Waiblingen

Oberbürgermeister Andreas Hesky: Viele der Corona-Neuinfizierten haben Migrationshintergrund - was steckt dahinter?

Urlaubsrückkehrer Hesky
OB Andreas Hesky: „Keine Anklage, sondern ein Hilferuf.“ © ALEXANDRA PALMIZI

Mit Stand vom Wochenende verzeichnet Waiblingen recht genau 1000 Corona-Infizierte seit dem Frühjahr. Damit nimmt die mit über 55.000 Einwohnern größte Stadt des Rems-Murr-Kreises kreisweit den Spitzenplatz ein. Echte Hotspots scheint es nicht zu geben. An Schulen und Kitas liegt es nicht, obwohl viele Klassen in Quarantäne oder vorsorglich zu Hause sind. Ansteckungen von Kind zu Kind beim Unterricht oder in der Betreuung wurden noch nicht registriert. Doch in letzter Zeit beobachtet Oberbürgermeister Andreas Hesky einen Trend, der ihm Sorgen bereitet: Täglich hätten zwischen 60 und 90 Prozent der Neuinfizierten Migrationshintergrund.

Nun ist der Waiblinger Rathauschef über jeden Verdacht von Populismus, Rechtslastigkeit oder Fremdenfeindlichkeit erhaben. 2015 in der Flüchtlingskrise war er Verfechter der Willkommenskultur, 2014 bei den Heimattagen Wortführer eines weltoffenen Heimatbegriffs, der durch die Verleihung der Heimatmedaille Baden-Württembergs an den gebürtigen Griechen Michail Sachanidis auf den Punkt gebracht wurde. Dennoch hat die Äußerung über den relativ hohen Anteil von Migranten am Infektionsgeschehen politische Brisanz, weswegen Andreas Hesky betont: „Das soll keine Anklage sein, sondern ein Hilferuf.“

Beifall von der falschen Seite, der womöglich kommen wird, könne er nicht brauchen. Die Frage, die ihn umtreibt, ist vielmehr die ganz pragmatische nach einer Lösung: Sind die Corona-Regeln und aktuellen Bestimmungen des Teil-Lockdowns überhaupt bei allen angekommen, schon einmal rein sprachlich? Wie lassen sich wirklich alle Bevölkerungsgruppen erreichen?

„Nicht die Zeit für Familienfeste und Körperkontakt“

„Dass jetzt nicht die Zeit für große Familienfeste und Körperkontakt ist“, wie er dem SWR in einem Interview sagte, gelte ganz unabhängig von Nationalität und Herkunft. In der Hoffnung, die Corona-Schutzmaßnahmen besser zu vermitteln, hat er den Integrationsrat als bürgerschaftliches Gremium und die ausländischen Vereine als Multiplikatoren um Hilfe gebeten. Seit einigen Tagen finden sich die landesweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie – von Kontaktbeschränkungen bis zum Verzicht auf Reisen in sieben Sprachen auf der Internetseite der Stadt.

Keine Stammbaumforschung

Wie aber kommt Hesky zu seiner These? Er habe keine empirische Untersuchung durchgeführt und keine Stammbaumforschung betrieben, räumt er ein. Wissenschaftlichen Ansprüchen genüge die Aussage daher mitnichten – jedoch bekomme er auf eigenen Wunsch schon seit dem Frühjahr täglich die Namen der Neuinfizierten vorgelegt. Aus Vor- und Nachnamen ergibt sich der Augenschein, der den Oberbürgermeister ins Grübeln bringt.

Mit einer gewissen Erleichterung nimmt der Rathauschef wahr, dass in den Flüchtlingsunterkünften nur wenige Fälle auftreten. Es sind nicht null – aber es blieb bislang bei Einzelfällen. Offenbar wirkt die gute Sozialarbeit der Caritas: Die Bewohner der Heime sind informiert – und die Einhaltung der Regeln wird überwacht. Ein Indiz dafür, dass es weniger auf Nationalität und Herkunft ankommt, sondern auf Vermittlung und Erreichbarkeit.

Corona-Verstöße in Waiblingen

139 aktive Corona-Fälle gab es in Waiblingen am Sonntag. Seit Anfang November wurden in Waiblingen 37 Ordnungswidrigkeiten in Zusammenhang mit Corona geahndet: In 29 Fällen trugen Leute keine Mund-Nasen-Bedeckung, wo eine verpflichtend gewesen wäre. In acht Fällen wurde der Mindestabstand ignoriert. Der Bußgeld-Regelsatz beträgt bei beiden Arten von Verstößen jeweils 70 Euro.

Die Arbeitsbelastung in den Covid-Nachverfolgungsteams sei nach wie vor hoch. Zur Unterstützung hat die Stadt kürzlich drei neue Stellen geschaffen. Zwei sind bereits besetzt, die Leute werden eingelernt, die dritte wird wohl Ende November besetzt sein. Zwar hatten Reisebüros dem Gesundheitsamt des Kreises ihre Dienste angeboten – dieser lehnte aber ab. Bewerbungen aus einem Reisebüro oder aus anderen von der Pandemie gebeutelten Branchen gingen bei der Stadt nicht ein. Für den aktuellen Stand sagt Hesky: „Die Nachverfolgung gelingt, weil alle zusammenstehen und gemeinsam großartige Arbeit leisten.“

Mit Stand vom Wochenende verzeichnet Waiblingen recht genau 1000 Corona-Infizierte seit dem Frühjahr. Damit nimmt die mit über 55.000 Einwohnern größte Stadt des Rems-Murr-Kreises kreisweit den Spitzenplatz ein. Echte Hotspots scheint es nicht zu geben. An Schulen und Kitas liegt es nicht, obwohl viele Klassen in Quarantäne oder vorsorglich zu Hause sind. Ansteckungen von Kind zu Kind beim Unterricht oder in der Betreuung wurden noch nicht registriert. Doch in letzter Zeit beobachtet

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper