Waiblingen

Neues Landratsamt in Waiblingen: Wie sicher ist die Villa Roller an der größten Baugrube der Stadt?

Baustelle Landratsamt
Zwölf Meter über der Baugrube sitzt das altehrwürdige Gebäude der Villa Roller, das ursprünglich in freier Landschaft stand. © Gabriel Habermann

Wie eine Burg thront die Villa Roller über dem Abgrund. Zwischen Polizei und Jugendzentrum klafft dort das tiefste Bauloch der Stadt. Der Rems-Murr-Kreis errichtet an der Stelle des alten Parkhauses ein neues Verwaltungsgebäude für die Ämter des „sozialen Landratsamts“. Sorgen braucht man sich um die altehrwürdige Villa Roller nicht zu machen, beteuern die Architekten Hellmut Schiefer und Simon Knöner vom Büro Ackermann und Raff. Unterhalb des Gebäudes wurden mehrere Gründungspfähle ins Erdreich gebohrt.

Zwölf Meter ragen die Gründungspfähle derzeit in die Höhe, weitere sechs Meter reichen sie in den Untergrund. Die Pfähle sind mit sogenannten Rückverankerungen zusätzlich gesichert. Pfahl um Pfahl wurden Größe und Position vom Statiker genau berechnet, erklärt Hellmut Schiefer. Außerdem habe die ausführende Baufirma ein wachsames Auge auf die Sicherungsmaßnahmen, schließlich stehe sie in der Haftung. Aus Rücksicht auf die Umgebungsbebauung wurden die Gründungspfähle nicht etwa gerammt, sondern gebohrt. Die Erschütterungen beim Rammen hätten an der Villa Roller „definitiv“ zu Schäden geführt. Für alle Fälle wurde vor Beginn der Arbeiten im Zuge des Beweissicherungsverfahrens der Ist-Zustand aufgenommen.

Fahrradgarage unter dem "Pagodenbau"

Für die Bediensteten des Landratsamts, die unmittelbar neben der Baustelle arbeiten, war der Lärm bisher nicht so schlimm wie befürchtet, meint Torsten Demand, Amtsleiter für Beteiligungen und Immobilien. Als gravierender erweist sich derzeit der Umbau des Untergeschosses der Pagode in eine Fahrradgarage mit 165 Stellplätzen und jeweils neun Duschen für Männer und Frauen. Das Mobilitätskonzept ist konsequent an der Idee nachhaltiger Mobilität ausgerichtet. In der dreigeschossigen Tiefgarage werden von Beginn an 80 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge installiert. Eine Etage mit 80 Stellplätzen ist den Dienstfahrzeugen vorbehalten, eine der Belegschaft für ihre Privatautos und eine den Besuchern der Behörde. Weitere Stellplätze sind so vorbereitet, dass sie „zeitnah“ in Ladepunkte umgewandelt werden können.

Gebäude soll im Betrieb klimaneutral sein

Die aktuelle Hitzewelle lässt alle die Notwendigkeit klimaschonenden Bauens am eigenen Leib spüren. Mit KfW 40 erfüllt das neue Landratsamt den Rahmen der Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Grund dafür ist nicht nur die Holzhybrid-Bauweise mit Recyclingbeton, sondern der klimaneutrale Betrieb. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach schafft 55 Kilowatt peak (KWp). Auch an der Fassade prangen PV-Module, die optisch aber gar nicht auffallen sollen. Der Wasserknappheit wird mit einem umfangreichen Regenwassermanagement mit zwei Zisternen Rechnung getragen. Regenwasser wird ebenso für den Brunnen am Vorplatz wie für die Grünflächen verwendet. Bei Starkregen fließt Wasser direkt in die Rems, statt die Kanalisation zu belasten.

Trotz Kosten: Nachhaltiges Bauen soll sich langfristig lohnen

Das alles kostet. Das ganze Projekt hat schon eine Kostenexplosion hinter sich. Das aktuell gültige Budget von 55 Millionen Euro könnte nach heutigem Stand eingehalten werden, meint Torsten Demand, allerdings seien auch erst 45 Prozent der Gewerke definitiv vergeben. In den anderen 55 Prozent lauern also wegen der ungewissen Entwicklung in der Baubranche noch unliebsame Überraschungen. Die Gesamtkosten könnten entsprechend noch auf 61 Millionen steigen – oder auch nicht. Aus Sicht des Architekten Hellmut Schiefer lohnt sich nachhaltiges Bauen trotzdem. Bei konventionellen Verwaltungsbauten sei bei einer 50-jährigen Laufzeit von 20 Prozent Baukosten und 80 Prozent Betriebskosten auszugehen. Daher rentiere sich der Mehraufwand, um die künftigen Betriebskosten zu senken. Nicht zuletzt werde im Gebäude durch ein Drei-Zonen-Konzept, das den öffentlichen Bereich, Büros und Besprechungszimmer trennt, Platz und damit umbautes Volumen - und damit letztlich Geld gespart.

Die Bodenplatte als Fundament wird voraussichtlich im September gelegt. Im Sommer 2024 soll der Neubau des Landratsamts fertig sein.

Wie eine Burg thront die Villa Roller über dem Abgrund. Zwischen Polizei und Jugendzentrum klafft dort das tiefste Bauloch der Stadt. Der Rems-Murr-Kreis errichtet an der Stelle des alten Parkhauses ein neues Verwaltungsgebäude für die Ämter des „sozialen Landratsamts“. Sorgen braucht man sich um die altehrwürdige Villa Roller nicht zu machen, beteuern die Architekten Hellmut Schiefer und Simon Knöner vom Büro Ackermann und Raff. Unterhalb des Gebäudes wurden mehrere Gründungspfähle ins

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