Waiblingen

Messe Bau-Energie-Umwelt 2019

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Rundgang über die Messe am Samstag (16.2.). © SDMG
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Rundgang über die Messe am Samstag (16.2.). © SDMG

Waiblingen. Mit Beratung rund ums Haus versorgte die „Bau, Energie, Umwelt“ des Zeitungsverlags Waiblingen das Messepublikum. Jetzt zum 16. Mal, und das Thema Bauen kennt kein Konjunkturtal. 60 Aussteller präsentierten Möglichkeiten und Materialien fürs Renovieren, Bauen und Sanieren. Und führten ein in ganz neue Komfortzonen: Das Haus denkt für uns Bewohner mit. Weil es vorher intelligent gemacht wurde.

Jeden Tag mit Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher aufwachen, auch wenn die Sonne gar nicht scheint? Dank realem Smarthome ist dies längst möglich. Referent Thomas Rosner erzählte beim Messe-Fachvortrag „Leben in einem real Smarthome“, wie es ist, wenn alles vernetzt ist.

„Wer hat noch ein Radio im Bad?“ Nur zwei Hände gehen hoch. Bei der Frage von Referent Thomas Rosner traut man sich kaum, sich zu outen. Denn: Verglichen mit dem, was er vom großen Volumenstapel der digitalen Technik lässt, ist Radiohören unter der Dusche mega analog, also altbacken.

Beim Rundgang auf der Messe „Bau, Energie, Umwelt“ begegnet man Systemen, die mit Smarthome-Lösungen koppelbar sind. Aussteller und Hersteller bieten smarte Lösungen an, ob Sonnen- und Sichtschutz, Türen und Fenster, Bäder und Küchen.

Wenn es den Alltag erleichtert

Smarthome zieht nicht mehr als „Nice to have“-Spielerei um die Häuser, sondern ist Rosner zufolge bereits in 60 000 Haushalten deutschlandweit eingezogen - Stand Ende 2017. Konstruktionen aus Schaltern, Leitungen, Klemmen und Relais, die häufig als „Smarthome“ verkauft werden, noch nicht mitgerechnet, denn bei ihnen handele es sich bestenfalls um eine „intelligente Fernbedienung“, so Rosner. „Real“ nennt er Smarthome erst, „wenn sich das Leben in den eigenen vier Wänden wirklich verändert“. Heißt: „Wenn es den Alltag erleichtert und entlastet“. Rosner erzählt, er bediene keine Lichtschalter mehr daheim. Wer einen der von seiner Firma vertriebenen Miniserver im Haus installiert hat, dem bleiben „50 000 Handgriffe pro Jahr“ erspart. Das ist eine Ansage. Eine, die Rosner mit Berichten aus seinem realen Smart-Zuhause untermauert: Die Alarmanlage aktiviert er über Kontakte an den Fenstern über einen Doppelklick am Lichttaster am Bett.

Von seinen „nächtlichen Ausflügen“ nimmt ein Bewegungsmeldersystem Notiz, das wie bestellt gedämpftes Licht für den Gang zum WC einschaltet. Sollten sich Einbrecher nähern, stehen sie im grellen Licht, die Jalousien öffnen sich und ein schriller Alarmton nimmt ihnen das Gehör.

Smart heißt übersetzt „ausgefuchst“ und „clever“. Die Technik in unserem Haus ist clever - vorausgesetzt, wir machen sie clever, vermitteln den Häusern also ein Bild von uns und unseren Gewohnheiten und Vorlieben. Wir können in Miniserver-Kästchen unsere Wohlfühlraumtemperatur hinterlegen und auch, welche Musik wir beim Duschen am liebsten hören. Sobald wir zur Wohnungstüre hineinkommen, starte ein „Automatikdesigner“ und die „personalisierte Automatisierung“ stehe zu unseren Diensten - digitalisiertes Wunschkonzert statt Analogradio. Im realen smarten Zuhause lassen sich Rosner zufolge verschiedene „Willkommensszenarien“ einstellen, und schon fällt die Lieblingsmelodie - oder wahlweise das Vogelgezwitscher - aus den Lautsprechern von der Decke. Das Leben wird auch in der Küche zum Wunschkonzert, wenn wir in der Umgebung von interagierenden „Cleverle“-Geräten nie wieder beim Kochen und Backen mit mehligen Fingern den Lichtschalter verschmieren müssen. Eine in der Küchenarbeitsplatte integrierte „Touch-Taste“ übernimmt es.

Ein Wandtaster mit fünf Tastenpunkten reiche nach Auskunft von Rosner aus, um Regie zu führen über Komponenten im und am Haus, die täglich benötigt werden. Licht, Beschattung, Temperatur, Eingangstüren, Heizung, Multimedia, Sauna, Lüftung und Sicherheitstechnik lassen sich an den Server hängen. Was genau geschehen soll, steuere der Smarthome-Bewohner über eine App, die - das ist Thomas Rosner wichtig zu betonen - keine Internetverbindung benötigt. Der Sicherheitsaspekt werde allzu oft nicht ernst genommen. Rosner vergleicht: Wer den „Alexa“-Dienst nutzt, nehme in Kauf, dass seine persönlichen Daten auf einem externen Server von Amazon gespeichert werden.

Warnung vor Sicherheitslücken

Er warnt auch vor manchen smarten Glühbirnen: Das Leuchtmittel sei so clever, dass es das WLAN-Passwort mitspeichern kann. „Wer die Glühbirne entsorgt, gibt seine Daten ungeschützt preis“, so Rosner. Denkbar sei auch, dass sich Unbefugte über Sicherheitslücken Zugang zum Haus verschaffen. „Wird eine Eingangstüre auf diese Weise geöffnet, liegen der Kripo keine Einbruchsspuren vor, die Türe gilt als unverschlossen, Sie erhalten vermutlich nie Geld von der Versicherung.“ Bei der Smarthome-Lösung, die er präferiert, bleibt die große Cloud ausgesperrt. Die Intelligenz sitzt im hauseigenen Server, der über eine 256-Bit-SSL-Verschlüsselung verfüge. „Die Bedienung des realen Smarthomes ist so sicher wie eine Banküberweisung“, versichert Rosner.

Energiesparen auf höchster Ebene

Aber erst einmal sollte doch ein Haus überhaupt gebaut werden, bevor es dann eventuell schlau gemacht wird. Ganz überwiegend und im besten Sinne war’s das traditionelle Handwerk, das sich wieder repräsentierte bei der 16. Auflage unserer Fachmesse für alle Bauwilligen, Eigentumsinteressenten und sehr wohl auch Mieter. Es gibt schließlich Regelungen, nach denen auch Mieter in die Renovierung einsteigen können.

Die Messethemen reichten vom Keller bis zum Dach, die beteiligten Gewerke stellten ihre Dienstleistungen vor vom Gasbrennwertkessel bis zur vollflächig über den Dachsparren verlegten Polyurethan-Dämmplatte. Experten und Besucher nutzten die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Es ging um „Energiesparen auf höchster Ebene mit Vollkunststoff-Wohndachfenstern“, um „Trinkwasserqualität“ und „ganzheitliche Hauskonzepte“. „Alarmprofis“ informierten über Sicherheitstechnik, eine Fliesenfirma warb mit der Erfüllung von „Bad und Wohn(t)räumen“. Es gab Beratung zum Heizungspumpentausch und zur Baufinanzierung.

Und das alles wurde dann vor allem am Sonntag gut nachgefragt, nachdem am Samstag erst einmal das strahlende Wetter viele Leute in die Natur zog. Jeder weiß indes: Die Sonne aber spendet halt nur tagsüber ihre Kraft.


Das sehr nachgefragte Haus in H0-Größe

Traditionell war das umfassende Rahmenprogramm an Fachvorträgen. Erstmals bestand an beiden Messetagen aber die Möglichkeit, sich dem Eisenbahnmodellbau zu widmen und unter Anleitung Modellbauhäuschen für das H0-System zu bauen. Beliebt war eine Auszeit in der Lounge-Ecke mit Geschicklichkeitsspielen für Kinder und Erwachsene. Kinder bekamen bunte, fantasievolle Gesichter gemalt, während sich die wartenden Mütter Schminktipps bei einer Profi-Visagistin holten.

Thomas Rosner, der Mann, aus dessen Vortrag wir oben länger zitiert haben, ist Geschäftsführer der Firma Home Brace mit Sitz in Urbach. Die Firma ist bundesweit tätig im Bereich Smarthome und hat eine Sparte für barrierefreies Leben mit elektronischen Hilfsmitteln als Medizinprodukt.