Waiblingen

Nach den Anschlägen: Brüssel zeigt seine gute Seite

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In Brüssel trauern die Menschen um die Toten der Anschläge vom 22. März. © Jamuna Siehler

Waiblingen/Brüssel. Vor über einer Woche verübten Islamisten mehrere Bombenanschläge in Brüssel und töteten dabei mindestens 35 Menschen. Unser Mitarbeiter Hendrik Stamm ist in Brüssel aufgewachsen und schildert seine persönlichen Eindrücke nach den Vorfällen. Über Ostern war er einige Tage wieder in Brüssel. In seinen Augen zeigte sich die Stadt von ihrer guten Seite.

Mittlerweile ist seit den islamistisch motivierten Anschlägen in Brüssel über eine Woche vergangen. Der Schock sitzt nach wie vor tief, auch wenn die Stadt jetzt wieder versucht, ihr normales Alltagsleben aufzunehmen.

Brüssel und der Großteil seiner Bewohner hat sich in den Tagen nach den Anschlägen von seiner guten Seite gezeigt. Schon am Nachmittag des schicksalhaften 22. März kamen viele Menschen zum zentralen Place de la Bourse (Börsenplatz), um Blumen für die Opfer niederzulegen. An vielen großen Plätzen haben einige auch mit Kreide Botschaften wie „Je suis Bruxelles“ (Ich bin Brüssel) in Anlehnung an die Solidaritätsbekundungen nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo (Je suis Charlie) und Sprüche gegen Krieg und Terror auf die Straße gezeichnet – so auch an der nach wie vor geschlossenen Metrostation Maelbeek nahe dem EU-Viertel, in der ein Bombenanschlag verübt worden war.

Dass sich trotz der Bitte seitens der Polizei, nicht zu demonstrieren, am Ostersonntag zahlreiche Menschen am Place de la Bourse versammelt haben, um gemeinsam für Frieden und gegen Terror einzustehen, ist vielleicht nicht unbedingt geschickt, aber zeigt die Willenskraft vieler Brüsseler. Schade und ärgerlich zugleich war, dass ein aggressiver Mob aus etwa 100 rechtsextremistisch gesinnten Hooligans die Situation ausnutzte, um Stimmung gegen Ausländer, in erster Linie Muslime und Flüchtlinge, zu machen. Sie wurden allerdings schnell von den Polizeikräften eingekesselt und von der Börse weggedrängt.

Am Abend des Ostersonntags sah der Platz vor dem Börsengebäude so aus, wie man sich europäische Einigkeit vorstellt: Blumen, Kerzen, Flaggen verschiedenster Länder und Symbole für Frieden und Zusammenhalt. Hoffentlich bleibt diese Einstellung bestehen.

Nicht genügend Sicherheitspersonal für alle Metrostationen

Noch sind nicht alle Metrostationen wieder in Betrieb. So fährt die U-Bahn zwar auf allen Strecken, hält aber bei weitem nicht an allen Stationen. Grund dafür ist, dass jeder, der mit der U-Bahn fahren möchte, vorher durchsucht wird. Da nicht genug Einsatzkräfte zu Verfügung stehen, um diese Sicherheitsüberprüfung an jeder Metrostation gewährleisten zu können, sind manche geschlossen. Vermutlich handelt es sich hier um eine Art Placebo-Maßnahme, um das Vertrauen in die Sicherheit der Stadt bei den Bewohnern wiederherzustellen. Die Polizei zeigt: „Hey, schaut mal, wir sichern jetzt alles.“ Das ist auf jeden Fall eine gute Idee und so kurz nach den Anschlägen auch angebracht. Wichtiger wäre allerdings, dass das nicht zum Normalzustand wird und man den Terrorismus auf höheren Ebenen bekämpft als am Eingang der Metro. Dass belgische Behörden im Kampf gegen den Terror einige Versäumnisse zu verantworten haben, ist mittlerweile geklärt. So stand etwa Ibrahim El Bakraoui, einer der Attentäter am Flughafen Zaventem, seit September 2015 auf der Terrorliste des FBI, so der niederländische Justizminister Ard van der Steur. Dass nun mit Brüssel das Zentrum der Europäischen Union auch von terroristischen Anschlägen heimgesucht worden ist, lässt sich nicht mehr ändern. So bleibt zu hoffen, dass es der letzte Anschlag war.

Zu den Anschlägen

Am Morgen des 22. März ereigneten sich in der belgischen Hauptstadt mehrere islamistische Anschläge.

Gegen 8 Uhr morgens zündeten zwei Selbstmordattentäter ihre Sprengstoffgürtel am Brüsseler Flughafen in Zaventem.

Gegen 9.20 Uhr zündete mindestens ein weiterer Attentäter in der Brüsseler Metro in einem Zug nahe der Haltestelle Maelbeek seinen Sprengstoffgürtel.

Insgesamt mindestens 35 Menschen starben bei den Angriffen.