Waiblingen

Nach zehn Jahren ins Sozialministerium gewechselt: Gabi Weber packt an für Frauenrechte

Gabi Weber
Zehn lange Jahre war Gabi Weber Beauftragte für Chancengleichheit und Koordinatorin des Netzwerks Waiblingen. © Gabriel Habermann

Zehn Jahr lang war Gabi Weber zunächst Beauftragte für Chancengleichheit bei der Stadt Waiblingen, später zusätzlich für das Netzwerk Asyl zuständig. Nun hat sie ihren Arbeitsplatz im Waiblinger Rathaus Mitte Februar für einen Platz im Sozialministerium geräumt. „Ich sehe ihren Weggang mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. „Das weinende Auge ist, weil Gabi Weber Waiblingen verlässt, das lachende, weil sie sich weiterhin für die Belange der Frauen einsetzen wird“, sagt sie und lächelt. Die 39-Jährige wird Referentin der Vernetzungsstelle für die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Ministerien in Baden-Württemberg.

Für den Frauenrat und alle dazugehörigen Gremien und Arbeitskreise wird das nicht der alleinige Wechsel sein. Die zuständige Dezernentin Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr ist im vergangenen Jahr zur Wahl nicht erneut angetreten, wonach Ian Schölzel als Nachfolger ins Amt gewählt wurde. Er tritt seine Stelle am 17. März an.

Gabi Weber kam 2012 nach Waiblingen und bewegte die aktiven Frauen in Waiblingen zum Umdenken. Zuvor hatte viele Jahre Ingrid Hofmann das Amt inne und später Constanze Weller-Meng, die aber dann in Elternzeit gegangen war. Gabi Weber habe viel „frischen Wind“ reingebracht. Nach Waiblingen kam sie direkt von der Hochschule, sie ist diplomierte Pädagogin mit dem Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung, „mit viel Idealismus“, erinnert sich Angelika Winterhalter, die viele Jahre lang Vorsitzende des Frauenrats war und weiterhin für die Frauenwerkstatt lokale Agenda 21 im Gremium sitzt. Mit ihrer Abgebrühtheit habe sie viel in Bewegung gesetzt. „Wir haben einen großen Fortschritt mit Gabi Weber erlebt“, erinnert sie sich. Sie sei mit viel Schwung und Engagement eingestiegen, habe sich aber gleichzeitig Respekt verschafft, betont die Vorsitzende des Frauenrats Tina Greiner, die seit Urzeiten Teil des Gremiums ist. Weber gestaltete neue Vernetzungsstrategien und etablierte den Weltmädchentag. „Sie hat dadurch junge Frauen angesprochen und gleichzeitig unsere Perspektive erweitert“, so Greiner. Sie habe gezeigt, dass es sich für Frauen lohne, dass sie kämpfen.

2013 erlebte Gabi Weber einen Wechsel bei dem ihr vorgesetzten Dezernenten. Martin Staab wurde zum OB von Radolfzell gewählt, im Jahr 2014 folgte die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Mit ihr hatte Gabi Weber eine Frau als Vorgesetzte, die sich genauso gerne für Themen der Gleichstellung einsetzt wie sie selbst. Vieles sei Hand in Hand gelaufen, sind sie sich einig.

Frauenkonferenz mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras

Ein Highlight und krönender Abschluss war sicherlich die Frauenkonferenz im vergangenen November mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Der Titel lautete "Den Horizont im Blick". Im Gespräch habe die Landtagspräsidentin die hohe Frauenquote in Waiblingen bei Abteilungsleitungsposten hervorgehoben. „Immerhin ist die Hälfte mit Frauen besetzt“, sagt Christiane Dürr. Das sei in der Landtagsverwaltung nicht so, habe Muhterem Aras berichtet. Eine Sache, bei der Waiblingen auch in Zukunft nicht nachlassen dürfe, so Dürr.

Integrationspreis des Landes für das Sprachcafé im Jahr 2019

Ein weiterer Höhepunkt war der Integrationspreis des Landes, mit welchem das Frauensprachcafé im Familienzentrum Karo 2019 ausgezeichnet wurde. Es belegte den dritten Platz in der Kategorie Kommunen und Verwaltung. Stellvertretend für eine ganze Gruppe Ehrenamtlicher haben die Leiterin des Sprachcafés Teresa Santamaria, Gabi Weber als Vertreterin des Fachbereichs Bürgerschaftliches Engagement und Integrationsförderung, Gerda Riedel sowie Christiane Dürr den Preis entgegengenommen.

Als Beauftragte für Chancengleichheit war Gabi Weber etwa Teil des Koordinierungsteams des kreisweiten Runden Tisches Häusliche Gewalt, organisierte den Arbeitskreis Alleinerziehende und war zeitweise stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Städtetag Baden-Württemberg. Ebenso mischte sie im Frauenrat mit und organisierte Seminare oder Vorträge für Frauen. 2018 entstand dabei die Kampagne „Weil wir’s können, Frauen machen Politik!“

Weber baute Kooperationen mit der Familienbildungsstätte aus (Einzelberatung für Frauen, die vorhaben, sich scheiden zu lassen) oder der Volkshochschule (Vortrag: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland).

Unter Gabi Weber haben die Frauen 2016 in Waiblingen ihre Meinung zum Biketower am Bahnhof kundgetan. Sie haben sich beim Frauentag im selben Jahr mit der damaligen Sozialministerin Katrin Altpeter über Sexismus in der Werbung ausgetauscht, um ein Jahr später 2017 einen ganz anderen Frauentag zu feiern. Mit dem Flüchtlingsstrom waren Frauen unterschiedlichster Nationen nach Waiblingen gekommen. Sie wurden an die Hand genommen. Herausgekommen ist ein Frauentag mit Musik und Geschichten, bei dem das Kulturhaus Schwanen nahezu aus allen Nähten platzte – ein Projekt mit dem Netzwerk Asyl Waiblingen.

Vieles sei ohne die Unterstützung aus dem Rathaus nicht möglich gewesen, betont Gabriela Simon, die sich beim Stadtseniorenrat engagiert, und spricht als Beispiel 2013 die Ausstellungen im Schlosskeller zur häuslichen Gewalt „Rosenstraße 76“ an.

Beauftragte für Chancengleichheit auch künftig weiterhin ein Muss

Die Themen reißen nicht ab, sind sich alle Beteiligten einig. „Es gibt kein Gebiet, auf dem es keine Probleme mehr gibt und man einen Haken dran machen kann“, sagt Angelika Winterhalter. Antifeminismus sei ein Thema „bei dem wir früh erkannt haben, dass wir das nicht übersehen dürfen, und haben dafür reichlich Gegenwind geerntet“, erinnert sich Tina Greiner. Und weil die Themen nicht ausgehen, wünsche sich der Frauenrat, dass die Nachfolgerin „vielleicht ein paar Prozente mehr erhält als die 50-Prozent-Stelle der bisherigen Beauftragten".

Am Dienstag, 8. März, ist wieder Weltfrauentag. Für Gabi Weber ist es der letzte , den sie in Waiblingen realisiert hat. „Frauen und Krisen: eine internationale Heldinnengeschichte“ wird Thema des Abends im Kulturhaus Schwanen sein mit Beginn um 19 Uhr. Der Abend wird auch gestreamt werden. Christiane Dürr wird mit Tina Greiner die Begrüßung halten, aber auch Gabi Weber will den Abend verfolgen – für sie eine Herzensangelegenheit.

Zehn Jahr lang war Gabi Weber zunächst Beauftragte für Chancengleichheit bei der Stadt Waiblingen, später zusätzlich für das Netzwerk Asyl zuständig. Nun hat sie ihren Arbeitsplatz im Waiblinger Rathaus Mitte Februar für einen Platz im Sozialministerium geräumt. „Ich sehe ihren Weggang mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. „Das weinende Auge ist, weil Gabi Weber Waiblingen verlässt, das lachende, weil sie sich weiterhin für die Belange der

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