Waiblingen

Nach Angriff auf 47-Jährigen: Drei Männer vor dem Amtsgericht Waiblingen

amtsgericht Waiblingen
Amtsgericht Waiblingen. (Symbolfoto). © Benjamin Büttner

Schreiend, blutend und um Hilfe rufend rennt ein Mann in der Neustadter Hauptstraße. Dort bricht er bewusstlos zusammen. Zu seinem Glück kommt gerade in diesem Augenblick eine Frau vorbei, die die Polizei ruft. Über den Vorfall im November 2020 hat nun das Amtsgericht Waiblingen verhandelt und einen Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Angeklagt war auch ein Freund des Opfers - verurteilt wurde er letztlich aber für andere Straftaten.

Vier gebrochene Rippen, gebrochenes Nasenbein, Pneumothorax, Verletzungen der Lunge, Schürfwunden, Prellungen und eine tiefe, stark blutende Beinverletzung trug der 47-Jährige davon. An einem Abend im November vor zwei Jahren hatte er eine Kneipentour in Bad Cannstatt unternommen. Da er sehr viel Alkohol getrunken hatte, habe ihm ein Freund den Schlüssel für sein Quartier überlassen, damit er sich dort ausschlafen könne, berichtete der Mann, der - aus nicht erwähnten Gründen - selbst aus der Haft in den Gerichtssaal gebracht worden war und in der Verhandlung als Nebenkläger auftrat.

Streit mit dem Mitbewohner

In der Wohnung sei es dann aber zum Streit mit dem Mitbewohner des Freundes gekommen, der daraufhin das Zimmer verließ. Am darauffolgenden Abend habe es dann gegen 20 Uhr heftig an der Tür geklopft. Als er öffnete, seien sein Freund, der Mitbewohner und ein dritter Mann vor ihm gestanden. Sie hätten ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, ihn aus der Tür heraus in den Flur gezogen, auf den Fußboden geworfen, mit Schlägen und Fußtritten traktiert. Als es ihm gelang, sich aufzurappeln und zu flüchten, habe ihn der Mitbewohner zunächst verfolgt und ihm, als er ihn stellte, mit einer Glasscherbe einen Stich ins Bein versetzt. Die stark blutende Wunde wurde im Krankenhaus genäht, eine Narbe sei ihm geblieben.

Freund soll sich nicht beteiligt haben

Sein Freund, versicherte er, habe sich allerdings nicht an dem Angriff beteiligt, sondern versucht, die Angreifer zurückzuhalten und ihm zu helfen. Der dritte Mann habe ihn, als er auf dem Boden lag, zusammen mit dem Mitbewohner mit Schlägen und Tritten traktiert und ihm die Nase gebrochen.

Auf der Anklagebank saßen in der mündlichen Verhandlung der Freund und der dritte Beteiligte. Der Mitbewohner wird als Hauptangeklagter von den Behörden „gesondert verfolgt“.

Ganz ungeschoren kommt der Freund nicht davon

Nach einem ausführlichen Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zwischen Richter, Staatsanwalt, den Verteidigern und dem Anwalt des Nebenklägers verkündete Richterin Basoglu-Waselzada, dass das Verfahren gegen den Freund wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung eingestellt werde. Der dritte Mann, dessen Vorstrafenkonto zehn Eintragungen aufweist, wurde wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und des Diebstahls von 64 Dosen Red Bull, bei dem er im 13. November 2021 in einem Supermarkt ertappt worden war, zu zwölf Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Sieben Vorstrafen in sechs Jahren

Ganz ungeschoren kam allerdings auch der Freund des Opfers nicht davon. Er hat in sechs Jahren bereits sieben Vorstrafen kassiert. In dieser Verhandlung wurde er zusätzlich angeklagt, dass er im vergangenen Juli vor einer Waiblinger Kneipe im Verlauf einer Rauferei seinem Kontrahenten einen Kopfstoß versetzt, nach den herbeigerufenen Polizeibeamten geschlagen und diese beleidigt haben soll. Weiter habe er im September an einem geparkten Roller das Kennzeichen abgeschraubt, es an einen gestohlenen Roller montiert und sei damit unter Drogen- und Alkoholeinfluss in Schlangenlinien durch die Waiblinger Innenstadt gedüst. Dafür wurde er zu acht Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Bewährung "noch einmal vertretbar"

Beide Strafen wurden auf drei Jahre und gegen Ableistung von 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit zur Bewährung ausgesetzt. Wenn man beide Augen zudrücke und berücksichtige, dass sich die Körperverletzung in Neustadt bereits 2020 ereignete, und dass die angeklagten Taten eingeräumt wurden, dann sei Bewährung noch einmal vertretbar, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Da alle Verfahrensbeteiligten auf Rechtsmittel verzichteten, trat das Urteil sofort in Kraft.

Schreiend, blutend und um Hilfe rufend rennt ein Mann in der Neustadter Hauptstraße. Dort bricht er bewusstlos zusammen. Zu seinem Glück kommt gerade in diesem Augenblick eine Frau vorbei, die die Polizei ruft. Über den Vorfall im November 2020 hat nun das Amtsgericht Waiblingen verhandelt und einen Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Angeklagt war auch ein Freund des Opfers - verurteilt wurde er letztlich aber für andere Straftaten.

Vier gebrochene Rippen, gebrochenes

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