Waiblingen

Neuer Ärger vor Transporter-Falle

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Höher als zwei Meter dürfen Fahrzeuge nicht sein, wenn deren Fahrer die Beutelsbacher Bahnunterführung passieren wollen. © Laura Edenberger

Weinstadt-Beutelsbach. Er soll Sprinter und Kleinlaster davor schützen, in der Beutelsbacher Bahnunterführung stecken zu bleiben: Der am Donnerstag auf der Nordseite installierte Höhenbegrenzer warnt zu große Fahrzeuge rechtzeitig durch einen leichten Schlag gegen die Fahrerkabine – allerdings wurde er schon einen Tag später beschädigt.

Plötzlich war die rot-weiße Stange verschwunden – und ohne sie funktioniert der Höhenbegrenzer vor der Beutelsbacher Bahnunterführung nicht. Denn genau diese Stange ist es, die gegen die Fahrerkabine kracht, wenn der Sprinter oder Kleinlaster zu hoch ist. Es ist eine Warnung an den Fahrer, noch rechtzeitig zu wenden. Damit will es die Stadt Weinstadt schaffen, dass nicht mehr so viele Fahrzeuge in der Unterführung stecken bleiben wie in den vergangenen Jahren. Zwar gab es bisher schon blinkende und neongelbe Warnschilder, aber diese wurden oft genug missachtet. Die Transporter-Falle sorgt deshalb gerade im Internet für viel Spott: So gibt es zum Beispiel auf Facebook eine öffentliche Gruppe mit dem Namen „Die Unterführung (Beutelsbach)“. Dort wurde auch am Samstag ein Foto hochgeladen, das zeigt, dass die rot-weiße Stange fehlt, begleitet von viel Hohn durch die Facebooknutzer. Auf Nachfrage unserer Zeitung hat der Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau nun mitgeteilt, dass die Stadtverwaltung die fehlende Stange bereits am späten Freitagnachmittag bemerkt hat und natürlich austauscht. „Wir vermuten, dass es mutwillig war.“

„Das zahlt der Steuerzahler“

Der Bauhof der Stadt hat nach Beglaus Angaben festgestellt, dass die 80 Zentimeter lange Stange an zwei Stellen einer Belastung ausgesetzt war und so kaputtging. Die Stadtverwaltung hält es deshalb für plausibel, dass ein Unbekannter mit beiden Händen daran gezogen hat. Die andere Möglichkeit wäre, dass die Stange nach der Kollision mit einem zu hohen Fahrzeug beschädigt wurde. So oder so: Auf den Kosten bleibt Weinstadt erst mal sitzen. Versichert, sagt Beglau, seien Kommunen in solchen Fällen nicht – erst recht nicht bei Vandalismus. „Das zahlt der Steuerzahler.“ Die Kosten pro Stange, die laut Beglau aus Kunststoff besteht, liegen bei circa 100 Euro. Dass hier ein leichtes Material verwendet wird, hat einen guten Grund – schließlich sollen die Frontscheiben der Fahrzeuge nicht beschädigt werden. Und die Fahrer sollen zudem keinen Riesenschreck bekommen. „Wir dürfen die ja nicht gefährden.“

Kosten sorgen für Diskussion

In der Kommentarspalte auf unserer Internetseite www.zvw.de wird über den neuen Höhenbegrenzer heftig diskutiert – vor allem über die Kosten. Auch der Umstand, dass die Stadt statt der geplanten 15 000 Euro nur 10 000 Euro ausgeben musste, sorgt nicht dafür, dass die Kritik nachlässt. „Schon 5000 Euro wären angesichts des geringen Materialwertes und Montagezeitaufwandes eine stolze Summe gewesen. Aber das ist halt der übliche Kommunalpreis, den auszuführende Firmen Kommunen gerne berechnen und den diese ohne mit der Wimper zu zucken auch immer wieder freigiebig bezahlen“, schreibt „Christopher“.

Beglau wünscht sich mehr positive Reaktionen

Der Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau findet es schade, dass so viele Leute nur auf den ihrer Ansicht nach zu hohen Preis schauen. „Im Grunde ist es doch löblich, dass die Stadt nun – wie so lange Jahre gerade aus der Bürgerschaft gefordert – was tut, wenn schon die Kfz- und Lkw-Fahrer selbst die Höhe ihres Fahrzeugs nicht kennen und trotz Warnschildern und Leuchtsignalen in die Unterführung reinrauschen.“ Gewünscht hätte sich Beglau mehr Reaktionen wie am Donnerstag bei der Inbetriebnahme des Höhenbegrenzers. Da sei eine Frau mit Kinderwagen vorbeigekommen und habe gesagt: „Endlich tut die Stadt was, es gab in den vergangenen Jahren schon zu viele Unfälle.“

Auch auf der Südseite soll ein Höhenbegrenzer her

Ein Großteil jener 10 000 Euro floss laut Beglau in die Planung, weil das Projekt über einige Jahre lief – und immer wieder umgeplant wurde, mit immer neuen Varianten. Auf unserer Internetseite schrieb ein Nutzer nun, dass der Höhenbegrenzer auch mit ein paar Teilen aus dem Baumarkt zu errichten wäre. Beglau ärgert das, immerhin gehe es um einen Eingriff in den Straßenverkehr. „Das muss Hand und Fuß haben, um Sicherheitsaspekten zu genügen und auch seinen Zweck zu erfüllen.“

Die Stadt Weinstadt plant übrigens, auch auf der Südseite der Bahnunterführung einen Höhenbegrenzer zu installieren. „Aber erst mal möchten wir abwarten, ob der Höhenbegrenzer auf der Nordseite seine Wirkung entfaltet, so dass wir bei der Südseite vielleicht schon entsprechende Modifikationen vornehmen können.“ Dort gibt es ein zusätzliches Problem: Wegen der Wendeplatte müsste der Höhenbegrenzer auf der Südseite sehr dicht vor der Unterführung installiert werden.


Korrektur bei Kosten: 10 000 statt 15 000 Euro

In der gedruckten Ausgabe vom Samstag, 9. Dezember, und zuvor auf unserer im September bei einem Pressetermin zu Baustellen in Weinstadt). Diese ist jedoch mittlerweile veraltet, wie uns die Stadt Weinstadt am Montag mitteilte.

Tatsächlich hat der Höhenbegrenzer nach der Abrechnung nur 10 000 Euro gekostet, inklusive Planungskosten. Also 5000 Euro weniger als zunächst erwartet. Der Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau zeigte sich über den Fehler verärgert. „Auch durch die Veröffentlichung der falschen Zahl ist nun in den sozialen Medien eine (sehr vorsichtig ausgedrückt) angeregte Diskussion entbrannt, das war unnötig. Ich sage das ganz offen.“ Beglau versteht nicht, warum die Zeitung nicht vorher nachgefragt hat, ob die Zahl noch aktuell ist. Für dieses Versäumnis möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich entschuldigen.