Waiblingen

Nationalisten beten für rollende Panzer

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Die Ruine eines syrischen Hauses. © Alexander Roth
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Segenswünsche vom 22. Januar 2018 (mittlerweile gelöscht) für die türkischen Invasionstruppen für Afrin, Nordsyrien, auf der Facebook-Seite der Sultan-Ahmet-Moschee der Ditib in Waiblingen.
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„Oh Herr, gewähre unserem Heer den Sieg“ – Kriegspropaganda-Beitrag vom 22. Januar 2018 (mittlerweile gelöscht) auf der Facebook-Seite der Sultan-Ahmet-Moschee der Ditib.

Waiblingen. „Vernichte den Feind, mein Allah! Zerstöre sie, löse sie auf!“ Segnen auch Waiblinger Muslime die Invasion des türkischen Militärs in Nordsyrien und beten für einen Sieg mit Bezug zur Fetih-Sure? Diesen Anschein erweckten zumindest zeitweise mehrere Beiträge auf der Facebook-Seite der Sultan-Ahmet-Moschee der Ditib im Ameisenbühl.

Fetih 1453, also Eroberung 1453, heißt der türkische Propaganda-Film von 2012 zur Einnahme des christlichen Konstantinopels durch das osmanische Heer. Wohl nicht von ungefähr. So mancher Muslim denkt bei „Fetih“ sogleich an die Fetih-Sure, die Eroberungs-/Sieges-Sure im Koran, in der den Gläubigen quasi der Endsieg über alle Heuchler, Götzendiener und Ungläubigen sowie viel Beute prophezeit wird.

In Vers 13 heißt es: „Und jene, die nicht an Allah und seinen Gesandten glauben – für die Ungläubigen haben wir ein flammendes Feuer bereitet.“ Und in Vers 20: „Allah hat euch viel Beute verheißen ...“ Und mit Bezug zu dieser, egal wie man sie auslegt, doch recht kriegerisch daherkommenden Sure sollen angeblich die Mitglieder der Waiblinger Ditib-Moschee dieser Tage regelmäßig für den Sieg der türkischen Invasionstruppen gegen die kurdische YPG in Nord-Syrien beten und bitten. Mehrere Posts auf der Facebook-Seite der Moscheegemeinde vom 22. Januar 2018 legten dies zumindest zeitweise nahe.

Die Facebook-Posts wurden mittlerweile gelöscht

Der Text lautete übersetzt in etwa: „Herr, erleichtere es unserem heldenhaften Heer. Mein Herr, mach es ihnen nicht schwer und lasse es ihnen zum Guten enden, so dass sie gesund und heil zurückkehren. Gewähre ihnen einen Sieg. Wir bedanken uns bei unserer Gemeinde, die täglich vor dem Mittags- und Nachtgebet mit der Sure Fetih (wörtlich: Eroberung; auch „Sieges-Sure“ genannt, Anm. d. Red.) und Gebeten ihre Unterstützung gibt. (Jetzt kommt ein Hadith) Entsender des Buches und der schnell zur Rechenschaft zieht, mein Allah! Vernichte den Feind, mein Allah! Zerstöre sie und löse sie auf! (Müslim 3/1362).“ 

„Von diesen Facebook-Posts wusste ich nichts. Und ich kann Ihnen versichern, schreiben Sie das in die Zeitung, Yayla betet jeden Tag für den Weltfrieden. Ich muss erst einmal recherchieren, wer die Posts gemacht hat.“ Kadri Yayla, angesehener und unbescholtener Bürger Waiblingens, Architekt und Ingenieur, Beisitzer im CDU-Stadtverband, ist Zweiter Vorsitzender der Ditib-Moscheegemeinde und, weil fließend deutschsprachig, der Ansprechpartner für Öffentlichkeitsarbeit.

"Einen schönen Krieg gibt es nicht"

Nach rund einer Dreiviertelstunde der Rückruf Yaylas: „Also, hier wurden Jugendlichen der Gemeinde Admin-Rechte zugeteilt, die sie genutzt haben, um Beiträge zu posten, die nicht schön waren. Das waren allesamt Fehlläufer. Danke, dass Sie uns darauf aufmerksam gemacht haben. Wir haben diese nun alle rausgenommen und blockiert. Und es wird ein ernstes Gespräch mit den Jugendlichen geben.“ Weder der Imam noch der Gemeindevorstand teilten die Inhalte der Beiträge. Der Imam nutze Facebook gar nicht.

„Einen schönen Krieg gibt es nicht. Es geht hier doch immer um Menschenleben.“ Eine Verherrlichung von Krieg sei niemals Sache der Ditib-Gemeinde und die Invasion in Nordsyrien auch nicht Thema von Gemeinde-Gebeten in Waiblingen. „Wir dürfen doch nicht Gott spielen.“


Ditib und der Sieg

In der Türkei hatte jüngst die staatliche Religionsbehörde Diyanet (in Deutschland vertreten durch die Ditib) laut Medienberichten die circa 90 000 Moscheen des Landes aufgefordert, für den Sieg der türkischen Armee in Nordsyrien zu beten und die „Fetih-Sure“ (Eroberungs-/Sieges-Sure) zu rezitieren. Viele folgten der Aufforderung, sogar Gemeinden in Deutschland, zumindest per Facebook-Beiträgen. Zum Beispiel in Bad Wurzach, wie Spiegel online berichtete, und eben zum Beispiel in Waiblingen. Wie viele genau, ist unbekannt.