Waiblingen

Maler Axel Arndt im Schwanen in Waiblingen: Vom dröhnenden Schweigen der Städte

AxelArndt
Gemälde von Axel Arndt (1941 bis 1998) in abgründig altmeisterlicher Technik (links „Stadt am Hang“ von 1967). © ZVW/Gaby Schneider

Der 1941 im bald danach zerbombten Berlin geborene Axel Arndt gehört zu einer Generation, die einen unheimlich zweiten Blick dafür hat, hinter allem Gebauten immer schon auch die schwarzen Fenster, die zukünftigen Ruinen zu sehen.

Hieß es im Mai '68 noch fröhlich „unter dem Pflaster liegt der Strand“, spiegeln die Metropolen kurz danach die erneute Versteinerung der sozialen Verhältnisse wider. Statt des Strandes durchziehen ab 1970 dunkle Kanäle wie Todesflüsse die Stadtlandschaften des Malers Axel Arndt.

So etwa in der dreiteiligen Aquatinta-Serie „Alphaville“. Zu sehen sind städtische Moloche, die von aufragenden Türmen durchplustert sind, darunter die auf vielen Werken wiederkehrende Bilderfindung des Künstlers, die „Acid Tanks“, fleischfarbig wie obszön nach oben gestülpte Gemächte, die an die Architektur von Kernkraftwerken erinnern, unter denen das Wasser zu steigen beginnt.

Umschlagen einer humanen Utopie in die Dystopie menschenabweisender Un-Orte

Menschen sind hier nicht zu sehen. Stattdessen tauchen in vielen Werken des akribisch altmeisterlich, oft mehrschichtig in Öl und Eitempera malenden Künstlers fahl aufragende Wesen wie steinerne Droh- und Überwachungs-Götzen auf. Alex Arndt wird mit seinen Arbeiten in den 70er Jahren zum präzisen Diagnostiker des Umschlagens einer humanen Utopie in die Dystopie menschenabweisender Un-Orte. Zu sehen, hören, fühlen und schmecken ist das dröhnende Schweigen der Städte.

In „Das Tor zur Stadt“ (Farbradierung, 1979) ist der schachtartige Zugang versperrt und auf einmal kippen die fahlen Türmchen in Friedhofsmonumente. Deutschland als wie in der „Bleiernen Zeit“ von Terror und Restauration. Ein Kyffhäuser-artiges Bauwerk hat Arndt mit „Monument“ (1977) gemalt. Hier führt eine breite Treppe in ein zum Schlund geöffnetes Tor. Wer hier eintritt, ist verloren. Das Denkmal als verschlingende nationale Opferstätte.

Als 18-Jähriger kam Axel Arndt zum Studium nach Stuttgart

Und dann begegnet man in dieser fabelhaft kuratierten kleinen Retrospektive auch dem melancholischen Romantiker, etwa auf seinen kleinformatigen Berliner Häuseransichten. „Gewächshaus in Kreuzberg“ (1980) gibt einen geradezu zärtlich befremdeten Einblick in einen vom blassen Vollmond beschienen Hinterhof als magisch verlockendem Sehnsuchtsort des nächtlichen Wanderers. Der Himmel über einem Berlin, vor dessen Verschwinden in der Gentrifizierung nach dem Fall der Mauer. Schon als 18-Jähriger kam Axel Arndt zum Kunststudium nach Stuttgart. Er lebte und arbeitete seit 1973 in Korb und starb, sich gesundheitlich verzehrt habend, 1998 in Waiblingen.

Cornelius Wandersleb vom Kulturhaus Schwanen kannte den Maler Axel Arndt

Befreundet war Axel Arndt mit dem Bildhauer Guido Messer und dem Maler und Kunsterzieher am Salier-Gymnasium Franz Sequenc, dem im Schwanen zuletzt eine eindrucksvolle Ausstellung gewidmet wurde. Auch Schwanen-Chef Cornelius Wandersleb hat den Maler in jungen Jahren kennengelernt und erinnert sich an einen faszinierenden Menschen und großen Künstler.

Arndt war, bedingt auch durch seine akribische Technik, ein durchaus langsamer Maler, dessen gar nicht so großes Werk vor allem von vielen Kunstsammlern geschätzt wurde. Durch Unterstützung des Bietigheimer Galeristen Rudolf Bayer, von Dagmar Bruckmann und privaten Leihgebern konnte Wandersleb mit Bertold Becker im Schwanen eine Ausstellung umsetzen, die auch in einer großen Galerie Aufsehen machen würde. Unbedingt ansehen. Nur noch bis zum 13. April, von Montag bis Freitag von 9 bis 16 und 17 bis 22 Uhr und samstags von 17 bis 22 Uhr. Sonntag ist geschlossen.

Der 1941 im bald danach zerbombten Berlin geborene Axel Arndt gehört zu einer Generation, die einen unheimlich zweiten Blick dafür hat, hinter allem Gebauten immer schon auch die schwarzen Fenster, die zukünftigen Ruinen zu sehen.

Hieß es im Mai '68 noch fröhlich „unter dem Pflaster liegt der Strand“, spiegeln die Metropolen kurz danach die erneute Versteinerung der sozialen Verhältnisse wider. Statt des Strandes durchziehen ab 1970 dunkle Kanäle wie Todesflüsse die Stadtlandschaften

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