Waiblingen

Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde am Bahnhof Waiblingen wird später fertig

Moschee
Die Nasir-Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft am Inneren Weidach soll Stand jetzt Ende September fertig sein – mit Ausnahme der Grünanlagen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Baustelle für das neue Parkhaus am Waiblinger Bahnhof. © ZVW/Alexandra Palmizi

Eigentlich wollte die Ahmadiyya-Gemeinschaft den Bau ihrer neuen Moschee am Bahnhof in Waiblingen schon spätestens Ende Januar abgeschlossen haben. Wegen Corona gab es dann Verzögerungen, der Termin wurde erst auf Juni verschoben, im Juni dann auf Ende August. Nun sieht es laut Bauleiter Saeed Gessler so aus, als ob die Moschee doch erst Ende September eröffnet werden kann. Die Firmen, sagt der Bauingenieur, hätten dies ihm gegenüber mit Lieferproblemen bei Metall- und Stahlteilen begründet – und das hält er angesichts der Marktlage auch für glaubwürdig.

Grundstein für die Moschee am Inneren Weidach wurde bereits 2016 gelegt

Saeed Gessler ist bei der Zentrale von Ahmadiyya Muslim Jamaat in Frankfurt angestellt und war schon bei vielen Moscheeprojekten der Gemeinschaft in Deutschland als Bauleiter aktiv. Rund 40 000 Mitglieder gibt es in ganz Deutschland, verteilt auf etwa 225 lokale Gemeinden. Die Waiblinger Gemeinschaft hat ein großes Einzugsgebiet, sie hat Mitglieder im ganzen Rems-Murr-Kreis. Der Grundstein für die Moschee am Inneren Weidach wurde bereits 2016 gelegt. Für etwa 50 000 Euro kaufte die Gemeinschaft der Stadt Waiblingen das etwa 600 Quadratmeter große Grundstück zwischen dem Fitnessstudio und der Baustelle für das neue Parkhaus am Bahnhof ab. Auf dem einst städtischen Grundstück befand sich auch ein Haus, das abgerissen werden musste.

Kosten liegen bei 1,3 Millionen Euro

Obwohl das Gelände relativ preiswert zu haben war, sind die Baukosten für die Gemeinschaft laut Saeed Gessler im Vergleich zu anderen Projekten in Deutschland relativ hoch. „1,3 Millionen sind für uns schon im oberen Level.“ Die Ausgaben wären wohl noch höher, wenn nicht manche beteiligte Firma der Ahmadiyya-Gemeinde entgegengekommen wäre. So hat ein Betrieb, dessen Inhaber gläubiger Muslim ist, etwa das Baugerüst umsonst bereitgestellt. Insgesamt ist die Baustelle für die Gemeinschaft nicht ganz einfach, da das Grundstück eng bebaut werden musste. Trotz aller Verzögerungen ist Saeed Gessler froh, dass es nicht zu teuer wird. „Ich denke, wir sind immer noch im guten Kostenrahmen.“

Baubeginn für die Moschee war im August 2019

Baubeginn für die Moschee war im August 2019. Dass zwischen der Grundsteinlegung 2016 und dem Baubeginn drei Jahre liegen, erklärt Saeed Gessler zum einen damit, dass es Ziel jeder Ahmadiyya-Gemeinschaft ist, erst dann mit dem Bau loszulegen, wenn die Gemeinde vor Ort mindestens 40 Prozent der Gesamtkosten aufbringen kann. Angepeilt wird freilich, dass die Gläubigen vor Ort 60 bis 70 Prozent finanzieren – und der Rest durch Gelder aus der Zentrale in Frankfurt bezahlt wird. Verzögert hat sich das Projekt auch durch einen länger dauernden Rohbau – „und die Baugenehmigung hat ein bisschen Zeit gebraucht“.

13 Meter hohes Minarett und eine elf Meter hohe Kuppel

Die Nasir-Moschee ist die insgesamt sechste Moschee, die von Ahmadiyya Muslim Jamaat in Baden-Württemberg gebaut wird. Nasir bedeutet so viel wie „Der Helfende“. Laut Saeed Gessler hat die Gemeinschaft bewusst viele Firmen aus dem Rems-Murr-Kreis und Stuttgart beauftragt. Einige Arbeiten werden von Ehrenamtlichen der Gemeinschaft gestemmt. Saeed Gessler nennt hier als Beispiel die Außenanlagen, bei denen zwei Fachleute aus der Ahmadiyya-Zentrale viel Unterstützung von lokalen Helfern erhalten sollen. Die Moschee bekommt ein 13 Meter hohes Minarett und eine elf Meter hohe Kuppel. Es gibt einen Begegnungsraum, in dem gemeinsam Tee getrunken werden kann, inklusive einer großen Küche. Ein Aufzug sorgt für einen barrierefreien Zutritt zum Hauptraum der Moschee mit der Gebetsnische, die Richtung Mekka ausgerichtet ist. Auch gibt es eine behindertengerechte Toilette.

Nasir-Moschee wird zu 70 Prozent über eine Wärmepumpe beheizt

Die Tiefgarage bietet zehn Stellplätze für Besucher. Dazu kommen zwei oberirdische Parkplätze, die für den Imam der Gemeinde reserviert sind. Dieser wird auch im Moscheegebäude eine Wohnung haben und die Gläubigen in der Region betreuen. „Wie ein Pfarrer hat er ähnliche Aufgaben“, erklärt Saeed Gessler. Beheizt wird die Moschee zu 70 Prozent über eine Wärmepumpe, dazu gibt es noch eine Gastherme.

Bauleiter Saeed Gessler weiß natürlich noch nicht, ob die Nasir-Moschee wirklich Ende September fertig ist. Auf die Lieferverzögerungen von Stahlteilen für Außentreppen oder von Metallgeländern hat er schließlich keinen Einfluss. So schließt er nicht aus, dass sich die Fertigstellung weiter verzögert, etwa auf Ende Oktober. Er rechnet allerdings damit, dass die Moschee auf jeden Fall noch in diesem Jahr eröffnet wird – wenn auch zunächst ohne feierlichen Festakt mit dem Oberhaupt der Gemeinschaft.

Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde einst in Indien gegründet

Ahmadiyya wurde übrigens in den 1880er Jahren von Mirza Ghulam Ahmad in Indien gegründet und sieht sich selbst als Reformbewegung des Islams. Viele Muslime werfen der Gemeinschaft allerdings vor, in zentralen Punkten von islamischen Glaubenssätzen abzuweichen. Die Folge davon ist, dass Mitglieder der Gemeinschaft in nicht wenigen islamisch geprägten Ländern verfolgt werden – und auch getötet. 2010 etwa starben bei einem Terroranschlag der Taliban auf zwei Ahmadiyya-Moscheen in der Stadt Lahore in Pakistan mindestens 80 Menschen.

Eigentlich wollte die Ahmadiyya-Gemeinschaft den Bau ihrer neuen Moschee am Bahnhof in Waiblingen schon spätestens Ende Januar abgeschlossen haben. Wegen Corona gab es dann Verzögerungen, der Termin wurde erst auf Juni verschoben, im Juni dann auf Ende August. Nun sieht es laut Bauleiter Saeed Gessler so aus, als ob die Moschee doch erst Ende September eröffnet werden kann. Die Firmen, sagt der Bauingenieur, hätten dies ihm gegenüber mit Lieferproblemen bei Metall- und Stahlteilen begründet

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