Waiblingen

Maskenpflicht: „Wir werden uns dran gewöhnen“

Maskenpflicht in Waiblingen: „Wir werden uns dran gewöhnen“
Menschen mit und ohne Masken auf dem Waiblinger Wochenmarkt. Von kommendem Samstag an ist das Tragen der Masken Pflicht. © ZVW/Gaby Schneider

Nun ist es beschlossen. Von kommendem Montag an müssen die Menschen im Land beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen Schutzmasken gegen das Coronavirus tragen. Noch ein bisschen früher, nämlich ab Samstag, gilt die Maskenpflicht auf dem Waiblinger Wochenmarkt. Doch schon jetzt arrangieren sich die Menschen mit den Stoffteilen vor Mund und Nase. Das zeigt ein Gang durch die Waiblinger Altstadt, in der die Zahl der Maskenträger stetig zunimmt.

Bernhard Mayer aus Neustadt steht am Stand des Beinsteiner Gemüsehändlers Schmid, Mund und Nase vorbildlich bedeckt. „Ich denke schon, es bringt was“, sagt der Neustädter, der seine Mehrweg-Maske von einer Bekannten bekommen hat, die sie selbst genäht hat.

Begehrt und schwer zu bekommen sind die Schutzmasken schon länger. Die Einmal-Masken zum Wegwerfen ebenso wie die Stoffmasken, die nach Gebrauch in der Waschmaschine gewaschen werden können. Schwarz, weiß, bunt und verwegen werden sie derzeit von Schneidern, Designern, Industriebetrieben und Hobbynähern hergestellt. „Meine Frau hat selbst welche genäht“, sagt auch Arne Taube, Vater von zwei Kindern im Alter von drei und sieben Jahren. „Cool“ findet seine siebenjährige Tochter das Tragen der Masken, während sein dreijähriger Sohn das Tuch vor Mund und Nase noch glattweg verweigert. „Stand heute gilt, dass er keine will“, konstatiert Arne Taube, der selbst mit einer Maske unterwegs ist. Dass sein Dreijähriger die Schutzmaske ablehnt, könne aber auch am Design liegen... „Vielleicht akzeptiert er eine Maske mit Cowboys oder Piraten.“

Mutter mit drei kleinen Kindern: Keine Zeit zum Selbernähen

Laurel Rieping ist Mutter von drei kleinen Kindern. In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen ist sie mit Arbeit besonders gut eingedeckt. „Ich wollte Masken nähen, hatte aber einfach keine Zeit“, erzählt sie. Ihre Tochter ist in der zweiten Klasse, die Söhne sind noch jünger – dass die Kinder so einfach Masken tragen würden, bezweifelt ihre Mutter sehr. Auch sie selbst ist vom Nutzen wenig überzeugt: „Ich finde, Händewaschen bringt mehr und ist für die Kinder 100-mal wichtiger. Aber wenn Maskentragen Pflicht ist, mache ich es.“

Pflicht hin oder her: Ingrid und Josef Kappes tragen ihre Schutzmasken, wann immer sie sich unter Menschenansammlungen bewegen. Vom Nutzen der Alltagsmasken sind beide vor allem bei Nießanfällen überzeugt „Die Pflicht hätte schon früher kommen sollen“, meint Josef Kappes.

Ein Problem ist für die beiden allerdings, dass Maskenträger durch das Tuch hindurch weniger gut verstanden werden. Eine Erfahrung, die auch Markus Schneider gemacht hat. Der Inhaber der Buchhandlung Taube und sein Team tragen zum eigenen Schutz bereits seit einer Woche im Laden ihre Masken – und das schon zu einer Zeit, als die Buchhandlungen für die Öffentlichkeit noch gar nicht geöffnet waren. „Ich finde die Masken wichtig, aber ungewohnt und unangenehm“, sagt Markus Schneider. Schade sei, dass die Mimik unter den Masken nicht mehr zu sehen sei. „Man muss noch mehr aufeinander achtgeben“, meint er. „Aber wir werden uns daran gewöhnen müssen. Sonst gefährden wir die andern.“

Freilich: Noch sind nicht alle überzeugt vom Nutzen der Masken im Alltag. „Ich, dass die Masken was nützen“, sagt eine Kundin im Buchladen, die ihre Maske an diesem Tag noch in der Tasche trägt: „Sonst wäre es furchtbar.“ „Wahrscheinlich“ sei es schon sinnvoll, meint Heilerziehungspflegerin Birgit Uetz. Im Job trägt sie professionelle Masken, in ihrer Freizeit ist sie noch ohne Schutz unterwegs. „Ich nehme an, beim Einkaufen ist es aber okay.“ Die Masken für die Mitarbeiter sind bereits besorgt, doch auch Martina Mayer trägt an ihrem Gemüsestand keinen Schutz. Anstrengend sei das Tragen, vor allem, wenn man die ganze Zeit in Bewegung sei. Nach einer Weile fühle sie sich wie unter einer Taucherbrille, sagt Martina Mayer. „Aber wir haben keine Wahl.“

Weltladen wartet auf Schutzmasken aus Afrika

Im Weltladen stehen Eve-Marie Fessmann und ihre Kollegin mit leuchtend orangefarbenen Schutzmasken, die von einer Mitarbeiterin hergestellt wurden. Als fremd und etwas unangenehm hatte auch Eve-Marie Fessmann die Maske anfangs empfunden: „Man kann sich aber dran gewöhnen“, sagt sie optimistisch. Im Weltladen gibt es keine Masken zu kaufen – noch nicht. Im Moment warten die Mitarbeiter auf eine Lieferung aus Afrika. Wann die Masken eintreffen, sei aber noch unklar.

Dafür hat Gabriele Pfander in der Langen Straße gerade eine ganze Ladung Masken bekommen. 1100 Einmal-Masken werden von den Einzelhändlern rund um Pfanders Geschäft für Hundebedarf nun an alle Kunden verteilt, die keine Maske bei sich haben. Zudem verkauft Gabriele Pfander eine kleine Auswahl an selbst genähten Stoffmasken. Am Eingang hat sie einen Spender mit Desinfektionsmittel aufgestellt, auf den Plexiglasspuckschutz für den Kassenbereich wartet sie noch. „Ich will keine Panik machen“, versichert Gabriele Pfander. „Wenn man eine gewisse Distanz einhält, ist es auch gut.“ Doch sie ist überzeugt: Die Corona-Zeit ist noch lange nicht vorbei.

Nun ist es beschlossen. Von kommendem Montag an müssen die Menschen im Land beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen Schutzmasken gegen das Coronavirus tragen. Noch ein bisschen früher, nämlich ab Samstag, gilt die Maskenpflicht auf dem Waiblinger Wochenmarkt. Doch schon jetzt arrangieren sich die Menschen mit den Stoffteilen vor Mund und Nase. Das zeigt ein Gang durch die Waiblinger Altstadt, in der die Zahl der Maskenträger stetig zunimmt.

Bernhard Mayer aus Neustadt steht am Stand

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