Waiblingen

Parfüms geklaut, um Heroin zu finanzieren

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Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall ist ein 52-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Um sich eine Einnahmequelle für seine Heroinsucht zu beschaffen, stahl der Angeklagte im September vergangenen Jahres in einem Drogeriegeschäft mehrere Parfüms im Gesamtwert von etwa 650 Euro. Diese verkaufte er auf dem Schwarzmarkt.

Teure Parfüms zu stehlen sah ein 52-Jähriger als einzigen Ausweg, um seinen Heroinkonsum zu finanzieren. Dreimal schlug er in einem Drogeriegeschäft zu, jeweils im Abstand von zwei Tagen. Zuerst drei, dann zwei, dann noch mal zwei Parfüms ließ er in seinen Hosentaschen verschwinden. Die gestohlene Ware verkaufte er auf dem Schwarzmarkt, um mit dem Erlös Heroin kaufen zu können.

Als Verkäuferinnen auf Toni S. (Name von der Redaktion geändert) aufmerksam wurden, versuchte er zu flüchten, aber es gelang ihm nicht. Die Türen waren bereits verschlossen worden, um ihn aufzuhalten.

Verkäuferin weggeschubst

„Zwei Düfte hatte er in seiner Hosentasche gehabt“, sagte eine 23-jährige Zeugin, die in der Drogerie angestellt ist. Der Angeklagte habe sich nicht leicht geschlagen gegeben: „Er wurde aggressiv und hat meine Kollegin weggeschubst. Ich habe ihn dann von hinten gepackt, dann konnte er nicht weg“, berichtete sie. Die Aussagen der 23-jährigen Zeugin bestätigte eine 30-jährige Einzelhandelskauffrau, die bei dem Gerangel mit Toni S. gegen einen Prospektständer geschleudert wurde. „Es tut mir leid, was passiert ist“, entschuldigte sich der 52-Jährige mit gesenktem Blick bei der Zeugin. Er habe keineswegs die Absicht gehabt, sie zu verletzen.

Bereits mehrmals ist der 52-Jährige wegen Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und Bedrohung verurteilt wurden. Seine Drogenprobleme wurden ihm zum Verhängnis – zunächst verlor er seine Arbeit auf dem Bau, wo er seit etwa 25 Jahren als Polier arbeitete. Und danach den Kontakt zu seiner Familie, insbesondere zu seinen beiden Kindern. Seit etwa sieben Jahren ist Toni S. arbeitslos. Er kann keinen Unterhalt für seine Kinder zahlen. Bis zu seiner Haft bezog er Hartz IV und wohnte in einer Obdachlosenunterkunft. „Ich möchte etwas ändern. Ich hatte nie die Chance gehabt, eine Therapie zu machen“, sagte der Mann gegenüber Richter Steffen Kärcher.

„Wir haben leider häufig den Fall, dass Drogenabhängige hochwertige Mittel klauen und das auf dem Schwarzmarkt für ein Drittel des Preises verkaufen“, sagte der Richter. Er verurteilte den 52-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. „Er war geständig und es war eine Beschaffungstat“, erläuterte der Richter sein Urteil. Auch die Staatsanwältin hatte die Reue und Entschuldigung des Angeklagten erwähnt. Aber aufgrund seiner Vorstrafen forderte sie eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

Drogentherapie während der Haft

Toni S. soll während seiner Haftstrafe eine Drogentherapie absolvieren. „Bei Abbruch der Therapie muss die Haft fortgesetzt werden. Und bei erfolgreicher Therapiezeit kann die restliche Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt werden“, stellte Richter Steffen Kärcher in Aussicht.