Waiblingen

Martinimarkt in Waiblingen: Gut besucht, aber nicht überfüllt

Martinimarkt
Eine Engstelle ist stets die Lange Straße. © Alexandra Palmizi

„Der größte Fehler, den du im Zusammenhang mit dem Martinimarkt begehen kannst“, sagte ein junger Familienvater aus Weinstadt und schaute dabei lachend auf seine beiden fünf- und dreijährigen Töchter, die links und rechts an seinen Händen hingen, „ist hungrig aus dem Haus zu gehen. Da zerren dich nicht nur die Kinder in Richtung all der verlockenden Düfte, auch der eigene Magen tanzt wie wild und fordert sein Recht ein.“ Auf den Hinweis der Älteren hin, dass es seit dem Frühstück schon „furchtbar lang“ her sei, beruhigte die Mutter, dass sie nur noch zum nächsten Geldautomaten müsse, dann werde man miteinander etwas zu essen kaufen. Deswegen und zum Schauen sei man ja schließlich nach Waiblingen gekommen.

Nur wenige Besucher zum Start des verkaufsoffenen Sonntags in der Stadt

Um halb elf Uhr am Sonntagmorgen hatte Waiblingens Talaue noch den wenigen Spaziergängern gehört, die ihre Hunde ausführten oder sich mit Bekannten trafen, einer kleinen Gruppe von Bocciaspielern, die den verwaisten Biergarten zu ihrer Spielbahn umfunktioniert hatten. Über den Alten Postplatz in die Kurze Straße hinein pfiff ein schneidiger Wind und ließ die wenigen Frühstücksgäste frösteln, die sich zwischen Back-Galerie und dem Verkaufswagen des Beinsteiner „Käs-Bärs“ niedergelassen hatten. „Das wird sich im Laufe des Tages noch ändern“, gab sich Rudolf Meisner aus Hohenacker zuversichtlich, dessen frisch gebrannte Mandeln von seinem Stand aus weit über den Platz hinaus Nasen und Gaumen verführerisch reizten. „Die Waiblinger werden sich nicht lange bitten lassen und ihren Martinimarkt fleißig besuchen“, sagte er voraus. Zu sehr stecke den Menschen noch der lange Lockdown mit seinem Veranstaltungsverbot in den Knochen, nun wollten sie heraus, bummeln, sich treffen, Gemeinschaft erleben und genießen. Er selbst sei froh, dass er über diese schwierige Zeit dadurch hinweggekommen sei, dass er von den Jahrmärkten auf den Wochenmarkt ausgewichen sei. Dies sei wenigstens ein kleiner Ausgleich gewesen.

Er habe es ebenfalls so gehalten und sei von den Jahr- auf die Wochenmärkte gewechselt, berichtete Roland Schäuffele aus Monsheim, der die Produkte seiner Familienimkerei in der Nähe der Nikolaikirche feilbot. Mehr als Corona und Lockdown habe die Honigerzeugung darunter gelitten, dass es für die Bienen ein alles andere als einfaches Jahr gewesen sei. Vor dem Kircheneingang reihten sich die Gottesdienstbesucher der griechischen Gemeinde diszipliniert mit Gesichtsmasken auf und warteten, bis sie an einem Stand mit Wurstspezialitäten vorbei und zwischen dem anschwellenden Strom der Marktbesucher in das Gotteshaus hineinkonnten.

Jens Lendewig von der Schorndorfer Metzgerei Frick meinte, er sei froh, dass für den Markt keine 3G-Vorgabe gelte. „Das hätte mindestens 40 Prozent weniger Umsatz bedeutet“, sei seine Erfahrung der vergangenen anderthalb Jahre gewesen.

Laut Vollzugsdienst der Stadt Waiblingen haben sich die Altstadt-Besucher weitestgehend an die Vorgaben der Corona-Verordnung gehalten. Hie und da hätten sie Besucher auf die Maskenpflicht hinweisen müssen, sofern sie den Mindestabstand nicht einhalten konnten. „Die darauf Angesprochenen zeigten sich ausnahmslos einsichtig, Probleme entstanden hierbei keine“, so Bernhard Luithardt.

Martini-Markt ohne beliebte Imbissstände aufgrund von Corona

Auch wenn dieses Jahr die sonst so beliebten Imbissstände und -pavillons aufgrund des Pandemiegeschehens vom Martinimarkt verbannt waren, musste keiner der Besucher hungern. Gastronomie und Ladenbetriebe hatten sich darauf vorbereitet, zum verkaufsoffenen Sonntag ihre Kundschaft unter Coronabedingungen mit allem Nötigen zu versorgen.

In der Kurzen Straße hatte die Metzgerei Schäfer neben dem Laden in einem abgesperrten Bereich für Bänke und Sitzgelegenheiten gesorgt und hielt für die Liebhaber fleischlicher Genüsse unter anderem Gulasch, Chili con Carne, Jägerschnitzel und Schweinehals bereit. Weißschuhs in der Langen Straße lockten dagegen mit ihren feurigen ungarischen Bratwürsten direkt vom Grill. Die wären ja eigentlich das passende Pendant zu den Langoschs gewesen, die am anderen Ende der Altstadt Schöllkopf angeboten hatte, meinte ein älterer Herr zu seiner Begleiterin. Woraufhin sie resolut erklärte, dazu sei es nun eh schon zu spät. Sie benötige aber unbedingt einen neuen Geldbeutel, der alte sei schon richtig ausgefleddert. Und wenn sie schon beim Suchen sei, dann finde sie sicherlich auch die passende Handtasche und den einen oder anderen Weihnachtsschmuck dazu.

80 Beschicker bieten in Waiblingen ihre Waren an

Jeannine Böhmler von der WTM GmbH Waiblingen, die für Organisation und den reibungslosen Ablauf des Martinimarktes verantwortlich zeichnete, konnte bereits am Sonntagnachmittag ein erstes vorsichtiges Fazit ziehen. Der Markt sei gut besucht, aber nicht überfüllt. Bei rund achtzig Beschickern habe man den Besuchern wieder das gewohnt vielfältige und attraktive Warenangebot präsentieren können. Für die Beschicker handle es sich um eine wichtige Veranstaltung, nachdem sie durch die Pandemie derart hart ausgebremst worden waren und es in den zurückliegenden Monaten kaum Veranstaltungen und Gelegenheit zum Umsatzmachen gegeben habe. Sie hoffe, dass der Markt keinen Einfluss auf das Pandemiegeschehen habe. So habe man extra einen Toilettenwagen aufgestellt, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, dort auch die Hände zu desinfizieren. Zudem handle es sich lediglich um eine Warenverkaufsveranstaltung unter freiem Himmel, bei der nicht zum Verweilen eingeladen werde.

Eingeschlagene Eingangstür in der Buchhandlung Taube

Eine böse Überraschung hatte dagegen die Mitarbeiter der Buchhandlung „Taube“ erwartet: Sie standen am Morgen vor der zerbrochenen Scheibe der Eingangstür, an der sich in der Nacht davor offensichtlich ein Bücherfeind ausgetobt hatte. Bis zum Beginn des verkaufsoffenen Sonntags um 12.30 war die Tür provisorisch abgedichtet und der Eingangsbereich von den Glassplittern befreit und für die Kundschaft wieder begehbar. Die erwartete schließlich ein attraktiv aufbereiteter Überblick rund um Weihnachten und die lokale, regionale und überregionale Kriminalliteratur.

„Der größte Fehler, den du im Zusammenhang mit dem Martinimarkt begehen kannst“, sagte ein junger Familienvater aus Weinstadt und schaute dabei lachend auf seine beiden fünf- und dreijährigen Töchter, die links und rechts an seinen Händen hingen, „ist hungrig aus dem Haus zu gehen. Da zerren dich nicht nur die Kinder in Richtung all der verlockenden Düfte, auch der eigene Magen tanzt wie wild und fordert sein Recht ein.“ Auf den Hinweis der Älteren hin, dass es seit dem Frühstück schon

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