Waiblingen

Marihuana an Minderjährigen verkauft

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Waiblingen. Mit Marihuana soll ein 24-jähriger Gambier im Asylbewerberheim am Neustädter Bahnhofsplatz gehandelt haben. Dafür ist er nun vom Amtsgericht Waiblingen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten bestraft worden. Besonders schwer wog, dass ein namentlich bekannter Kunde damals erst 17 Jahre alt war.

„Mein Name ist Hase, ich weiß von nix“: Nach diesem Motto versucht sich ein junger Gambier am Waiblinger Amtsgericht aus der Affäre zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen vor, von September 2016 bis Ende Februar 2017 gewerbsmäßig mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Ganz konkret geht es um Marihuana. Einem Komplizen, einem mittlerweile inhaftierten Asylbewerber aus Ravensburg, soll er Nachschub für Drogenverkäufe geliefert haben. Außerdem soll er das Cannabis-Kraut selbst vertickt haben – unter anderem an einen damals minderjährigen Waiblinger.

„Ich verkaufe keine Drogen“ ist alles, was der junge Mann dazu zu sagen hat. Auch sein 22-jähriger Komplize, ebenfalls Gambier, gibt zwar seine eigenen Cannabis-Verkäufe zu, will aber nie mit dem Angeklagten Geschäfte getätigt haben.

Zeugenaussage spricht gegen ihn

An der Aufrichtigkeit dieser Worte darf nach der Beweisaufnahme jedoch gezweifelt werden. Zwar sind beim Angeklagten keine typischen Utensilien wie eine Feinwaage oder Tütchen gefunden worden – ein Umstand, den der Verteidiger hervorhebt. Doch eine Zeugenaussage und Chat-Nachrichten sprechen gegen die Unschuldsbeteuerungen des Mannes.

Auf den Neustädter ist die Polizei über den Komplizen und einen Kunden, einen mittlerweile 18-jährigen Waiblinger, gekommen. Dieser hatte mehrfach bei dem Ravensburger Marihuana gekauft. Der 22-Jährige kam häufig vom Bodensee nach Neustadt, um dort Freunde zu besuchen und auszugehen.

Verdächtige Chats auf dem Smartphone

Die Polizei hatte Ermittlungen gegen den 22-Jährigen aufgenommen. In seinem Smartphone stießen die Beamten auf mehrere verdächtige Chats. Einen hatte er mit dem damals 17-Jährigen geführt. In einem weiteren orderte er Nachschub: mal „zwei Päckchen“, mal fünfundzwanzig Gramm, zitiert Richter Blattner aus dem Chatverlauf. Wem er schrieb, war jedoch zunächst unklar. Der Kontakt war unter einem Spitznamen abgespeichert.

Die Polizei identifizierte den 17-jährigen Käufer und befragte ihn. Er zeigte sich geständig – und erkannte zufällig in einer Fotomappe den Angeklagten wieder. Auch bei ihm habe er ein einziges Mal Marihuana gekauft. „Schlechte Qualität“, erinnert er sich bei seiner Zeugenaussage. Um zwischen acht und 15 Gramm für etwa hundert Euro dürfte es gegangen sein.

Ungünstige Sozialprognose

Schnell fand die Polizei die Verbindung zwischen den beiden Gambiern: Die Handynummer, die sie im Chat gefunden hatten, gehörte zu einer SIM-Karte des Angeklagten. Den Einwand des Verteidigers, das auch Dritte das Handy des Angeklagten benutzt hätten, befindet die Staatsanwältin als unrealistisch: Dazu sei der Chat-Zeitraum zu lang und der Spitzname zu eindeutig zugeordnet gewesen. Sie beantragt als Strafe achtzehn Monate Haft ohne Bewährung und hundert Euro Wertersatz für den bezeugten Verkauf an den Waiblinger Jugendlichen. Außerdem solle er die Verfahrenskosten tragen. Der Verteidiger plädiert auf eine Freiheitsstrafe von weniger als einem Jahr auf Bewährung.

Richter Blattner belegt den jungen Mann nach einer Beratung mit den Schöffen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung, dem Wertersatz in Höhe von einhundert Euro sowie den Verfahrenskosten.

Zwar hat der 24-Jährige keine Vorstrafen, doch seine Haltung vor Gericht spricht gegen ihn, wird in der Urteilsbegründung deutlich. Ebenso der Umstand, dass er sich nicht um das Alter seines Kunden gekümmert und Minderjährigkeit zumindest in Kauf genommen hat. Den Ausschlag gibt jedoch die ungünstige Sozialprognose: Der Asylantrag des Gambiers ist abgelehnt worden, derzeit läuft ein Berufungsverfahren. Es sei zu schwer abzusehen, wie sich die Zukunft des 24-Jährigen entwickelt, sagt Blattner. Deshalb könne er die Strafe nicht zur Bewährung aussetzen.