Waiblingen

Lukas Amores zu Besuch bei Siebtklässlern der Friedensschule in Waiblingen: So gefährlich sind Smartphones

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Lukas Amores diskutiert mit Siebtklässlern der Friedensschule über den Einfluss der sozialen Medien und ihr Nutzungsverhalten. Auch in der Pause suchen die Schüler den Kontakt. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Stellt euch mal vor, ihr schaltet für eine Woche euer Smartphone aus“, spricht Lukas Amores die Siebtklässler in der Friedensschule an. Alle schweigen. Amores erntet erstaunte Blicke. Für manch einen ist dies schwer vorstellbar, da bei einigen der 13- bis 15-Jährigen das Smartphone zum festen Bestandteil im Alltag geworden ist. Manche von ihnen haben bereits im Grundschulalter ein mobiles Endgerät erhalten, nutzen dies seit Jahren intensiv, in der Corona-Krise sogar noch intensiver.

Lukas Amores fordert die Schüler auf, ihre Bildschirmzeit auf dem Smartphone abzufragen, und stellt ihnen die Frage: „Glaubt ihr, dass ihr die Nutzungszeit selbst kontrollieren könnt?“ Sämtliche Apps tun alles dafür, dass dies nicht so ist, klärt er auf. Auch wenn man sich vornehme, nur ein Video anzuschauen, werden schnell mehr daraus. Verschiedene Apps zeigen kein Ende an, wenn man nach unten scrollt. Man verliere sich dabei. Tatsächlich sei einem das nicht bewusst. Ganz im Gegenteil. Eher werde das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. „Das ist krass gefährlich“, macht Amores den Schülern deutlich, und könne abhängig machen. Ähnlich sei es bei Chats. Klingele das Handy bei einer neuen Nachricht, freue man sich automatisch.

Videos in Social Media vermitteln nicht die reale Welt

„Das, was in den Videos vermittelt wird, ist nicht die reale Welt“, betont der 22-Jährige. Er selbst hat erfahren, wie die Scheinwelt funktioniert und mit welchen Mitteln gearbeitet wird. Mit 19 Jahren ist Lukas Amores nach Berlin gegangen, um Filme zu machen mit angesagten Rappern wie 6ix 9ine, Olexesh oder Miami Yascine. Für ihn ging damals ein Traum in Erfüllung. Nach nur drei Monaten räumte er aber wieder das Feld. Denn verkauft habe man in den Filmen eine Welt, die es so gar nicht gibt, Heranwachsende aber stark beeinflusst. Er habe sich damals die Frage gestellt: Mache ich gute Videos oder lüge ich die Leute an? Er hatte sich für Ersteres entschieden, ging anschließend nach Österreich in ein theologisches Seminar. Er wollte Abstand gewinnen und ein Stück weit zu sich selbst finden. Dort machte er ganz andere Filme, ehrliche – wie er es sich gewünscht hatte - und ließ sich zum Medienscout ausbilden.

Nun lautet seine Motivation: „Ich möchte den Kids zeigen, was wirklich wichtig ist und, dass echte Fähigkeiten viel mehr wert sind als das, was einem in Videos vorgemacht wird!“ Den Workshop „Deutschrap-Hype – ein Einblick in die Hype-Kultur“ bietet er im Rahmen der Jugend-Kultur-Woche „Bunt statt Braun“ an, welche diese Woche das Kulturhaus Schwanen veranstaltet. Der Kontakt zu dem Stuttgarter kam über Mitorganisator und Kriminalhauptkommissar Leo Keidel zustande.

Das Klassenlehrerinnenteam Sonja Kehmer und Antje Firnhaber greift das Thema Mediennutzung und mögliche Alternativen mit den Siebtklässlern in dieser Woche aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf. Dazu zählt etwa auch ein Besuch der Orts- und Schulbücherei sowie ein gemeinsam gekochtes Mittagessen. „Jugendliche haben teils Schwierigkeiten, eine Alternative zum Smartphone zu finden“, weiß Sonja Kehmer. Manche würden sich schnell langweilen, wenn das Mobiltelefon außer Reichweite sei. Ziel ihrer Projektwoche an der Friedensschule sei es, dass Schüler ihr Nutzungsverhalten überdenken. Dass es auch mal ohne Smartphone geht, haben sie schon bei einer gemeinsamen Fahrt ins Schullandheim vor einiger Zeit erfahren, als die Schüler ihre Geräte zu Hause lassen mussten.

Influencer gaukeln Leben im Wohlstand vor

Dass Alternativen so viel mehr wert sind als das, was oftmals in der Medienwelt vorgegaukelt wird, zeigt Lukas Amores in einem Dokumentarfilm auf, den er unlängst mit dem Influencer Tayler Schweigert und Schülerin Vivian aus Bittenfeld gedreht hat. Schweigert lebt auf Dubai und arbeitet für seine Plattform nach eigenen Angaben zwischen zehn und 18 Stunden täglich. Er schätze sehr, was er mache sowie wo und wie er leben darf, „aber ohne Social Media wäre ich wahrscheinlich glücklicher!“ Niemand leide im Internet unter Akne oder fliege Economy Class. In Wahrheit aber steige man als Letzter aus dem Flieger, um vorher noch schnell ein Selfie in der Business Class zu schießen. Vermutlich werde es den Tag geben, dass er sich aus den sozialen Medien zurückziehe. Das ständige Vergleichsspiel nütze niemandem etwas, so Schweigert. Vivian wollte früher auch Influencerin werden, sagt sie im Video. Mittlerweile habe sie aber gelernt, das zu schätzen, was sie habe.

„Es sind alles Menschen wie du und ich“, fasst Lukas Amores seine Erfahrungen zusammen, die er sowohl während seiner Berlinzeit als auch als Filmemacher und Student in Stuttgart gesammelt hat. „Am Ende lebt jeder sein eigenes Leben!“

„Stellt euch mal vor, ihr schaltet für eine Woche euer Smartphone aus“, spricht Lukas Amores die Siebtklässler in der Friedensschule an. Alle schweigen. Amores erntet erstaunte Blicke. Für manch einen ist dies schwer vorstellbar, da bei einigen der 13- bis 15-Jährigen das Smartphone zum festen Bestandteil im Alltag geworden ist. Manche von ihnen haben bereits im Grundschulalter ein mobiles Endgerät erhalten, nutzen dies seit Jahren intensiv, in der Corona-Krise sogar noch

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