Waiblingen

Neustädter mit seiner Erfindung auf Platz zwei

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Lukas Nullmeier mit seinem selbst entwickelten Infrarot-Pointer. © Habermann / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Vor gut einem Jahr hat der Neustädter Lukas Nullmeier mit seinem Laserpointer, der nicht blendet und als Fernbedienung für den Computer funktioniert, das Landesfinale von „Jugend forscht“ gewonnen. Damit nicht genug: Inzwischen hat der 19-Jährige bei einer Weltmeisterschaft junger Forscher in den USA den zweiten Platz belegt.

Die Intel International Science and Engineering Fair (Internationale Messe für Wissenschaft und Ingenieurwesen) Isef in Pittsburgh gilt als weltgrößter Schülerwettbewerb in den Mint-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Der Neustädter bekam im Fachgebiet Embedded Systems den zweiten Preis in Höhe von 1500 US-Dollar für seine Erfindung, mit der er schon bei „Jugend forscht“ in Fellbach beeindruckte: Sein Infrarot-Laserpointer ist für das Auge ungefährlich. Außerdem kann der Nutzer damit Elemente auf einem Monitor verschieben und Menüs öffnen wie mit einer Maus.


Vor einem Jahr hat Lukas Nullmeier uns seine Erfindung erklärt: 


„Die Physiker“ und die Verantwortung der Wissenschaft

So erstaunlich seine Erfindung, so erstaunlich ist auch, was dieser junge Mann, der 2017 am Salier-Gymnasium mit dem Notendurchschnitt 1,4 sein Abi machte, sonst so treibt. Stubenhocker, Streber, Fachidiot – die naheliegenden Klischees laufen gänzlich in die Irre. Früher hat er Fußball gespielt beim TSV Neustadt. Wegen der Herausforderung, in unangenehmen Situationen den Überblick zu bewahren, betätigte er sich eine Zeit lang als Jugend-Schiedsrichter. Bis er sich auf einen härteren Sport verlegte: Rugby. Nicht American Football mit Helm und Polstern, sondern das absolut raue und absolut faire angelsächsische Rugby in Stuttgart. Wegen eines Auslandjahres in Hongkong hat er zuletzt pausiert. Neben dem geplanten Physik-Studium in Heidelberg will er wieder einsteigen.

Mit seiner Freundin fährt er demnächst auf ein Rockkonzert nach Berlin. Bei der Kunstschule belegte er Kurse und will das Kreativ-Hobby weiter ausbauen. Im Bücherregal stehen Fjodor Dostojewski und Bertolt Brecht. Trotz oder viel mehr wegen seiner Neigung zur Naturwissenschaft beschäftigt sich Lukas Nullmeier mit philosophischen und ethischen Fragen. „Wissenschaft muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein.“ Den einschlägigen Klassiker dazu, Friedrich Dürrenmatts „Physiker“, hat er natürlich ebenfalls gelesen.

Zu den Erfindungen der harmlosen Art gehört wohl sein Laserpointer, den er bei der Patentbehörde angemeldet hat. Eine praktische Anwendung sieht das Wissenschafts-Talent in Geschäftskonferenzen, bei denen Kollegen aus verschiedenen Standorten zusammengeschaltet sind. Zeigt der Chef in der Zentrale mit einem herkömmlichen Laserpointer auf eine Präsentation, können die von außen zugeschalteten Teilnehmer auf ihren Bildschirmen nichts erkennen. Der Lichtpunkt wird nicht übertragen. Anders beim Laserpointer von Lukas Nullmeier. Dank des von ihm entwickelten digitalen Systems bekommen alle das gleiche Signal.

So funktioniert's:

Das Prinzip: Der Infrarot-Laserpointer wird auf den Bildschirm gerichtet, und eine Infrarotkamera filmt den Bildschirm. Ein selbst entwickeltes Programm berechnet aus den Kameradaten die Position und setzt den Mauszeiger in Echtzeit an diese Position. Die Tücke, vom damaligen Noch-Schüler beeindruckend gemeistert, streckt in den Details. Der Bildschirm wird kalibriert, wobei die Eckpunkte des Bildes erkannt werden, vom aktuellen Kamerabild wird dann ein Referenzbild subtrahiert und so weiter – na, alles klar? Zum guten Schluss hat der junge Neustädter noch einen Algorithmus entwickelt, mit dem das Zittern der Hand in der Visualisierung auf dem Bildschirm geglättet wird.

Beim einjährigen Internationalen Jugendfreiwilligendienst in Hongkong prüfte er technische Hilfsgüter wie Laptops, bevor sie nach Afrika verschickt wurden. Mit Freude machte er den Staplerführerschein und türmte Container auf. Unterbrochen wurde der Dienst vom Wettbewerb in Pennsylvania.

Ein Asteroid, der seinen Namen trägt

Eine knifflige Aufgabe war’s, vorher die richtigen Vokabeln im Fach-Englisch zu finden, um die Erfindung zu präsentieren. Was den Preisträger mehr freut als das Geld, ist die kosmische Ehrung, die ihm in den nächsten Monaten zuteilwird: Die International Astronomical Union wird neu entdeckte Asteroiden nach den Bestplatzierten benennen. Ein durchs All jagender Gesteinsbrocken wird Lukas Nullmeiers Namen tragen.

Unklar ist derzeit, wohin die spätere Berufskarriere führen wird. Falls er einmal vor der Wahl stehen sollte, einen guten Job in der Wirtschaft oder in der Forschung anzunehmen, neigt er Stand heute zum Institut. „Aber man weiß nie, was das Leben bringt.“

Das gilt auch für einen anderen Berufswunsch: „Als Kind wollte ich immer Astronaut werden.“ Nur ein Traum? Die wissenschaftliche Begabung und die sportliche Leistungsfähigkeit bringt er mit.


1800 Teilnehmer

Bei der 69. Intel International Science and Engineering Fair (Intel Isef) in Pittsburgh, Pennsylvania, hat sich das 18-köpfige deutsche Team insgesamt erfolgreich präsentiert und 13 Preise gewonnen – einer davon ging an Lukas Nullmeier.

An der Isef nahmen rund 1800 junge Wissenschaftler aus über 75 Ländern teil. Lukas Nullmeier hat daher Bekannte unter anderem in Asien und Afrika.

Beim Landeswettbewerb Baden-Württemberg von Jugend forscht 2017 gewann Lukas Nullmeier den ersten Preis in der Kategorie Mathematik / Informatik. Beim Bundeswettbewerb 2017 gab’s den zweiten Preis in dieser Kategorie.