Waiblingen

Millionenschaden durch Spätfröste

Weinberge
Erfrorene Blüte im Weinberg. © Laura Edenberger

Waiblingen. Rund 2,8 Millionen Euro erhalten die 185 frostgeschädigten Obst- und Weingärtner an Rems und Murr vom Land Baden-Württemberg. Der Schaden, den die Spätfröste im April dieses Jahres angerichtet haben, liegen aber weitaus höher, denn Bagatellschäden unter 6000 Euro fielen durchs Antragsraster.

Nicht nur der Obst- und Weinbau bleibt auf einem großen Teil seiner Schäden sitzen. Auch das Landratsamt Rems-Murr zahlt kräftig drauf. Um bis zur Antragsfrist 30. Oktober alle Anträge abstempeln zu können, mussten die Beschäftigten im Landwirtschaftsamt Backnang kräftig Überstunden schieben und ihre normale Arbeit liegenlassen, sagte Landrat-Stellvertreter Michael Kretzschmar am Montag in der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses. Der Arbeitsaufwand für die Kreisverwaltung sei erheblich gewesen, zumal die meisten Antragssteller eine Beratung benötigten. Doch für den Arbeitsaufwand des Landwirtschaftsamtes gebe keine Kompensation durch das Land.

Erstattet werden höchstens 50 Prozent des Schadens

Der anfangs auf 18 Millionen Euro geschätzte Schaden kommt ungefähr hin. Insgesamt haben 185 Wein- und Obstbauern einen Antrag auf Frosthilfe gestellt. Die Frosthilfe ist an gewisse Regeln gebunden. Erstattet werden höchstens 50 Prozent des Schadens, maximal 50 000 Euro. Zwei Betriebe im Landkreis sind in ihrer Existenz bedroht. Ihre Schäden liegen über 100 000 Euro. Für diese Härtefälle gibt es zudem Liquiditätsdarlehen der L-Bank.

Anfang 2018 soll Frosthilfe bezahlt werden

Bagatellschäden unter 6000 Euro schloss die Frosthilfe aus. Ersetzt wurden auch nur Einkommensminderungen, nicht aber Verluste durch den Wegfall von Kundenbindungen, Schäden durch Produktionsunterbrechung, entgangener Gewinn oder Wertminderung des Unternehmens. Kein Geld konnten Betriebe erhalten, bei denen der Schaden unter 30 Prozent ihrer Erlöse eines normalen Jahres betrug. Übrig blieben 185 Anträge, in denen ein Gesamtschaden von 5,55 Millionen Euro geltend gemacht wird. Anfang 2018 will das Land den Landwirten die ihnen zustehende Frosthilfe in Höhe von 2,8 Millionen Euro ausbezahlen.

"Es geht um unsere Existenz"

Im Umwelt- und Verkehrsausschuss machte CDU-Kreisrat Werner Hundt deutlich, dass mit der Frosthilfe die Sache nicht erledigt sei. „Wir müssen Konsequenzen aus der Geschichte ziehen“, sagte Hundt nicht mit Blick auf Landrat Richard Sigel, sondern mit Blick auf Stuttgart und Berlin. Der Weinstädter Obst- und Weinbauer fordert eine Frostschaden-Versicherung mit staatlicher Unterstützung. Denn derartige Schäden werden aufgrund des Klimawandels zunehmen. Wenn Pflanzen immer früher austreiben, werden Landwirte von Spätfrösten umso öfters und umso härter getroffen. „Es geht um unsere Existenz."