Waiblingen

Mundart-Mörder und Dialekt-Detektive

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Während unser Autor den Geschichten im Endersbacher Rathaus lauschte, las Autorin Sybille Bäcker im Keller der Weinfreunde in Strümpfelbach aus ihrem Krimi "Mordsangst". © Schneider / ZVW
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Dorothea Böhme im alten Endersbacher Rathaus. © Schneider / ZVW
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Krimigeschichten im Doppelpack: Rudi Kost und Jürgen Seibold lesen im Großheppacher Schlosskeller. © Schneider / ZVW
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin
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Krimilesung in historischem Gemäuer. © Benjamin Beytekin

Weinstadt. Morde und ihre Aufklärung gehören in die Großstadt? Ach was! Regionalkrimis liegen voll im Trend, Mundart-Mörder und Dialekt-Detektive. Und wenn die dann auch noch in historischen Kellern zur Tat schreiten, so wie bei der ersten Weinstädter Krimikellernacht, dann wird Verbrechen vollends lauschig.

Ins alte Endersbacher Rathaus haben sich gut 50 Besucher sogar Thermokissen und Wolldecken mitgebracht, damit’s noch gemütlicher wird beim Schwaben-Schauder. Auch wenn nur eine der beiden Krimiautorinnen aus dem Ländle stammt. Dorothea Böhme, die zuerst vorliest, ist gebürtige Westfälin, hat unter anderem in Tübingen studiert, dort in einer WG so eine Type wie Timo in ihrem Buch „Schwabenbräute“ kennengelernt, der „nach Hanfprodukten und ökologischen Strickwaren“ riecht, und wurde, genau wie ihre Krimiheldin Paula Schmid, mit Schwäbisch und der Gesetzlosigkeit konfrontiert. Nur dass es sich im Fall der Romanfigur in Stuttgart zutrug, wo auch die Autorin längst lebt, und dass der Gesetzesbruch nicht nur Rauchwaren-Regeln betraf, sondern einen Mord. Der wird Paula angehängt, als sie ein hakennasiger Rechtsanwalt beauftragt, seine Frau zu beschatten. Diese ist dann wenig später tot, und ein gut aussehender Kommissar versucht den Fall ebenso aufzuklären wie die verdächtige Paula, gemeinsam mit Timo und einer Freundin. Was die Amateur-Detektive auch auf dem Killesberg recherchieren lässt, ein offenbar höchst beliebtes Ambiente für schwäbische Krimifans. Am Ende geht alles gut aus, Paula löst den Fall und trifft die große Liebe (nicht den Kiffer, sondern den schönen Kommissar) – und beim Happy End wird abjeblend’t!

Herz-Schmerz trifft auf Mordermittlung

Warum das Buch beziehungstechnisch eine solche Schlagseite hat, komme daher, dass Böhme, wie sie nach der Lesung verrät, anfangs vor allem Liebesgeschichten schrieb und sie dies bei „Schwabenbräute“ mit dem Krimi-Genre so kreuzte, dass man das Buch zwar auch als Mann lesen könne, es wohl aber eher bei den Damen Anklang finden dürfte.

Die Geschichte wirkt zuweilen an den Haaren herbeigezogen, etwa wenn Paula beim ersten Aufeinandertreffen mit der Polizei über die Dächer zu fliehen beabsichtigt. Aber diese „Schwabenbräute“ haben Humor, die Autorin zeichnet zudem mit genauen Beschreibungen Szenen und Figuren. Und das mit dem Herz-Schmerz ist am Ende ja Geschmackssache …

„Todesgleis“ von Wildis Streng hat danach freilich deutlich mehr „G’schmäckle“, und zwar nach Schwaben, nach Provinz. Einen Regionalkrimi par excellence hat die Crailsheimer Deutsch- und Kunstlehrerin geschrieben, der im Modelleisenbahn-Milieu spielt, und zwar so, dass mancher Leser sich den Kauf eines Modelleisenbahn-Standard-Sets als Geburtstagsgeschenk sehr gut überlegen dürfte.

Apropos Geschmack: Einmal liest die Autorin eine Szene über polnische Erntehelfer und schwärmt vom „hervorragenden Spargel“ im Hohenlohischen, was am Tisch mit den Gästen aus der Gegend, Bekannte der Autorin, mit eifrigem Kopfnicken bestätigt wird.

Die Abgründe und Schrecken der spießbürgerlichen Provinz

Doch auch für des Hohenlohischen weniger Mächtige bietet „Todesgleis“ Mundart-Mörderei vom Feinsten: Die Abgründe, die Schrecken der Provinz, wo mancher Spießbürger seine Leiche im Keller hat, bis er selber als solche endet. Wildis Streng schildert ihr Schwaben mit aufschlussreichen Dialogen, etwa wenn sich die Kommissare Heiko Wurst („Wurscht“) und seine aus Nordrhein-Westfalen stammende Kollegin Lisa Luft, auch privat ein Paar, bei ihren Ermittlungen mit den Herren vom MEC (Modelleisenbahn-Club) unterhalten und dabei auf so manchen Pedanten und Träumer treffen. Um festzustellen, dass offenbar jeder mit einer Axt umgehen kann …

Sie habe ihr Buch mit den örtlichen Modelleisenbahnern abgesprochen, sagt Streng nachher. Das ist wohl einer der Nachteile eines Regionalkrimis für den Autoren: Er muss mit dem, was er geschrieben hat, nachher unter seinen Nachbarn leben können. Aber gerade diese Nähe zum Stoff macht ja auch den Reiz des Genres aus.

Landesliteraturtage

Mit den Landesliteraturtagen in Weinstadt geht es an diesem Dienstag, weiter: Um 9 Uhr 30 morgens findet in der Stadtbücherei Beutelsbach ein „Bibliotheksfrühstück“ statt, und um 19 Uhr lesen und sprechen Eva Gritzmann und Denis Scheck im Restaurant Landgut Burg zum Thema „Solons Vermächtnis - vom richtigen Zeitpunkt im Leben“. Es geht um Kulinarisches, im Eintritt ist ein dreigängiges Menü inbegriffen.