Waiblingen

Mietspiegel: Entspannung nicht in Sicht

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Blick von Beutelsbach nach Benzach. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Ein Ende der Preisspirale für Mietwohnungen ist nicht abzusehen. Nach dem neuen Waiblinger Mietspiegel sind sie in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich 4,8 Prozent gestiegen. Abermals sind besonders die Altbauwohnungen betroffen, was auf eine hohe Nachfrage nach günstigen Wohnungen hindeutet.

Betrug im Frühjahr 2016 das durchschnittliche ortsübliche Mietniveau der im Mietspiegel berücksichtigten Wohnungen noch 7,84 Euro pro Quadratmeter, ist es bis heute auf 8,22 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Damit liegt Waiblingen zwar unter dem Niveau von Stuttgart, doch die Nähe zur Landeshauptstadt ist spürbar. Der Durchschnitt im dort noch geltenden, fast zwei Jahre alten Mietspiegel beträgt 8,95 Euro. Eine Steigerung wie in Waiblingen angenommen, werden in der Landeshauptstadt inzwischen etwa 9,30 Euro bezahlt. Macht eine Differenz von rund 1,08. Waiblingen gehört zum engeren Speckgürtel, und der Preisknick kommt erst hinter der S-Bahn-Haltestelle Schorndorf. Je nach Baujahr stiegen die Waiblinger Mieten zwischen 2,1 und 5,9 Prozent. Den höchsten Preisanstieg müssen Mieter von Altbau-Wohnungen bis 1976 verkraften – und das sind mehr als die Hälfte der mietspiegelrelevanten Wohnungen. Außer vom Alter hängt die Quadratmetermiete von der Wohnungsgröße ab. Bei kleinen Wohnungen bis 40 Quadratmeter liegt die durchschnittliche Miete bei 9,25 Euro, für große Wohnungen ab 90 Quadratmeter Wohnfläche werden durchschnittlich 8,10 Euro bezahlt.

 

 

Wohnungssuchende wird es kaum trösten, aber die Steigerung fiel diesmal mit durchschnittlich 4,8 Prozent etwas geringer aus als vor zwei Jahren (5,1 Prozent). „Von Entspannung kann aber keine Rede sein“, sagte Mieterbunds-Vorsitzende Roswitha Stahl bei der Vorstellung der aktualisierten Zahlen, „es wird immer schlimmer.“ Besonders Alleinerziehende und Rentner fänden oft über Monate keine bezahlbaren Wohnungen. Bei 200 bis 300 Bewerbungen auf eine freie Wohnung blieben Leute mit schmalem Budget schnell auf der Strecke. „Da sind auch die Kommunen in der Verantwortung, denn der freie Markt kann es offensichtlich nicht.“

Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist demgegenüber auf die Waiblinger Bemühungen im städtischen Wohnungsbau und auf die Festlegung von Belegungsrechten für weniger Begüterte bei Bauträger-Projekten. Martin Zerrer, Gemeinderat in Korb und neuer Vorsitzender des Vereins der Haus- und Grundeigentümer, erinnert an die zu seinem Bedauern aus der Mode gekommene Praxis von Unternehmen, zugunsten ihrer Mitarbeiter in Nähe des Arbeitsplatzes Betriebswohnungen zu bauen. „Wir haben auch keine Gewerbeflächen mehr“, dämpft der Waiblinger Rathauschef die Hoffnung auf solche Pläne. Skeptisch sieht er zudem die Idee von Roswitha Stahl, bestehende Gebäude mit Wohnungen aufzustocken, wie es inzwischen Bau- und Supermärkte in Berlin planen. „Da sind Nutzungskonflikte vorprogrammiert“, verweist er auf Lärm und andere mögliche Beeinträchtigungen. Grundsätzlich müsse bei der Planung von Baugebieten auf Durchmischung geachtet und Ghettobildung vermieden werden. Einen attraktiven, potenziellen Hochhaus-Standort habe Waiblingen auf der Korber Höhe frei – den des gescheiterten „grünen Hochhauses“.

Hier geht es zum Mietspiegel als pdf.

Mietspiegel

Der Mietspiegel ist eine Übersicht über die in Waiblingen üblichen Mieten für nicht preisgebundenen Wohnraum vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage. Diese ortsübliche Vergleichsmiete setzt sich aus Mieten zusammen, die in den letzten vier Jahren neu vereinbart oder, von Betriebskostenerhöhungen abgesehen, geändert worden sind.