Waiblingen

Mauergang soll nachts gesperrt werden

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Der Wehrgang wird gereinigt und saniert. © Benjamin Beytekin
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Mauergang Waiblingen, Begehung wegen anstehenden Veränderungen, 05.06.2018.
Baubürgermeisterin Birgit Priebe © Benjamin Beytekin
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Mauergang Waiblingen, Begehung wegen anstehenden Veränderungen, 05.06.2018.
Auch hier soll ein Tor installiert werden. © Benjamin Beytekin

Waiblingen. Verwunschen und romantisch: Der Mauergang in der Altstadt ist eigentlich ein historisches Kleinod. Leider ist er aber auch verdreckt, verschmiert und stellenweise verlottert. Das soll sich ändern: der Mauergang wird gereinigt, die Schmierereien entfernt, die Putze werden saniert. Zudem sollen Lichtschienen und Deckenleuchten für Helligkeit sorgen. Um Vandalismus vorzubeugen, soll der Mauergang über Nacht mit Toren verschlossen werden.

Vandalismus und eine schlechte Beleuchtung: „Das Thema beschäftigt uns seit langen“, sagt Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Nun seien die Sanierungen des Karzers und der angrenzenden Mauer fast abgeschlossen, und auch das Hotel Adler an der Stadtmauer plane eine Sannierung. „Nur durch den Mauergang läuft man nicht so gern“, weiß Priebe. Ursache dafür sei zum einen die schummrige Beleuchtung. Was stört, sind aber auch der teilweise marode Putz, Schmutz und Schmierereien an den Wänden.

All dem will die Stadt nun zuleibe rücken. Die Schmiereren sollen entfernt werden, Putze und Anstriche an der Mauer saniert werden. Auch das Mauerwerk selbst muss an manchen Stellen überarbeitet werden. Erneuert werden muss auch die Elektroinstallation an der Stadtmauer. Das Beleuchtungskonzept wurde jüngst im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt vorgestellt. Nun sollen die Kosten der Maßnahmen erhoben und die Anlieger informiert werden.

Denn vor allem von den verschließbaren Gittertoren, die zwischen dem Beinsteiner Torturm und dem Rathaus installiert werden sollen, werden die Anwohner betroffen sein. Da manche Häuser und Wohnungen ihre Eingangstüren direkt am Mauergang haben, müssen für die Besucher an den Toren Klingeln angebracht werden. Abends sollen die Tore geschlossen, morgens geöffnet werden – in welchem Zeitraum genau, ist noch offen. „Die Schließzeiten müssen wir mit den Anwohnern besprechen“, so die Baubürgermeisterin. Im September soll die Kostenberechnung vorliegen und im Planungsausschuss der Baubeschluss gefasst werden. Baubeginn soll kommendes Jahr im Febuar sein, die Fertigstellung im April.

Ein 80 Meter langes Baudenkmal

Vor der Sanierung und dem Einbau der Gittertore muss das Denkmalamt ins Boot. Die Wehranlage um den historischen Waiblinger Stadtkern wurde bereits 1924 zusammen mit dem Hochwachtturm und dem Beinsteiner Torturm als Kulturdenkmal mit besonderer Bedeutung in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg aufgenommen. Ursprünglich stammt die Anlage aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde im frühen 15. Jahrhundert durch eine Vormauer, die auch Zwingmauer genannt wird, ergänzt. Wegen der steilen Kante zwischen der Altstadt und dem Mühlkanal reduziert sich der Wehrgang zwischen dem Kirchtörle bei der Hahnschen Mühle und dem Beinsteiner Torturm auf nur eine bis zu 1,60 Meter dicke Hauptmauer. Diese wurde zwischen dem Alten Dekanat und dem Turm mit Fachwerkhäusern überbaut: der heutige 80 Meter lange Mauergang. Interessant ist der Mauergang aufgrund seiner Begehbarkeit – sowie der vielen interessanten Ausblicke in die Talauie.


Karzer saniert

Seit September 2017 wird der Karzer saniert, das ehemalige Gefängnis an der Stadtmauer. Zwar war der Karzer fortwährend mit einfachen Mitteln ausgebessert worden. Dennoch waren im Laufe der Jahre tiefe Löcher und Risse im Mauerwerk entstanden. Regen und Tauwasser konnten in die Mauer eindringen, so dass die Mauersteine teilweise stark verwittert waren.

Zunehmend marode und von Schädlingen befallen war auch die Holzlaube auf dem Turm, die im 19. Jahrhundert auf den alten Karzer gebaut wurde.

Die Kosten lagen bei insgesamt 320 000 Euro. Etwa die Hälfte der Kosten übernehmen aufgrund der historischen Bedeutung des Objekts die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Land.