Waiblingen

Motorradlärm: Für den einen Sound, für andere Krach - was sagt der Auspuffbauer?

Auspuffe
Uli Egetemeir ist Spezialist für Auspuffanlagen. Ein guter Klang ist nicht gleichbedeutend mit Lärm und Krach. Foto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Uli Egetemeir kennt sich mit Auspuffanlagen aus. Vor fast drei Jahrzehnten hat der heute 63-Jährige das erste Motorrad mit einem geregelten Katalysator entwickelt und gebaut. Mit den EGU-Motorrädern aus seiner Waiblinger Motorenschmiede war er seiner Zeit weit voraus. Der Gesetzgeber hat Kats für Motorräder erst Jahrzehnte später zur Pflicht gemacht - und ihm das Geschäft mit sauberer Luft versaut.

Heute mögen die Abgase von neuen Motorrädern sauberer sein als früher. Leiser sind viele moderne Maschinen nur auf dem Papier. Immer mehr Anwohnern von beliebten Bikerstrecken klingeln an sonnigen Wochenenden die Ohren vom Krach aus den Auspuffen. Uli Egetemeir gehört zwar zu denen, für die der Klang von Motoren eher Sound darstellt. Das heißt jedoch nicht, dass er die Krawallmacher verteidigt. Er fordert, „die Sündenböcke aus dem Verkehr zu ziehen“. Also all diejenigen, die dem Ruf der Motorradfahrer schaden.

Klappen in Auspuffanlagen gehören verboten

Egetemeirs Appell in der gegenwärtigen Diskussion über Motorradlärm lautet, am Gasgriff Vernunft walten zu lassen, und die schwarzen Schafe streng zu bestrafen. Dass es mittlerweile Auspuffanlagen gibt, die auf Knopfdruck oder bei hohen Drehzahlen die Lautstärke gewaltig erhöhen, ist für Egetemeir schlicht eine Provokation. Klappen in Auspuffanlagen, sagt er, gehören verboten. Und grundsätzlich gelte, die Finger von Auspuffen zu lassen und Schalldämpfer nicht abzumontieren.

Kopfschüttelnd räumt er ein, dass es diese Krawallbrüder gibt, die den Krach ihrer Maschinen offenbar zu genießen scheinen. Uli Egetemeir würde zwar im Traum nicht einfallen, eine der Marken zu benennen, deren Fahrer öfters als andere unangenehm auffallen. Aber er widerspräche auch nicht, wenn der Name Harley Davidson fällt. Boshafte Zeitgenossen meinen ja, dass diese großvolumigen, ausgesprochen teuren amerikanischen Maschinen meist von gut situierten Herren jenseits der besten Jahren gefahren werden, die am Wochenende den jugendlichen Rebell raushängen wollen.

Was will man mit über 100 PS?

Egetemeirs Herz schlägt eher für einfache Technik. Von dem ganzen elektronischen Schnickschnack und den Helferlein, die in heutigen Motorrädern stecken, hält er wenig. Einzylindermotoren haben es ihm seit jeher angetan. In seiner Jugend fuhr er Motocross-Rennen und schuf sich einen Ruf in der Szene mit aufgebohrten Yamaha-XT-600-Motoren. In den 80er Jahren machte sich der gelernte Maschinenschlosser selbstständig. Der Betrieb mit heute zehn Beschäftigten inklusive Aushilfen steht auf zwei Beinen, der Instandhaltung von Automotoren und der Pflege und Umrüstung von klassischen Motorrädern.

„Motorräder sind mein Hobby, Autos mein Beruf“. Er liebe die Zweiräder aus den 70er und 80er Jahren. Wozu ein Motorrad mehr als 100 PS haben sollte, ist ihm ein Rätsel. „Wahnsinn!“, sagt er über Boliden mit 200 PS und mehr. Er setzt sich am Wochenende lieber auf seine Yamaha XTZ 660 mit gut 70 PS, der er eine eigene Auspuffanlage aus Edelstahl verpasst hat. Ihr Klang ist wie Musik in den Ohren, eher dumpf, so dass der Ton nicht aggressiv macht. Den Anwohnern zuliebe.

Uli Egetemeir kennt sich mit Auspuffanlagen aus. Vor fast drei Jahrzehnten hat der heute 63-Jährige das erste Motorrad mit einem geregelten Katalysator entwickelt und gebaut. Mit den EGU-Motorrädern aus seiner Waiblinger Motorenschmiede war er seiner Zeit weit voraus. Der Gesetzgeber hat Kats für Motorräder erst Jahrzehnte später zur Pflicht gemacht - und ihm das Geschäft mit sauberer Luft versaut.

Heute mögen die Abgase von neuen Motorrädern sauberer sein als früher. Leiser sind

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