Waiblingen

Neuer Schwung für den Waiblinger Wochenmarkt

Waiblingen Wochenmarkt Marketing Marketingfrau_0
Jeannine Böhmler erstellt derzeit eine Marktanalyse. © Büttner/ZVW

Waiblingen. Auf dem Wochenmarkt frisches Obst und Gemüse kaufen, leckeren Käse oder Holzofenbrot – das ist Genuss. Doch in Waiblingen bröckelt die Zahl der Marktbeschicker, immer weniger Stände haben immer weniger Angebote. Nun soll Jeannine Böhmler neuen Schwung auf den Marktplatz bringen. Seit 1. Oktober kümmert sich die Marketingfrau um den dümpelnden Wochenmarkt, der zuletzt auch den Fraktionen zusehends Sorgen machte.

Für ein aktives Marktmanagement hatte der Gemeinderat vergangenes Jahr 45 000 Euro bewilligt: Damit sollten eine Teilzeitstelle geschaffen und eine Marktkonzeption finanziert werden. Beides ist in Gestalt von Jeannine Böhmler nun auf den Weg gebracht. Derzeit erstellt sie – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Marktanalyse. Dazu tourte sie im Oktober durch die Wochenmärkte in der Region, begutachtete die Stände und Angebote in Winnenden, Schorndorf, Fellbach, Backnang, Cannstatt, Ludwigsburg, und Esslingen.

Ihr Eindruck: Andernorts gibt es deutlich mehr Aktionen zur Belebung der Märkte. Zudem befragte sie die 19 wechselnden Marktbeschicker in Waiblingen nach deren Vorstellungen und Wünschen. Auch ein Marktbeirat soll gegründet werden. Dieser soll sich aus sechs Marktbeschickern und je einem Vertreter des am Marktplatz ansässigen Einzelhandels und der Gastronomie zusammensetzen und den früheren Marktsprecher ersetzen.

Auch die Marktkunden werden befragt

Zu Wort kommen auch die Kunden. Anfang des Jahres werden die Besucher direkt auf dem Wochenmarkt, per Telefon, online und auf ausliegenden Fragenbögen um ihre Meinung gebeten. Die ersten Ergebnisse sollen im März vorliegen.

Schon nach der Befragung der Marktbeschicker war klar: Vor allem die Lücken auf dem Markt müssen aufgefüllt werden. Denn immer mehr Standbetreiber hatten sich in den vergangenen Jahren aus Waiblingen verabschiedet, weshalb auf dem Marktplatz drei, auf dem Rathausplatz sogar vier weitere Marktbeschicker andocken könnten. Ob Gewürze, Honig, eine Kaffeerösterei oder anderes: Für den passenden Mix sucht die Marktbeauftragte gezielt nach Direkterzeugern und Händlern, die nach Waiblingen passen würden. Dazu sollen Aktionen kommen, die den Wochenmarkt in Schwung bringen.

In den Nachbarstädten wird das bereits praktiziert: In Esslingen sorgt beispielsweise ein Lieferservice fürs Einkaufsvergnügen. In Schorndorf lädt ein Marktbrunch mit Ständen zum Frühstücken ein. „Da wird das Erlebnis in den Vordergrund gestellt“, sagt Böhmler. Angebote wie die Kostbar oder die „Musik zur Marktzeit“ kamen auch in Waiblingen gut an, müssten aber verstetigt werden, ergänzt der städtische Wirtschaftsförderer und Stadtmarketingchef Marc Funk.

Markt ist ein Stück Lifestyle geworden

Einkaufen, flanieren und Leute treffen auf dem Markt ist für viele längst auch ein Stück Lifestyle geworden. „Wir wollen nicht stehenbleiben, sondern den Markt in die Zukunft tragen“, sagt Funk. Auch Supermärkte hätten sich verändert, lockten mit viel Bio und Frischeprodukten. Dazu kommen die Selbstvermarkterstände am Straßenrand. Dagegen kann der Wochenmarkt mit seiner schönen Umgebung punkten, mit Cafés und Geschäften. „Unsere Stärke ist die Gastronomie“, betont Funk. „Die Leute sollen sagen, sie haben Spaß.“

Klar ist: Die Bedürfnisse der Kunden ändern sich. Das gilt auch für die Öffnungszeiten. Nur noch wenige haben Lust, morgens um sieben einkaufen zu gehen. Dagegen soll über ein zusätzliches Nachmittags- oder Abendangebot nachgedacht werden.


Nah dran am Menschen

Jeannine Böhmler hat am 1. Oktober eine 50-Prozent-Stelle im Waiblinger Stadtmarketing angetreten. Die Betriebswirtin mit Fachrichtung Marketing war zuletzt im Marketing bei der Dekra beschäftigt.

Waiblingen findet sie eine tolle Stadt, das Thema Wochenmarkt besonders interessant: „Es hat viel mit Emotion zu tun. Man ist nah am Menschen dran.“

Erste Ergebnisse der Marktanalyse sollen im Mai, Juni umgesetzt werden.