Waiblingen

Pöbelei geht vor Gericht weiter

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Waiblingen. Wie in einer Gerichtssendung des Nachmittagsfernsehens müssen sich rund 25 Schüler gefühlt haben, die am Mittwochmorgen einer Verhandlung vor dem Waiblinger Amtsgericht beigewohnt haben. Bereits vor Beginn stänkert der 40-jährige Angeklagte herum – und wird deshalb mehrfach von der Richterin ermahnt.

„Was geht jetzt, bin ich hier zum Sitzen oder was?“, stänkert der Angeklagte schon vor Beginn der Verhandlung vor dem Waiblinger Amtsgericht. Der 40-jährige Winnender muss sich dort – wenig überraschend – wegen Beleidigung verantworten.

„Eine Schelle, das ist doch normal“

Ende Oktober vergangenen Jahres soll er an einer Bushaltestelle in Winnenden einen wartenden Schüler angepöbelt haben: „Halt’ die Fresse, du Schlampe, du bekommst gleich eine Schelle!“ Dass der 18-Jährige daraufhin die Polizei verständigt und ihn angezeigt hat, kann der Angeklagte nicht verstehen: „Eine Schelle, das ist doch normal“, sagt er vor Gericht. Zudem sei er „besoffen und bekifft“ gewesen und könne sich nur vage daran erinnern, an dem Abend „irgendjemanden angebrüllt“ zu haben. Er habe den Schüler wohl mit einer anderen Person verwechselt. Er fügt hinzu: „Machen wir mal, ich hab’ keinen Bock, hier den ganzen Tag zu sitzen.“ Auf die Ermahnung der Richterin Bidell, er solle sich vor Gericht doch ein bisschen zusammenreißen, erwidert der arbeitslose Winnender: „Ich bin Alkoholiker, war schon zigmal auf Entziehungskur. Ich kiffe und nehme auch sonst alle Drogen. Ich bin polytox.“ Und er wisse sowieso nicht, was diese ganze Gerichtsverhandlung hier solle.

Zum Zeitpunkt der Tat hatte er 2,8 Promille

Nur gegenüber dem Winnender Schüler, der als Zeuge aussagt, verhält er sich ausnehmend freundlich: Es tue ihm leid, es habe sich um eine Verwechslung gehandelt. „Ich kenn’ dich doch gar nicht“, ruft der 40-Jährige dem 18-Jährigen zu. Auf dessen Anschuldigung, der Angeklagte habe an besagtem Abend im Oktober 2016 mit gezücktem Teppichmesser vor ihm gestanden, reagiert er nicht. Möglicherweise auch einfach, weil er sich tatsächlich nicht erinnern kann: Ein Alkoholtest hat ergeben, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat 2,8 Promille im Blut hatte. „Bei mir ist das fast nüchtern“, soll er allerdings zur Polizei gesagt haben – und tatsächlich berichtet eine Polizistin, der Mann sei zwar alkoholisiert, aber dennoch gut ansprechbar gewesen.

Angeklagter kennt sich offenbar mit Beleidigungen aus

Die Liste der Vorstrafen, welche die Richterin verliest, ist lang: Mehrmals ist der Winnender bereits wegen Beleidigung verurteilt, einmal wegen des Tragens von Kennzeichen verbotener Organisationen. Mehrfach hat er seinen Führerschein abgeben müssen. Auf diese Vorbelastung beruft sich auch die Staatsanwältin, als sie eine Geldstrafe in Höhe von 20 Tagessätzen zu je 30 Euro fordert. Der Angeklagte sei zwar betrunken gewesen und somit vermindert schuldfähig, habe aber dennoch zielgerichtet handeln können. Zugute hält sie ihm: „Er benimmt sich zwar heute ziemlich daneben, aber hat sich beim Geschädigten entschuldigt.“ Offenbar hat der Angeklagte aber noch nicht genug von den Ausfälligkeiten. „30 Euro Tagessatz bei Arbeitslosengeld? Wollt ihr mich verarschen“, braust er auf. Auch, als die Richterin zur Urteilsverkündung den Raum betritt, weigert er sich zunächst, aufzustehen: „Ich muss gar nix, außer atmen!“

Am Ende wird der Mann zu 20 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt, für die er wegen seiner finanziellen Verhältnisse eine Ratenzahlung beantragen kann. Als die Richterin ihm zu verstehen gibt, er könne nun gehen, antwortet er genervt: „Dankeschön, das wurde auch Zeit!“