Waiblingen

Meterstab könnte Einbrecher überführen

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An einem Zollstock wurden DNA-Spuren gefunden. Er soll bei dem Einbruch als Tatwerkzeug eingesetzt worden. © Pixabay.com (CC0 Creative Common

Waiblingen. Über ein Toilettenfenster sind Einbrecher im vergangenen Jahr in eine Gaststätte am Alten Postplatz eingestiegen. Einer der mutmaßlichen Täter stand nun in Waiblingen vor Gericht. Doch der mehrfach vorbestrafte 34-Jährige bestreitet die Tat. Eine DNA-Probe soll nun Klarheit bringen.

Es ist ein wenig kurios, was da vor dem Amtsgericht Waiblingen verhandelt wird – und alles dreht sich um einen Meterstab. An diesem nämlich hat die Polizei DNA-Spuren gefunden, die wohl von einem der Täter stammen. Der Meterstab war nach dem Einbruch mit Klebeband umwickelt gefunden worden. Die Polizei nimmt an, dass er als Tatwerkzeug gebraucht worden war, möglicherweise, um Geld aus einem Tresor hervorzuangeln. An diesem Meterstab entbrennt eine regelrechte Diskussion zwischen dem Angeklagten und der vorsitzenden Richterin Christel Dotzauer. Aber von vorn.

34-jähriger Rumäne ist mehrfach vorbestraft

In eine Gaststätte am Alten Postplatz ist im vergangenen Jahr eingebrochen worden. Die Täter hatten ein Toilettenfenster eingeschlagen und anschließend die Bürotür aufgebrochen. 5000 Euro, der Umsatz vom Vortag, sind dabei gestohlen worden. Einer der Verdächtigen, ein 34-jähriger Rumäne, musste sich nun vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Der Mann ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und soll auch sogenanntes „Cash-Trapping“ (siehe Infobox) begangen haben. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft. Festgenommen wurde er ursprünglich, weil er nach einer Abschiebung unerlaubt wieder eingereist war. Nach eigener Aussage war er damals auf der Durchreise nach Frankreich gewesen. Abgeschoben worden war er wegen eines Ladendiebstahls, nach dem er auf der Flucht einen 72-Jährigen zu Boden gestoßen und dabei verletzt hatte.

DNA-Spuren an Meterstab gefunden

Zurück zu dem Meterstab: An diesem beißt der Angeklagte sich fest. Der Meterstab habe, das will er den Fotos in der Gerichtsakte entnommen haben, gar nicht am Tatort gelegen und sei deshalb kein Beweismittel, so seine Meinung. Er selbst sei aber gar nicht vor Ort gewesen, habe mit der Tat nichts zu tun. Er habe das nur den Fotos entnommen, akzeptiere deshalb aber die Anklageschrift nicht. Der Meterstab sei aus seiner Sicht kein Beweismittel. Er geht sogar so weit, seinen Pflichtverteidiger zu beschuldigen, ihn bedroht zu haben – offenbar, weil der versuchte, ihm zu erklären, dass sich eine solche Anklage nicht einfach vom Tisch wischen lasse.

Die Polizei sowie der Eigentümer der Gaststätte allerdings ordnen den Zollstock als Tatwerkzeug ein: Jemand hatte ihn in der Nacht des Einbruchs aus der Werkzeugkiste genommen und teilweise mit Klebeband umwickelt. An eben diesem Meterstab wurden DNA-Spuren gefunden, die nun den Täter überführen sollen.

Verhandlung wird vertragt

Nach einigem Hin und Her stimmt der Angeklagte schließlich einer Blutentnahme zu. Das Ergebnis soll von einem Sachverständigen mit den Spuren abgeglichen werden. „Wenn Sie nicht vor Ort waren, dann haben Sie ja nichts zu befürchten“, sagt Dotzauer. Auf Grundlage der bislang vorliegenden Beweise könne sie jedoch kein Urteil sprechen. Die Verhandlung wird vertagt, bis die Ergebnisse vorliegen. Ein neuer Termin muss noch festgesetzt werden.


Cash-Trapping

Als „Cash-Trapping“ wird eine besondere Form des Diebstahls an Geldautomaten bezeichnet.

Die Täter versehen dabei den Geldausgabeschacht mit einer Metallblende, die der eigentlichen Geldausgabe täuschend ähnlich sieht.

Darin befindet sich allerdings eine Vorrichtung, die sowohl verhindert, dass das Geld ausgegeben, als auch, dass es vom Automaten wieder eingezogen wird.

Das Konto des Bankkunden wird also belastet – und die Täter kassieren.