Waiblingen

Motorradunfall: Ruf nach Kontrollen

Esslinger Straße
Die Strecke von Stetten nach Esslingen ist bei Motorradfahrern beliebt, weil sie so schön kurvenreich ist. © Palmizi / ZVW

Kernen. Ein folgenschwerer Motorradunfall zieht emotionsgeladene Diskussionen nach sich. Ein Fahranfänger ist am Mittwoch auf der kurvenreichen Strecke Stetten - Esslingen verunglückt. Die Polizei soll dort öfter kontrollieren, wird von verschiedener Seite gefordert.

Schwerste Verletzungen hat ein 18-Jähriger erlitten, der am Mittwochnachmittag mit seinem Motorrad auf der Landesstraße 1199 in einer Linkskurve zunächst zu weit nach rechts geraten war. Er stürzte beim Gegensteuern und schlitterte eine Böschung hinunter (wir haben berichtet). Die Polizei geht davon aus, dass ein Fahrfehler der Grund für den Unfall war. Von überhöhter Geschwindigkeit war im Polizeibericht gar nicht die Rede. Dennoch sorgt der tragische Vorfall für Aufsehen, eben weil der kurvenreiche Straßenabschnitt als gefährlich gilt.

„Wir hoffen, dass nun endlich etwas passiert, damit so etwas in Zukunft verhindert wird. Denn leider ist die Strecke beliebter Treffpunkt von Motorradfahrern und selbst ernannten Hobbyrennfahrern mit ihren aufgemotzten Karren“, schreibt ein Leser auf der Homepage des Zeitungsverlags Waiblingen. Nachts demonstrieren demnach dort gern – wenn auch nicht zu dieser Jahreszeit – Motorrad- und auch Autofahrer, was ihre Fahrzeuge hergeben. Leser berichten, dass sich waghalsige Motorradfahrer bei ihren Kunststücken filmen ließen, manche gar ausprobierten, wie lange sie sich allein auf dem Hinterrad auf der Strecke halten können.

Gewünscht wird mehr Präsenz der Polizei

In der Kernener Gemeindeverwaltung ist das Problem bekannt. Anwohner klagen des Öfteren über Lärmbelästigung. Mehr gezielte Kontrollen wünscht sich Amtsleiter und Pressesprecher Bernhard Bühler: „Wir halten das für zumindest angezeigt, dass die Polizei da präsent ist.“

Laut Polizeisprecher Ronald Krötz zeigt sich an besagter Straße ein „typisches Unfalllagebild“; die Statistik weist diese Straße nicht als Unfallhäufungsstelle aus. Krötz verweist darauf, dass auf kurvenreichen Strecken in der Regel zu hohe Geschwindigkeit die Ursache für Unfälle ist. Die Polizei überwache Krad-Strecken wie diese durchaus. Beispielsweise seien Beamte mit Lasermessgeräten auf Strecken wie diesen unterwegs – „soweit uns das personell möglich ist“, schränkt der Polizeisprecher ein.

Ohrenbetäubender Lärm und "Rennerles"

Bereits im Sommer 2016 war der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger ans Landratsamt herangetreten mit der Bitte, an der Strecke Geschwindigkeitsmessungen vorzunehmen. Ein Anwohner hatte in einer Bürgerfragestunde ohrenbetäubenden Lärm beklagt, von „Rennerles“ berichtet und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 70 hinterm Ortsschild gefordert.

Tatsächlich gab’s Messungen vergangenes Jahr, bestätigt Martina Nicklaus, Pressesprecherin am Landratsamt. Das Ergebnis: Nur fünf von 804 Fahrzeugen waren schneller als die an der Messstelle erlaubten 100 Stundenkilometer unterwegs.

Kontrollen auf beliebten Motorradstrecken sind geplant

Rasenden Motorradfahrern kommen die Behörden mit gewöhnlichen Blitzgeräten nicht so leicht bei. Ein von vorn aufgenommenes Foto zeigt das Kennzeichen nicht, und der Motorradfahrer ist unterm Helm nicht zu erkennen. Auf beliebten Motorradstrecken nahm die Polizei vergangenes Jahr im Sommer speziell Zweiradfahrer ins Visier, damals im Raum Backnang. Kontrollen dieser Art sind laut Martina Nicklaus 2017 erneut geplant – allerdings ist offen, wo. Die Strecke Stetten – Esslingen ist nur eine von vielen bei Motorradfahrern geschätzten Straßenabschnitten.

Nach Unfällen wird verständlicherweise schnell der Ruf laut nach mehr Kontrollen und nach Tempolimits. Jochen Klima, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg, sieht das „Grundproblem“ mit Blick auf Unfälle von Fahranfängern woanders: „Anfängerrisiko“ und „klassisches Jugendlichkeitsrisiko“ treffen aufeinander. Hinzu kommt, dass junge Leute heute tendenziell „sehr gut motorisiert sind“. Motorradfahren bezeichnet Klima zudem als die „anspruchsvollere Tätigkeit“ im Vergleich zum Autofahren.

Zu schnell unterwegs

In den Jahren 2014 bis 2016 sind auf der kurvenreichen Strecke von Stetten in Richtung Esslingen acht Unfälle passiert. Die Ursache war laut Polizei jeweils zu hohe Geschwindigkeit. Nur bei einem der Unfälle war ein Motorrad beteiligt.