte Sitzen, machen aber auch Übungen im Zungen-, Lippen- und Rachenbereich.“ Hilfreich könne anfangs auch das Andicken von Flüssigkeiten sein, weil diese so leichter geschluckt werden können. Ausgleichend wirkt manchmal aber auch schon eine neue Sitzposition beim Essen.

Lebensbedrohliche Auswirkungen

Heidemarie Pfleiderer ist Logopädin mit Praxis in Waiblingen und Korb, außerdem arbeitet sie am Klinikum in Winnenden. 2002 machte sie den Abschluss in Lehr- und Forschungslogopädie an der Uni Aachen. Zudem belegte sie zahlreiche Fortbildungen.

Neben ihrer therapeutischen Arbeit hält sie Vorträge und gibt Seminare für Therapeuten, Ärzte und Pfleger zu Dysphagie, Aphasie und Angehörigenberatung.

Am europäischen Tag der Logopädie unterstützte sie als Expertin die Hotline zum Thema Schlucken.

Sie weiß: „Da eine Schluckstörung lebensbedrohliche Auswirkungen haben kann, sind die klinische Schluckuntersuchung und die diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen für den Patienten von vitaler Bedeutung.“