Waiblingen

„Nein, ich bin nicht dieser Michael Ballweg“: Was der Waiblinger Namensvetter des „Querdenken711“-Gründers erlebt

Michael Ballweg Stuttgart Waiblingen Querdenken711
Werden oft verwechselt, obwohl sie sich nicht sonderlich ähnlich sehen: Michael Ballweg aus Waiblingen (links) und Michael Ballweg aus Stuttgart (rechts), Gründer von „Querdenken711“. © ZVW/Gaby Schneider; 7aktuell.de | Marc Gruber

„Am Anfang habe ich das Ganze von der witzigen Seite gesehen“, sagt Michael Ballweg. Er ist 57 Jahre alt, wohnt in Waiblingen – und trägt zufälligerweise den gleichen Namen wie der Gründer der Stuttgarter Initiative „Querdenken711“. Doch mittlerweile klingle andauernd das Telefon. „Ich bekomme aktuell sieben bis acht Anrufe pro Tag, es waren auch schonmal mehr.“

Der Waiblinger ist deshalb am Montag (10.08.) trotz tropischer Temperaturen mit dem Rad zu unserer Redaktion gefahren. Um zu erzählen, was er als unfreiwilliger Namensvetter des Chef-Querdenkers so erlebt – und warum er mittlerweile sogar die Polizei eingeschaltet hat.

„Querdenken711“: Wie alles begann

Am 18. April haben erstmals Menschen unter dem Banner von „Querdenken711“ auf dem Schlossplatz in Stuttgart gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus demonstriert. Angemeldet hatte die Demonstration Michael Ballweg, ein IT-Unternehmer aus Stuttgart.

„Eine große Zeitung hat relativ früh bei mir nach einem Interview gefragt“, erzählt der „falsche“ Michael Ballweg aus Waiblingen. „Ich habe die Sache dann aufgeklärt.“ Auch erste Anrufe, Whatsapp-Nachrichten und Mails seien damals eingegangen – „alle ganz freundlich“.

Die kontrovers diskutierten Proteste wurden schnell größer. Deshalb meldete „Querdenken711“ am 2. Mai eine Demonstration auf dem Cannstatter Wasen an. Und wieder geriet der Waiblinger ungewollt in den Fokus.

„Im Fernsehen lief am Nachmittag ein Nachrichtenbeitrag. In dem hieß es, die Demo sei von Michael Ballweg, einem Unternehmer aus Waiblingen, veranstaltet worden“, erzählt der 57-Jährige. „Ich habe dann in der Redaktion angerufen, und in späteren Sendungen wurde das auch korrigiert.“ Er bezweifle aber, dass diese Richtigstellung bei allen ankam, die den ersten Beitrag gesehen hatten.

Verwechslungsgefahr in der Suchmaschine

Diese Verwechslungen kommen nicht von ungefähr. Denn es liegt nicht nur am Namen: Gibt man in der Suchmaschine Google „Michael Ballweg“ ein, erscheint neben Artikeln zu „Querdenken711“ auch eine Adresse in Waiblingen. Online-Telefon- und Branchenbücher führen diese Adresse unter „Ballweg Michael IT- und PC-Technik“.

Auf den ersten Blick passt das: Auch der „Querdenken711“-Gründer Ballweg ist im IT-Bereich tätig. Er führt allerdings ein eigenes Unternehmen in Stuttgart. Der Waiblinger Ballweg bietet seine IT-Services nebenberuflich an, als Zubrot. Sein einziger Angestellter ist er selbst.

Lange hat der 57-jährige Waiblinger die Verwechslungen mit Humor genommen. „Die meisten Anrufer waren höflich und nett. Ein paar wollten mit mir diskutieren, aber darauf habe ich mich nicht eingelassen“, sagt er. Viele hätten außerdem schnell gemerkt, dass sie den falschen Ballweg in der Leitung haben.

Bitterböser Anruf nach der Demo in Berlin

In seinem privaten Umfeld hätte es aber auch Bedenken gegeben, was die Verwechslungsgefahr angeht. „Ein paar Leute, die Corona sehr ernst nehmen, hatten Angst, dass sich jetzt Andersdenkende auf mich einschießen würden“, so Ballweg.

Dann kam die Demonstration in Berlin. Unter dem Motto „Tag der Freiheit: Das Ende der Pandemie“ rief „Querdenken711“ am 1. August zum Protest in der Hauptstadt auf. Laut Polizei folgten etwa 20 000 Menschen dem Ruf des Stuttgarters Michael Ballweg.

Noch am selben Tag erhielt der 57-jährige Waiblinger einen Anruf. „Der Mann hat regelrecht ins Telefon geschrien“, sagt Ballweg. „Er hat die übelsten Schimpfwörter verwendet und gedroht, er würde die Antifa auf mich hetzen. Der hat sich gar nicht mehr eingekriegt.“ Die Nummer habe der Anrufer dabei unterdrückt.

Ballweg schaltet die Behörden ein

Da wurde es Michael Ballweg zu viel. Am Tag darauf rief er bei der Polizei an, um zu klären, ob man gegen solche Anrufe vorgehen könne. Außerdem stellte er seine Telefone um – anonyme Anrufe werden jetzt nicht mehr durchgestellt.

Ob die Polizei ihm mit seinem Problem weiterhelfen kann, sei noch unklar. „Ich hoffe natürlich, dass man die ausfindig machen kann, die mich anonym beschimpfen“, sagt Ballweg. Er stehe deshalb in Kontakt mit den Behörden.

Auch mit Michael Ballweg hat Michael Ballweg schon telefoniert. Der Waiblinger schilderte dem Stuttgarter das Problem und bat, von seiner Homepage auf die Webseite von „Querdenken711“ verlinken zu dürfen. Als Service für die vielen Menschen, die immer noch in die Verwechslungs-Falle tappen.

Mittlerweile scheinen es einige aber auch von ganz alleine zu merken. Auf Google hagelt es für die Waiblinger Adresse, unter der Ballwegs IT-Services angeboten werden, zwischenzeitlich negative 1-Sterne-Bewertungen. Jetzt stehen dort Sätze zu lesen wie:

  • „Wird leider mit dem Typen von den Demos verwechselt.“
  • „Habt ihr eigentlich nicht verstanden, dass es diesen Namen zweimal gibt?“
  • „Fünf Sterne aus Solidarität, da viele den falschen hier schlecht bewerten.“

Dabei gibt es doch ein ganz klares Unterscheidungsmerkmal. Der Chef-Querdenker Michael Ballweg will Oberbürgermeister in Stuttgart werden. Und der Waiblinger? „Um Gottes willen, nein!“

„Am Anfang habe ich das Ganze von der witzigen Seite gesehen“, sagt Michael Ballweg. Er ist 57 Jahre alt, wohnt in Waiblingen – und trägt zufälligerweise den gleichen Namen wie der Gründer der Stuttgarter Initiative „Querdenken711“. Doch mittlerweile klingle andauernd das Telefon. „Ich bekomme aktuell sieben bis acht Anrufe pro Tag, es waren auch schonmal mehr.“

Der Waiblinger ist deshalb am Montag (10.08.) trotz tropischer Temperaturen mit dem Rad zu unserer Redaktion gefahren. Um zu

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