Waiblingen

Maskenpflicht im Unterricht: Zu Besuch in der Kaufmännischen Schule Waiblingen

Masken Kaufmännische Schule
Unterricht zu Corona-Zeiten: Die Maske nervt, ist aber notwendig, finden die meisten Schüler. © Benjamin Büttner

Für Schüler an den weiterführenden Schulen gelten seit mehreren Wochen strenge Corona-Regeln: Alle 20 Minuten müssen die Klassenzimmer gelüftet werden. Die Schüler müssen jetzt auch im Unterricht Maske tragen. Diese darf auch auf dem Pausenhof nur zum Essen oder Trinken abgesetzt werden – oder, wenn mindestens 1,5 Meter zum Nebenmann eingehalten werden. Bei einem durchschnittlichen Schultag mit Nachmittagsschule haben Schüler und besonders auch Lehrer die Maske viele Stunden am Tag auf. Ist die Schulgemeinschaft trotzdem froh, zum Präsenzunterricht zurückgekehrt zu sein, oder vermisst der ein oder andere das Lernen von zu Hause aus?

Um das herauszufinden und um den Unterricht unter verschärften Corona-Bedingungen einmal selbst mitzuerleben, waren wir diese Woche für einige Schulstunden selbst vor Ort und haben mit Schülern und Lehrern der Kaufmännischen Schule Waiblingen geredet.

Auf den ersten Blick ist es ein Schultag wie jeder andere auch an einer ganz gewöhnlichen Schule: Teenager schlendern ohne jede Eile über das Schulgelände, bleiben dabei auch mal stehen, um Freunde zu begrüßen und vor dem Unterrichtsbeginn noch ein Pläuschchen zu halten. Nur ein paar Dinge sind anders als sonst: Alle tragen Alltagsmasken. Keiner umarmt sich. „Nur Eingang“, verkündet ein großes rotes Schild an der Hauptpforte. Auch in den Gängen sind vielerorts Einbahnstraßen-Regelungen ausgeschildert.

Corona-Regeln gehören längst zum Schulalltag

Für Schüler und Lehrpersonal sind diese Dinge offensichtlich längst Bestandteil ihres Alltags geworden: Sie folgen den neuen Wegen schon ganz instinktiv, scheinbar ohne die Schilder noch groß zu bemerken. Die Klasse 11/1 des Wirtschaftsgymnasiums findet sich gerade in einem der Klassenzimmer zum Matheunterricht ein. Die Fenster sind offen. Algebra steht auf dem Stundenplan.

Lehrer Mathias Koczor geht die Aufgaben durch. Heute übt die Klasse, mit einem neuen grafischen Programm zu arbeiten, mit dessen Hilfe sich lineare Gleichungen darstellen und untersuchen lassen. Während die Jugendlichen mit den Gleichungen herumprobieren, geht Matthias Koczor durch die Tischreihen und hilft Schülern, die nicht alleine weiterkommen. Es ist eigentlich eine ganz normale Mathestunde, inklusive typischer Gesprächsfetzen wie „ich versteh’s nicht“, „weißt du, was wir machen sollen?“ oder „was hast du bei Aufgabe e.) raus?“ – nur, dass halt alle Maske tragen.

Gerne macht das wohl keiner: Sie nervt, sagen die Schüler. „Ich find’s richtig sch...“, ärgert sich Caro. „Na ja, am Anfang ist es noch o. k.“, relativiert ihre Nebensitzerin Yasmin. Aber spätestens, wenn sie Mittagsschule haben, werde es richtig anstrengend mit der Maske. Von dem Angebot, in der Pause draußen auf Abstand zu gehen und dafür die Maske abzuziehen, machen die beiden 16-Jährigen nach ihren Angaben kaum Gebrauch: „Zum Essen und Trinken halt, sonst bleibt die Maske auf“, sagt Yasmin. Ihr Klassenkamerad Sinan hat es als Brillenträger besonders schwer: Seine Brille beschlägt dauernd. Alexander stört sich vor allem am dauernden Durchzug: „Man erfriert, wenn alle 20 Minuten gelüftet wird!“, sagt der 17-Jährige.

Die Regeln sind sinnvoll, aber nervig

Dennoch sind die meisten der Meinung, dass die Maskenpflicht sinnvoll ist: „Es ist nervig, aber wir müssen alles tun, um die Fallzahlen zu minimieren“, findet der 16-jährige Kevin: „Es ist halt 2020, das betrifft die ganze Welt.“ Besser als eine Alltagsmaske fände er ein Gesichtsschild aus Plastik. Aber das ist momentan noch nicht erlaubt in den Schulen.

Jeder Schüler hat vor sich auf dem Tisch ein Tablet samt passendem Stift liegen: Die mobilen Geräte gehören der Schule. Ein großer Teil der Schüler an der Kaufmännischen Schule hat inzwischen eines bekommen. Die Geräte seien eine „technische Vorsorge für Schulschließung“, erklärt Daniel Hagmann, Pressesprecher der Schule.

Technik war schon vor Corona da

Das Besondere daran: Die meisten Tablets waren schon vor Corona im Einsatz. Bereits seit vier oder fünf Jahren integriere man an der Schule die kleinen Leih-Computer in den Unterricht, so Hagmann. Weitere 450 Geräte seien aktuell bestellt, um dieses Schuljahr alle Vollzeit-Schüler damit ausstatten zu können. Für die Berufsschüler, die ja jeweils nur für einige Tage die Woche, also in „Teilzeit“ hier unterrichtet werden, steht momentan ein kleinerer Geräte-Pool vor Ort zur Verfügung.

Bei den Schülern kommen die Geräte gut an: „Mein Rucksack ist jetzt viel, viel leichter“, sagt der 16-jährige Sinan. „Und wenn man krank ist, kann man damit von zu Hause aus lernen“, fügt sein Klassenkamerad Samuel hinzu.

Schüler können sich auch von daheim einwählen

Dass sich Schüler von daheim aus in den Unterricht einklinken, ist seit Corona nichts Ungewöhnliches mehr. Anna Huis, Lehrerin für BWL und Mathematik, erklärt, wie das abläuft: Über das Programm Microsoft Teams kann sie die Schüler zuschalten. Statt auf die Tafel schreibt sie auf den Bildschirm ihres eigenen Tablets – für die Schüler im Klassenraum wird dieser Bildschirm an die Wand projiziert, für die Fern-Lerner erscheint ein Bild davon auf ihrem Display zu Hause. „Ich habe dann im Unterricht immer einen Kopfhörer drin, an dem auch ein Mikrofon dran ist“, erzählt Anna Huis. So können die Online-Schüler die Lehrerin nicht nur hören, sondern sogar Fragen stellen.

Vor den Sommerferien hat Anna Huis diese Methode zum ersten Mal angewendet: „Ich hatte eine Prüfungsvorbereitungsklasse im Präsenzunterricht. Zwei Schülerinnen konnten aber aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort sein.“ Statt den jeweils vierstündigen Kurs also zweimal zu geben – einmal für die Klasse und einmal online für die beiden Mädchen – hat sie beides kombiniert. Und das hat sich inzwischen bewährt. „Ich bin froh, dass die Technik so gut funktioniert.“ Sie ist erleichtert, dass der Unterricht inzwischen wieder fast vollständig mit der ganzen Klasse im Klassenzimmer stattfinden kann.

„Ins Home-Schooling musste ich viel mehr Zeit investieren“, sagt die Lehrerin. Und an die meisten Schüler kommt sie einfach besser ran, wenn sie im Klassenzimmer vor ihr sitzen. Einige Ausnahmen gebe es dabei allerdings: „Ich hatte eine Schülerin, die im Unterricht sonst immer sehr leise war und im Fernunterricht regelrecht aufgeblüht ist.“ Das Mädchen habe eine wahnsinnig strukturierte Arbeitsweise an den Tag gelegt – so etwas kann aber nicht jeder. „Für die Schüler, die jemanden brauchen, der sie zum Mitmachen motiviert, ist Unterricht vor Ort einfach besser“, findet die Lehrerin.

Unterricht mit Maske ist anstrengend

Dass sie hier vor Ort die meiste Zeit des Tages eine Maske tragen muss, stört sie inzwischen nicht mehr besonders: „Die erste Woche war hart – aber man gewöhnt sich dran.“ Am Anfang habe sie Sorge gehabt, dass die Schüler sie wegen der Maske schlechter verstehen würden. „Ich habe gefragt: Versteht ihr mich überhaupt? Und die Schüler meinten: Ja klar, wie verstehen Sie gut.“

Ihr Kollege Mark Josenhans hingegen tut sich mit dem Masketragen nicht ganz so leicht: Ihn stört der Stoff über dem Mund beim Reden. Und er hat das Gefühl, dass es seinen Schülern da ähnlich geht. „Im Unterricht mit Maske müssen die Schüler viel disziplinierter sein“, glaubt der Gemeinschaftskunde- und Geschichtslehrer. Deshalb gestalte er seinen Unterricht gerade etwas anders als sonst, lässt den Schülern mehr Zeit zwischendurch, um still und für sich zu arbeiten. „Damit sie ein bisschen durchschnaufen können“, sagt Mark Josenhans.

Gerade unterrichtet er die Klasse 1/2 des Berufskollegs. An mehreren Tagen die Woche hat auch diese Klasse bis um 17 Uhr Schule. Das ist anstrengend – besonders wieder für Brillenträger: „Nach zwei bis drei Stunden bekomme ich oft Kopfschmerzen“, klagt die 17-jährige Camsu. „Je länger man sie aufhat, desto mehr regt es auf“, stimmt ihr Klassenkamerad Malte zu. Nachvollziehbar seien die Regeln natürlich schon, aber es gebe schließlich Alternativen, die ohne Maske funktionieren, findet sein Nebensitzer Abdullah: Ihm hat im Fernunterricht nichts gefehlt. „Das wäre mir viel lieber“, sagt der 17-Jährige.

Für Schüler an den weiterführenden Schulen gelten seit mehreren Wochen strenge Corona-Regeln: Alle 20 Minuten müssen die Klassenzimmer gelüftet werden. Die Schüler müssen jetzt auch im Unterricht Maske tragen. Diese darf auch auf dem Pausenhof nur zum Essen oder Trinken abgesetzt werden – oder, wenn mindestens 1,5 Meter zum Nebenmann eingehalten werden. Bei einem durchschnittlichen Schultag mit Nachmittagsschule haben Schüler und besonders auch Lehrer die Maske viele Stunden am Tag auf. Ist

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