Waiblingen

Nachwuchssorgen im Handwerk? Nicht beim Fagott - die Instrumentemacherin Laura Claassen aus Waiblingen ist Bundessiegerin

Laura Claasen
Laura Claassen an ihrem Arbeitsplatz in der Werkstatt von Bernd Moosmann. © Gabriel Habermann

Für ihren Traumberuf ist Laura Claassen von Mainz nach Waiblingen gezogen. Hier begann sie vor drei Jahren bei Bernd Moosmann ihre Ausbildung zur Holzblasinstrumentemacherin. Der Weg nach Schwaben hat sich für sie gelohnt: Die 22-Jährige ist mit einem hohen Preis des deutschen Handwerks ausgezeichnet worden. In der Werkstatt vor Ort gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit. Überraschend ist vor allem, wie lange Claassen mit nur einem Instrument beschäftigt ist.

An einer Werkzeugbank aus massivem Holz sitzt Laura Claassen. In der einen Hand eine der Klappen für das Fagott, in der anderen Hand eine Reibahle, eine Art feiner Bohrer, mit dem Claassen das Loch in ihrem Werkstück in die perfekte Form bringt. Ein schmales Röhrchen soll dort hineinpassen. Die Arbeit an dem Instrument ist Millimeterarbeit.

Für die Ausbildung ist die gebürtige Mainzerin 2017 nach Waiblingen gezogen. 70 Bewerbungen habe er damals auf die eine Lehrstelle bekommen, berichtet Bernd Moosmann, der Chef des Betriebes. Zahlen, von denen Unternehmer in anderen Handwerksberufen nur träumen können. Sogar ein junger Mann aus Taiwan habe sich beworben. Doch Moosmanns Auswahl fiel auf Laura Claassen. Damit hat er die richtige Auswahl getroffen. Immerhin darf sich die 22-Jährige nun Bundessiegerin beim Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks im Bereich Holzblasinstrumentemacher nennen. Wie hoch der Preis genau dotiert ist, dass weiß Claassen noch gar nicht so genau. Erst in ein paar Tagen wird sie es erfahren.

Nur wenige Ausbildungsplätze zum Holzblasinstrumentemacher gibt es in ganz Deutschland. In Claassens Klasse an der Berufsschule in Ludwigsburg gibt es nur eine weitere Auszubildende mit ihrer Fachrichtung. Die anderen neun Personen in der Klasse seien Blechblasinstrumentemacher, erzählt sie.

Eine äußerst filigrane Arbeit, die viel Geduld erfordert

Die Arbeit mit dem Fagott sei vor allem eine sehr filigrane Arbeit, man könne auch von einem echten „Rumgewurstel“ sprechen, sagt Claassen und lacht. Vor allem Geduld sei gefragt. Die allermeiste Zeit verbringe sie mit dem Feilen. Die Klappen aus Neusilber müssen in Form gebracht werden.

Normalerweise findet ein bundesweiter Wettbewerb statt, um einen Bundessieger küren zu können. In diesem Jahr sei die Veranstaltung wegen des Coronavirus aber ausgefallen, gezählt habe deshalb die praktische Note bei der Gesellenprüfung. Aber wie läuft so eine Prüfung ab? Insgesamt habe sie acht Stunden Zeit gehabt, um drei Klappen am Stiefel, dem untersten Teil des Fagotts, anzubringen, erzählt Laura Claassen. Bei der Prüfung sei es vorgegeben gewesen, welcher Teil des Instrumentenbaus geprüft wird. Claassen war hier mit der Note 1,7 die Beste ihres Jahrgangs.

Claassens Aufgabe in der Werkstatt ist vor allem das sogenannte Aufsetzen des Fagotts, einer der aufwendigsten Arbeitsschritte überhaupt. Zum Aufsetzen gehört es beispielsweise, die Klappen am Holz zu befestigen. Allein mit diesem Arbeitsschritt ist sie sieben Tage lang an einem Fagott beschäftigt.

Besonders wichtig sei etwa, die richtige Positionen für die Klappen zu finden, etwas im Nachhinein zu korrigieren sei schwierig. Die 22-Jährige ist nicht nur handwerklich begabt, sondern auch musikalisch. Viele Jahre lang habe sie in ihrer Heimat Klarinette in der Rheinhessischen Bläserphilharmonie gespielt.

Um Claass war es geschehen

Bei einem Schulpraktikum schnupperte Claassen schließlich in den Beruf der Gitarrenbauerin hinein und war schnell begeistert. „Da war es um mich geschehen“, sagt sie. Es sind viele Schritte, die bei der Herstellung eines Fagotts gemacht werden müssen. Vereinfacht lässt sich der Prozess aber so erklären: Zu Beginn werden die vier verschiedenen Teile des Korpus aus dem Holz eines bosnischen Bergahorns zugeschnitten und in Form gebracht. Anschließend werden sie lackiert und landen schließlich bei Claassen auf dem Tisch. Nach dem Aufsetzen werden die Teile versilbert und schließlich zusammenbaut. In einem Fagott für einen Profi stecken so schnell 140 Arbeitsstunden, erklärt Bernd Moosmann. Mehrere Tausend Euro kostet ein solches Instrument daher.

Claassens Chef und Ausbilder Bernd Moosmann bekam einst selbst den Preis als Bundessieger überreicht. Er begann 1972 eine Lehre bei seinem Vater und machte sich schließlich 1983 selbstständig. Moosmann erklärt, Claassen sei vermutlich seine letzte Auszubildende – schließlich sei er inzwischen selbst 63 Jahre alt.

Die Corona-Krise bekommt auch er zu spüren. Normalerweise ist er mehrfach im Jahr auf großen Messen überall auf der Welt. Russland, USA, Italien - Moosmann war schon an vielen Orten.

Doch die großen Veranstaltungen seien in der Branche allesamt ausgefallen. In einer Zeit, in der außerdem die Kultur stillsteht, ist es für ihn als Hersteller von Instrumenten schwierig, an Bestellungen zu kommen. Inzwischen sind fast alle Aufträge in der Werkstatt abgearbeitet. Zeitweise müssen immer wieder auch Mitarbeiter von ihm in Kurzarbeit. Ganze 14 Männer und Frauen sind für ihn tätig. Moosmann hofft, dass seine Frau damit recht behält, wenn sie sagt: „Es wird wieder“.

Für ihren Traumberuf ist Laura Claassen von Mainz nach Waiblingen gezogen. Hier begann sie vor drei Jahren bei Bernd Moosmann ihre Ausbildung zur Holzblasinstrumentemacherin. Der Weg nach Schwaben hat sich für sie gelohnt: Die 22-Jährige ist mit einem hohen Preis des deutschen Handwerks ausgezeichnet worden. In der Werkstatt vor Ort gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit. Überraschend ist vor allem, wie lange Claassen mit nur einem Instrument beschäftigt ist.

An einer Werkzeugbank aus

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper