Waiblingen

Märchen aus dem Zauberwald

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Puppenspielerin Helene Bügler mit Prinzessin Goldsternchen und dem König. © Ralph Steinemann

Waiblingen. Zweimal täglich volle Reihen: Für die kleinen Besucher des Waiblinger Weihnachtsmarkts ist das Wonnegauer Puppentheater neben Kinder-Eisenbahn und Schleckereien die große Attraktion. Mit Spielwitz und selbstgeschnitzten Stabpuppen steht die Familie Bügler aus der Wormser Gegend für 300 Jahre Tradition.

Im Video: Helene Bügler und das Wonnegauer Puppentheater auf dem Weihnachtsmarkt in Waiblingen. 

Kasperle, König, Krokodil, Prinzessin Goldsternchen und Hexe Sauerkraut - das sind die Helden des Waiblinger Weihnachtsmarkts. Das Wonnegauer Puppentheater, das dreieinhalb Wochen täglich zweimal unter den Arkaden des Alten Rathauses zum lautstarken Kindervergnügen einlädt, erfreut sich großer Beliebtheit und zieht Familien an.

Von Hexen, Prinzessinen und Dino-Babys

Das Personal wechselt, doch die Geschichten ähneln sich verdächtig – und genau so muss es sein. Mal entführt die Hexe die Prinzessin unter dem Vorwand, ihr einen Igel als Haustier schenken zu wollen, mal kidnappt sie ein Dino-Baby, das seine Mama sucht. Doch keine Sorge: Auf das Kasperle ist Verlass. Mit Unterstützung der Kinder macht er, dass alles wieder gut wird. Denn die Zuschauer hat er stets auf seiner Seite, da mag die sauertöpfische Alte sich noch so bemühen. Zum Schluss stellt sich meistens raus, dass sie sich wie alle nur nach Freundschaft und Lebensfreude sehnt.

Kunstvolle Stabpuppen aus eigener Werkstatt

Es ist die alte, nie langweilig werdende Geschichte von Gut gegen Böse. Garantiert siegt das Gute, und das Böse hat sich im Grunde nur geirrt. Die Methoden haben sich freilich geändert, wie’s die zeitgemäße Pädagogik erfordert. So wurde dem Krokodil früher mit dem Knüppel eins übergebraten, während es heute mit strengen Worten zurechtgewiesen wird Das schnucklige Reptil selbst aber, das Alter sieht man ihm nicht an, stammt tatsächlich aus der Werkstatt des Großvaters der aktuell in Waiblingen tätigen Puppenspielerin Helene Bügler.

Ihre Familie steht für mehr als 300 Jahre Tradition des Figurentheaters. Die Bühne, die Kulissen, die Puppen und ihre aufwendigen Kleider sind sämtlich in Handarbeit von Familienmitgliedern entstanden und werden immer wieder aufs Neue repariert und bemalt, die Kostüme geflickt.

Körperlich anstrengende Arbeit

Während sich das große und kleine Publikum einfach von der Lebendigkeit von Kasperle und Co. verzaubern lässt, betätigt die 56-jährige Spielerin hinter der Wand die feine Mechanik der Stabfiguren, um deren Arme, Köpfe und Münder zu bewegen. Körperlich eine anstrengende Arbeit für die zierliche Frau, aber eben auch eine wunderschöne. Die leuchtenden Augen der Kinder zu sehen, die sich vor Aufregung rötenden Wangen – das macht sie glücklich. Durch ein winziges Guckloch in der Bühne hat sie ihr Publikum stets im Blick.

Vater Ronald Wolter steht sogar mit 84 noch hinter der Bühne

Mit elf Jahren spielte Helene Bügler erstmals bei einer Aufführung mit und feierte mit 16 ihre Solopremiere. Das Wonnegauer Puppentheater gastiert auf Weihnachtsmärkten in Worms, Bruchsal, Rastatt und Ludwigshafen. Die Familienmitglieder teilen sich auf mehrere Standorte gleichzeitig auf, Vater Ronald Wolter steht sogar mit 84 noch hinter der Bühne. Helene Büglers Mann Charly und Tochter Sarah-Jane sind ebenfalls Puppenspieler.

Als die Mutter neulich nach Nürnberg zum Auftritt in einer Shopping-Mall musste, wurde sie in Waiblingen von der Tochter vertreten, die eigentlich gerade eine Kinderpause einlegt. Außerdem springt einer der Söhne manchmal ein. In Waiblingen zahlt das WTM-Stadtmarketing für das ganze Gastspiel einen Pauschalpreis, während die Künstlerin in einer Ferienwohnung unterkommt. Dass das lästige und stets für Unruhe sorgende Kassieren entfällt, kommt ihr gerade recht.

Neues Betätigungsfeld in Altersheimen

Ein festes Quartier hat die Familie im Kurpfalz-Freizeitpark bei Bad Dürkheim, dazu kommen viele Gastspiele in Einkaufszentren und auf Stadtfesten. Nur die Besuche bei Schulklassen sind im Vergleich zu früher weniger geworden – die Lehrpläne lassen keine Zeit mehr. Einige Male spielte sie vor schwer kranken Kindern in Kliniken. „Einige konnten sich vor Schwäche kaum regen, aber in den Augen konnte man ihre Freude aufblitzen sehen.“ Ein neues Betätigungsfeld entdeckten die Wonnegauer in Altersheimen. Die Bewohner erinnerten sich an ihre Kindheit und machten begeistert mit. Für die Zukunft hofft Helene Bügler, dass vielleicht mal ihre Enkel den seltenen Beruf als Berufung entdecken.

Aufführungen

  • Das Wonnegauer Puppentheater ist in diesem Jahr zum zweiten Mal zu Gast auf dem Waiblinger Weihnachtsmarkt. Und zwar bis Mittwoch, 21. Dezember.
  • Die Vorstellungen finden täglich um 15.30 Uhr und 17 Uhr unter den Arkaden des Alten Rathauses statt. Der Eintritt ist frei.