Waiblingen

Mehr Tempo 30 in der Stadt gefordert

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Die Neustädter Straße ist nur eine von vielen stark frequentierten Straßen in Waiblingen – besonders im Feierabend-Verkehr. © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
„Mehr autofreie Innenstadt geht nicht“, hat Oberbürgermeister Andreas Hesky kürzlich gesagt. Eine Aussage, die polarisiert. Die einen wünschen sich, dass der Autoverkehr besser flutscht. Andere sehnen sich nach mehr Ruhe und möchten die Autos am liebsten verdrängen. Nicht nur wie bisher in sensiblen Bereichen, sondern flächendeckend im ganzen Stadtgebiet will nun die SPD für die Nachtstunden Tempo 30 einführen. Das ist nur einer von vielen Vorschlägen, mit denen sich der Gemeinderat bald beschäftigen wird. Dem OB jedenfalls brachte seine Aussage schon einmal eine Einladung zum Eisessen ein.

Tempo 30 – aber nicht rund um die Uhr

Im Prinzip spricht sich die SPD-Fraktion gegen Zwang und Schikanen aus, um für mehr Ruhe zu sorgen. „Wir wollen keine autofreie Bahnhofstraße und wir wollen auch nicht das Auto großflächig verbannen“, versichert Roland Wied. Das Auto sei notwendig und für viele unverzichtbar – „nicht jeder kann aufs Rad umsteigen“. Dennoch gebe es vermeidbaren Verkehr. Dass zu viel Verkehr stört, wüssten außer lärm- und abgasgeplagte Anwohnern auch die Autofahrer selbst. „Es macht ja keine Freude mehr, ständig Staus, verstopfte Straßen, Fahrverbote und nervige Parkplatzsuche zu erleben.“ Gegen Lärm und uneinsichtige Raser helfen nach Wieds Überzeugung nur Tempolimits und konsequente Überwachung. Deshalb der Vorstoß, von 22 bis 6 Uhr im gesamten Stadtgebiet auf allen Straßen Tempo 30 einzuführen. Um motorisierten Verkehr so weit als möglich zu vermeiden, soll das Radfahren attraktiver werden. Die Mehrkosten dafür könnten durch höhere Parkgebühren oder höhere Bußgelder für Verkehrssünder zumindest teilweise kompensiert werden, meint der SPD-Chef.

Tempo 30 - aber nicht überall

Auch die Gruppierung Grünt will den Autoverkehr grundsätzlich reduzieren. In Sachen Tempo 30 wartet sie mit einem eigenen Vorschlag auf. Um den Verkehr weiter zu beruhigen, soll auf der kompletten Bahnhofstraße von der AOK-Kreuzung bis zum Bahnhof Tempo 30 gelten. Solange Autofahren bequemer und günstiger sei als andere Verkehrsmittel, werde es nicht gelingen, das Verkehrsaufkommen zu senken. Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, „Zweiräder aller Art“ und die Fortbewegung für Fußgänger müssten noch attraktiver werden.

Zeit, sich um den Asphalt zu kümmern

Die Bahnhofstraße und die Fronackerstraße hat auch die FDP im Fokus. Nach der Remstal-Gartenschau, die sich so erfolgreich und nachhaltig um das Grün in der Stadt bemüht habe, sei es Zeit, „sich dem Asphalt zuzuwenden“, meint Julia Goll. Die Verkehrssituation insbesondere in der Waiblinger Innenstadt werde von Verkehrsteilnehmern aller Fortbewegungsarten als verbesserungsbedürftig moniert. Die meisten seien mal mit dem einen, mal mit dem anderen Fortbewegungsmittel unterwegs und könnten bestätigen, dass die Zustände für jeden Verkehrsteilnehmer verbesserungsbedürftig seien. „Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass Stau, widrige Verkehrsumstände, potenziell gefährliche Situationen für Fußgänger und Fahrradfahrer Stress bedeuten.“ Das Lebensgefühl in der Stadt werde erheblich beeinträchtigt. Die Liberalen fordern deshalb eine aktualisierte Verkehrsuntersuchung für die Innenstadt. Vor allem müsse eine Lösung für die Führung des Radverkehrs zum Bahnhof und zum neuen „Radhaus“ gefunden werden.

Auf ein Eis in der Fronackerstraße

„Shared Space“, der ohne viele Schilder gemeinsam genutzte Verkehrsraum, ist eine Vision, welche die Fraktion „Agtif“ (die frühere ALi plus Tierschutzpartei) unterstützt. Ihre Initiative, Studenten der Fachhochschule Nürtingen/Geislingen „mit frischen Vorschlägen gegen den immer unerträglicheren Verkehr“ nach Waiblingen zu holen, war auf ein unerwartet großes Echo gestoßen – beim Diskussionsabend war der Schwanen-Saal voll. Die Studenten des Studiengangs für nachhaltige Mobilität werden ihre Pläne für die Fronackerstraße in den nächsten Semestern vertiefen. Längerfristig soll eine „Zukunftswerkstatt Verkehr“, bestückt mit Bürgern und Fachleuten von außen, Wege in die Zukunft weisen. Um den Oberbürgermeister von der Dringlichkeit der Probleme in der Fronackerstraße zu überzeugen, lädt Agtif-Chef Alfonso Fazio das Stadtoberhaupt in die italienische Eisdiele ein, um dort „ganz gemütlich und ungestört“ ein Spaghetti-Eis zu essen: „Da bin ich sicher, dass Sie Ihre Aussage, mehr autofreie Stadt sei nicht möglich, nochmals überdenken.“

Das Negativ-Beispiel Stuttgart

Der individuelle Personenverkehr wird wichtig bleiben, davon geht die CDU aus. „Dass Straßensperrungen, Durchfahrtsverbote und der Wegfall von Fahrspuren nur zu einer Verlagerung des Verkehrs und Dauerstau führen“, das zeige aktuell eindrucksvoll Stuttgart. Dies sei sicherlich nicht der richtige Weg für Waiblingen. Die Christdemokraten wollen mit einer neuen Machbarkeitsstudie einer möglichst umweltschonenden Variante des Nordostrings nähertreten.

Angst vor noch mehr Ladensterben

Vor den Folgen von – aus ihrer Sicht – zu viel Verkehrsberuhigung warnt die DFB/FW: „Forderungen, dass Waiblingens Innenstadt autofrei wird, sind schnell gestellt.“ Das sollte zum Flanieren und Verweilen einladen, aber: „Ängste der Fachgeschäfte, Dienstleister und des ansässigen Handwerks müssen wir ernst nehmen.“ Autofreiheit würde das Fortschreiten des Internethandels begünstigen, glaubt Siegfried Bubeck. Die Folgen: Beratung im Geschäft, Einkauf beim Onlinehändler, immer mehr Lieferdienst – und damit noch mehr Verkehr auf den Straßen und noch mehr Verpackungsmüll. Weiteres Ladensterben in Waiblingen müsse „dringend“ verhindert werden. David Krammer von der Bürgerliste Bittenfeld sieht wegen des Baugebiets Berg-Bürg auch für seine Ortschaft eine verschärfte Verkehrsproblematik und tritt für eine bessere Taktung des ÖPNV ein.

Der Vollständigkeit halber. Die AfD hat sich in ihrer Haushaltsrede nicht zum Thema Verkehr geäußert.

Waiblingen.
„Mehr autofreie Innenstadt geht nicht“, hat Oberbürgermeister Andreas Hesky kürzlich gesagt. Eine Aussage, die polarisiert. Die einen wünschen sich, dass der Autoverkehr besser flutscht. Andere sehnen sich nach mehr Ruhe und möchten die Autos am liebsten verdrängen. Nicht nur wie bisher in sensiblen Bereichen, sondern flächendeckend im ganzen Stadtgebiet will nun die SPD für die Nachtstunden Tempo 30 einführen. Das ist

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