Waiblingen

Mildes Urteil gegen 21-jährigen Brandstifter

Feuerzeug_0
Der Angeklagte hat ein bengalisches Feuer angezündet und in die Halle geworfen. © Pixabay.com (CC0 Creative Common

Waiblingen/Fellbach. Es hätte viel schlimmer kommen können: Angesichts der millionenschweren Oldtimer, die in der Halle standen, erscheinen die 30 000 oder 40 000 Euro Schaden wie Peanuts. Dennoch war es vorsätzliche Brandstiftung. Weil der 21-Jährige offenbar nicht aus eigenem Antrieb handelte, kommt er mit einer Jugendstrafe auf Bewährung davon. Die beiden Anstifter sitzen in Haft und warten auf ihren Prozess.



Fast ein Jahr ist es nun her, konnten die Verdächtigen gefasst werden, DNA-Spuren und Mobilfunkdaten hatten die entscheidenden Hinweise gegeben. Bei den Verdächtigen handelte es sich um den 21-jährigen Angeklagten sowie zwei weitere junge Männer, die inzwischen wieder auf freiem Fuß sind. Verhaftet wurden außerdem ein 47-Jähriger und ein 51-Jähriger. Sie sollen die Hintermänner der Tat sein und den Jüngeren dazu angestiftet haben, das Feuer zu legen.

"Ich wollte nicht komplett alles abfackeln, nur ein kleines Feuer legen"

Der Angeklagte gibt dies unumwunden zu: Ja, er habe das Feuer gelegt. Dazu sei er in der Tatnacht mit zwei Freunden nach Fellbach gefahren. Jene hätten am Ortseingang auf ihn gewartet, während er die Sache „erledigt“ habe. Er sei auf einen LKW geklettert, der neben der Lagerhalle parkte, und von dort aus aufs Dach gestiegen. Er habe mit einem Backstein ein Oberlicht eingeschlagen, einen mit Grillanzünder und Benzin halb gefüllten Kanister hinuntergeworfen und eine bengalische Fackel hinterher. Vorher habe er sich versichert, dass dort unten möglichst wenig stand, sagt er. „Ich wollte nicht komplett alles abfackeln, nur ein kleines Feuer legen.“ Es sollte in der Zeitung stehen, als Beweis.

Schwarz in Werkstatt gearbeitet

Denn zu der Tat sei er gezwungen worden. Dazu holt der Auszubildende zum Zweiradmechaniker ein wenig aus: Etwa sechs Monate zuvor habe er den Besitzer einer Werkstatt kennengelernt. Er habe einige Schrauberarbeiten schwarz für ihn erledigt, um sich neben der Ausbildung etwas dazuzuverdienen. Nach und nach habe er herausgefunden, dass der andere nebenbei unter anderem mit Drogen und Waffen handele, sagt der junge Mann, der selbst ein langes Vorstrafenregister hat. Mehr als 40 Einbrüche stehen darin, viele davon mit Sachbeschädigung.

Drohungen von Werkstattbesitzer

Diese Vorstrafen waren es wohl auch, die den Angeklagten leicht erpressbar machten: Der Werkstattbesitzer soll ihm gedroht haben, seine kriminelle Vergangenheit sowie die Schwarzarbeit seinem Ausbilder zu stecken. Außerdem soll es Drohungen gegeben haben: „Du wirst den morgigen Tag nicht erleben.“ Zudem habe er ihm 1000 Euro geboten, sollte er die Lagerhalle anzünden. „Ich habe keinen Ausweg gesehen“, sagt der 21-Jährige.

Einer der Auftraggeber soll zur "Osmanen Germania" gehören

Hinter der Sache steht offenbar ein Rechtsstreit um einen Oldtimer. Dieser war von einem Gutachter als nicht echt eingestuft worden, sehr zum Ärger des Verkäufers, eines Freundes des besagten Werkstattbesitzers. Nach der Tat seien die Drohungen weitergegangen, bis etwa zwei Wochen vor seiner Verhaftung, berichtet der Angeklagte. Einer der beiden Auftraggeber, lässt Richter Luippold durchblicken, soll laut Gerichtsakte zu der Rockerbande „Osmanen Germania“ gehören.

Für Angeklagten steht viel auf dem Spiel

Die Verhandlung zieht sich, obwohl nur zwei Zeugen geladen sind: der Inhaber der Lagerhalle und der Polizist, der die Ermittlungen leitete. Doch jedes Detail muss geklärt werden, für den Angeklagten steht viel auf dem Spiel. Weil er zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung stand, könnte die neue Strafe mit einer alten Strafe aus dem Jahr 2014 verrechnet werden. Für den jungen Mann wäre das fatal, denn es hieße Gefängnis und damit wohl, dass er seine Ausbildung nicht abschließen könnte. Auch sein soziales Gefüge – er wohnt mit seiner Freundin bei deren Eltern – drohte dann zu zerbrechen.

Angeklagter kommt mit Jugendstrafe auf Bewährung davon

Am Ende sehen das nicht nur die Jugendgerichtshilfe und die Verteidigerin so, sondern auch der Richter und die beisitzenden Schöffen. Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe lautet das Urteil, auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Auferlegt wird dem Angeklagten, nach dem Abschluss seiner Ausbildung erwerbstätig zu bleiben und so gut wie möglich Wiedergutmachung zu leisten. Dem Angeklagten zugutezuhalten sei sowohl sein Geständnis und dass er sich beim Halleninhaber entschuldigt habe, als auch, dass er geholfen habe, die Hintermänner zu fassen, begründete der Richter das Urteil. „Aber jetzt dürfen Sie absolut nix mehr machen, sonst müssen Sie ins Gefängnis“, ermahnte er den jungen Mann. Drei Jahre und sechs Monate, zusammengefasst aus allen Strafen, müsste er dann absitzen.


Die Auftraggeber

Die mutmaßlichen Auftraggeber der Brandstiftung sitzen derzeit in Haft. Der Prozess gegen sie findet in den kommenden Wochen am Amtsgericht Waiblingen statt.