Waiblingen

Nach Rennen mit der Polizei: Raser verurteilt

Justitia Symbol Urteil Justiz Gericht Symbolbild
Symbolbild. © ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen. Ein 22-jähriger Raser ist am Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seinen Führerschein bekommt er frühestens in neun Monaten wieder. Er hatte sich im Februar eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Durch den Fellbacher Stadttunnel heizte er mit 120 km/h. Die Fahrt endete an einem Verkehrszeichen.

„Verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ – so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft an den 22-jährigen Möglinger mit türkischem Pass. Die juristische Besonderheit: Der junge Mann war der einzige Teilnehmer an diesem Rennen – wenn man von der Polizeistreife absieht, die ihn mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde von Fellbach nach Waiblingen verfolgte und ihn schließlich stellte, nachdem er an einer Verkehrsinsel nicht nur ein Schild, sondern auch seinen Golf kaputtgefahren hatte.

"Grob verkehrswidrig und rücksichtslos" 

Zur Verhandlung am Amtsgericht kam es, weil der Angeklagte gegen einen entsprechenden Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Zwar gibt er zu, viel zu schnell gefahren und vor der Polizei davongebraust zu sein. Von einem illegalen Autorennen, für das eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren droht, will er freilich nichts wissen.

Tatsächlich ist der Absatz relativ neu, in dem es heißt, dass den Tatbestand des „verbotenen Kraftfahrzeugrennens“ auch derjenige erfüllt, der sich „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“ (§ 315d, Strafgesetzbuch).

Über seinen Verteidiger lässt der 22-Jährige vor Amtsrichter Dautel erklären, dass er „in Panik verfallen“ sei, als er in den frühen Morgenstunden des 17. Februar in Fellbach die Polizeistreife bemerkte. „Ihm sind die Nerven durchgegangen“, sagt der Verteidiger. Schließlich hatte der junge Mann schon in den Jahren zuvor fleißig Punkte in Flensburg gesammelt und durfte sich keinen weiteren Verstoß leisten. Seinen Führerschein musste er bereits 2015 für drei Monate abgeben: Er hatte das Tempolimit in Stuttgart um stolze 76 km/h überschritten – mit 126 Sachen erwischte ihn die Polizei innerorts.

Mit 120 Kilometern pro Stunde durch den schmalen Fellbacher Stadttunnel

An besagtem Februarmorgen nun war der Deutschtürke gerade auf der Stuttgarter Straße in Richtung Waiblingen unterwegs, als die beiden Polizeibeamten die Verfolgung aufnahmen. Wieder war er viel zu schnell gefahren. Auf die Stopp-Zeichen und Lichtsignale der Beamten reagierte der Mann nicht, im Gegenteil: Er trat aufs Gas, scherte sich nicht um das Rotlicht einer Ampel, brauste mit circa 120 Kilometern pro Stunde durch den schmalen Fellbacher Stadttunnel, überholte dort trotz durchgezogener Linie ein Auto, fuhr abermals über Rot, raste weiter auf die Landesstraße nach Waiblingen – in der Linkskurve kamen seine Verfolger aufgrund des hohen Tempos sogar ins Schlingern –, riss das Lenkrad herum und missachtete beim Einbiegen in die Waiblinger Ziegeleistraße Rotlicht Nummer drei an diesem Morgen.

Dann bretterte er nach rechts in die Stuttgarter Straße, überfuhr dabei eine Verkehrsinsel und blieb an einem Verkehrsschild hängen, das schließlich seinen Wagen so sehr beschädigte, dass er nur wenige Meter weiter liegen blieb. Als nach wenigen Sekunden die Polizei eintraf, gab sich der Raser in seiner ausweglosen Lage plötzlich arglos. Die 25 Jahre alte Polizistin, die bei der Verfolgung auf dem Beifahrersitz gesessen hatte, erinnert sich vor Gericht: „Er hat so getan, als wisse er von nichts.“

Neun Monate ohne Führerschein

Immerhin: Diese Strategie hat der junge Mann mittlerweile abgelegt. Er räumt sämtliche Vorwürfe ein, nur eben nicht den, an einem Autorennen teilgenommen zu haben – sein Verteidiger sähe ihn lieber wegen einer Ordnungswidrigkeit als wegen eines Verbrechens zu einer Geldstrafe verdonnert, wie er in seinem Plädoyer erklärt.

Richter Dautel folgt jedoch der Interpretation der Staatsanwaltschaft. „Ein sehr geübter Rallyefahrer wäre nicht in der Lage gewesen im Stadttunnel viel schneller zu fahren“, so Dautel. Für weitere neun Monate muss der Mann definitiv auf seinen Führerschein verzichten. Außerdem wird der zurzeit arbeitslose Monteur eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 20 Euro zahlen.