Waiblingen

Mit Pistole zum Campen

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Waiblingen. Weil er seine Freundin vermutlich mit einer Pistole bedroht hat – der Besitz der Waffe konnte ihm nie nachgewiesen werden – ist ein 33-Jähriger zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt, diesen aber zurückgezogen, als eine schwerere Strafe drohte.

Sie ist 29, er 33 Jahre alt, beide sind arbeitslos und drogenabhängig. Die Waiblinger nehmen an einem Substitutionsprogramm teil, das sie langsam vom Rauschgift entwöhnen soll. Die junge Frau ist zudem „schon immer“ depressiv, wird ärztlich behandelt. Sie beginnt bald eine Therapie, die ihr schwaches Selbstbewusstsein stärken soll. Eigentlich sind die beiden kein Paar mehr, zu oft gab und gibt es Streit, doch irgendwie müssen sie miteinander klarkommen: Sie haben ein gemeinsames Kind und teilen sich das Sorgerecht.

Um das wird demnächst gestritten, am Familiengericht. Der Vater hätte das Kind gerne öfter bei sich. Seine Chancen stehen nicht besonders gut. Denn bei einem Streit im Mai hat der Mann die Mutter seines Kindes wohl mit einer Pistole bedroht. Sie sollte ihm ihr Smartphone aushändigen. Sein Motiv, so sagt es die 29-Jährige vor Gericht, sei Eifersucht gewesen: „Er hat geglaubt, dass ich mit einem anderen rumgemacht habe“. Er habe Nachrichten und Anrufe kontrollieren wollen.

Mann bestreitet die Vorwürfe

Gegen einen entsprechenden Strafbefehl wegen versuchter Nötigung hatte der Mann Einspruch eingelegt – wohl mit Blick auf die Verhandlung am Familiengericht. Diesen Einspruch zog er nach der Aussage seiner Ex-Freundin zurück – auch wenn er die Vorwürfe weiter bestreitet. Der Staatsanwalt hatte die Aussage der Frau als glaubwürdig angesehen. Aus der „versuchten Nötigung“ drohte am Amtsgericht eine Verurteilung für eine vollendete Nötigung zu werden. Offenbar wogen die Vorwürfe der Frau schwerer, als bei der Aufnahme der Anzeige im Mai. Warum, bleibt in der Sitzung unbeantwortet.

Zwei Versionen der Geschichte

Fest steht: Das Pärchen hatte Ende Mai mit Kind im Bärentälchen zwischen Waiblingen, Neustadt und Hegnach für eine Nacht gezeltet – gemeinsam, dem Kind zuliebe. Als der Nachwuchs schlief, kam es zum Streit. Dieser eskalierte am nächsten Morgen. Nun gibt es zwei Versionen der Geschichte: Er sei gegangen, noch mal wieder gekommen und dann endgültig nach Hause, behauptet der 33-Jährige. Eine Pistole besitze er überhaupt nicht.

Pistole an die Schläfe gehalten

Die Version der 29-Jährigen klingt so: Ihr Ex-Freund habe nach ihrem Handy verlangt, weil er die Nachrichten und Telefonate überprüfen wollte. Sie habe sich geweigert, da habe er die Pistole aus seinem Rucksack gezogen und ihr an die Schläfe gehalten. Sie selbst sei von einer Sitzbank auf den Boden gerutscht, habe panische Angst gehabt. Der Mann habe sich schließlich das Handy gegriffen und sei davongelaufen. Sie und ihr Kind seien hinterhergelaufen, schließlich habe der 33-Jährige das Smartphone zurückgegeben. Noch am Nachmittag erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Die durchsuchte am darauffolgenden Tag die Wohnung des Mannes und nahm ihn kurzzeitig fest. Eine Pistole fanden die Beamten allerdings nicht.

Juristisch ist die Sache nun ohnehin erledigt. Der Mann hat den Strafbefehl in letzter Sekunde doch akzeptiert und muss eine Geldstrafe zahlen. Dass die „versuchte Nötigung“ wohl eine vollendete war, fällt nicht mehr ins Gewicht.