Waiblingen

Mehr Freiheiten für Geimpfte im Theater, im Hotel, in der Kirche? So denken Waiblinger darüber

Zweite Impfung
Als vollständig geimpft gelten Menschen 14 Tage nach allen notwendigen Corona-Spritzen (Symbolfoto). © Alexandra Palmizi

Die Zahl der Geimpften steigt. Da von diesen Menschen wohl kaum noch eine Infektionsgefahr ausgeht, wird die Frage immer drängender, wie lange man ihnen noch die Grundrechte vorenthalten kann. Mehrere Bundesländer haben bereits Lockerungen umgesetzt. In Baden-Württemberg müssen vollständig Geimpfte und Genesene keinen Test mehr vorweisen, wenn sie beispielsweise zum Friseur oder in den Zoo möchten.

Auch müssen sie weder in Quarantäne, wenn sie aus einem Hochinzidenzgebiet nach Deutschland zurückkommen, noch wenn sie Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person hatten. In stationären Pflegeeinrichtungen gilt: Sind 90 Prozent der Heimbewohner geimpft worden, sind mehr Besuche möglich.

Diese Woche geht es um einheitliche Regelungen für ganz Deutschland. Am 4. Mai hat das Bundeskabinett eine entsprechende Verordnung beschlossen und damit die geplanten Erleichterungen für Geimpfte auf den Weg gebracht. Einerseits sollen sie negativ Getesteten rechtlich gleichgestellt werden. Andererseits sollen für sie unter anderem auch Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen aufgehoben oder gelockert werden. Der Bundestag hat bereits zugestimmt, am Freitag muss noch der Bundesrat zustimmen. Wie stehen Waiblinger zu den geplanten Neuregelungen?

Dekan Timmo Hertneck ist für weitreichende Lockerungen

„Die Menschen werden in ihren Grundrechten zu Unrecht beschränkt. Deshalb bin ich seit jeher dafür, dass Geimpfte und Genesene diese Rechte umgehend zurückbekommen“, sagt Dekan Timmo Hertneck. Für ihn gehöre dazu beispielsweise auch, dass diese Personen wieder in einem Straßencafé sitzen dürfen. „Ich gehe da neidlos daran vorbei.“

Auch im Gottesdienst entstünden zurzeit Härten, die er schwer nachvollziehen könne: „Viele ältere Menschen sind vollständig geimpft, ebenso wie viele Pfarrer, die beispielsweise auch an Schulen unterrichten.“

Für diese Personen spräche aus seiner Sicht nichts dagegen, sich in einem Gottesdienst zu versammeln, natürlich unter entsprechenden Hygieneregeln. Hertneck ist deshalb froh, dass die Politik das Thema angeht, und hofft auf möglichst weitreichende Lockerungen für Geimpfte und Genesene.

Auch Veit Utz Bross vom Theater unterm Regenbogen bewegt das Thema sehr. „Ich bin selbst Impfgegner. Dennoch lasse ich mich impfen, habe die erste Dosis bereits erhalten. Es ist der einzige Weg zurück zu mehr Normalität.“

Zu mehr Normalität gehört für ihn auch, dass unter Umständen Geimpfte, Genesene und Kinder seine Vorstellungen wieder besuchen dürfen. „Bisher konnte ich mich noch einigermaßen finanziell über Wasser halten. Doch jetzt wird es eng“, sagt der Puppenspieler, der im Oktober mit einem neuen Stück Premiere feierte, das er gerade einmal sechsmal zeigen konnte, bevor er sein Theater wieder schließen musste. „Es ist richtig, Geimpften mehr Rechte einzuräumen, schließlich geht es dabei nicht um Privilegien, sondern um Grundrechte.“

Oberbürgermeister Andreas Hesky findet es richtig und gut, dass vollständig geimpfte und genesene Personen Lockerungen erfahren. Das zeige, dass es sich lohnt, geimpft zu werden. „Diese Lockerungen dürfen allerdings nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen oder dazu, dass es zu einer ,Impfpflicht durch die Hintertür’ kommt“, so der Waiblinger OB.

Aus seiner Sicht muss klar sein, dass es sich aktuell um Maßnahmen im Übergang handelt – hin zu einer neuen, oder besser hoffentlich alten Normalität. Da auch noch nicht alle, die sich impfen lassen wollen, ein Impfangebot bekommen haben, müsse mit den Lockerungen sorgsam umgegangen werden, und es sei richtig, dass manches noch für alle verschlossen bleibe.

„Ich würde mich mehr freuen, wenn Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und Sport wieder öffnen könnten und dort der Zutritt für Geimpfte, Genesene und vor allem auch Getestete möglich wäre“, sagt Hesky. „Schließlich ist es möglich, sich tagesaktuell testen zu lassen– ohne Einschränkungen, im Gegensatz zum Impfangebot.“

Für das Lamm in Hegnach wären Gäste immens wichtig

Hotelchefin Silke Frölich vom Lamm in Hegnach ist froh, dass Bewegung in das Thema kommt. Sie hätte sich allerdings weitergehende Lockerungen gewünscht, denn in ihrer Branche steht den meisten Unternehmern das Wasser bis zum Hals.

„Es wird Zeit, dass sich etwas tut, denn die Situation ist wirtschaftlich kaum noch auszuhalten.“ Sie habe zwar viele Vorreservierungen für Juni und Juli, doch es ist derzeit völlig unklar, ob dann Gäste im Lamm übernachten dürfen. Dabei würden die Einnahmen dringend benötigt, und das Hotel habe ein funktionierendes Hygienekonzept, mit dessen Hilfe eine sichere Beherbergung möglich sei.

Max Pfund, Vorsitzender des Vereins Innenstadtmarketing und Chef von Haushaltswaren Villinger-Zeller, begrüßt grundsätzlich alles, was Einzelhändlern helfen kann, ihr Geschäft möglichst normal aufrechtzuerhalten. Die aktuell geplanten Neuregelungen hätten zwar derzeit keine direkten Auswirkungen auf die Geschäfte in Waiblingen, weil die Inzidenz zu hoch sei, um andere Angebote als Click & Collect anzubieten.

Langfristig erhofft er sich dennoch auch für seine Branche positive Auswirkungen: „Mehr Freiheiten für Geimpfte geben einen Anreiz, sich impfen zu lassen, und mehr Impfungen helfen, die Inzidenzwerte zu senken, damit dann hoffentlich auch Geschäfte öffnen können.“

Die Zahl der Geimpften steigt. Da von diesen Menschen wohl kaum noch eine Infektionsgefahr ausgeht, wird die Frage immer drängender, wie lange man ihnen noch die Grundrechte vorenthalten kann. Mehrere Bundesländer haben bereits Lockerungen umgesetzt. In Baden-Württemberg müssen vollständig Geimpfte und Genesene keinen Test mehr vorweisen, wenn sie beispielsweise zum Friseur oder in den Zoo möchten.

Auch müssen sie weder in Quarantäne, wenn sie aus einem Hochinzidenzgebiet nach

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