Waiblingen

Paris mit Bauchgefühl

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Vincent Klink ganz nah: Im Welfensaal erzählt der Fernsehkoch, Restaurantbetreiber und Schlemmer von seinem persönlichen Blick auf Paris, Handwerkskunst und Gaumenkultur. © Widmann / ZVW

Waiblingen. „Ein Bauch spaziert durch Paris“: In diesem 2015 erschienenen Buch erkundet der Stuttgarter Fernsehkoch und Restaurantbetreiber Vincent Klink humorvoll, nachdenklich und mit Liebe zur Kulinarik die französische Hauptstadt. Mehr als 200 Gäste erlebten ihn am Montag hautnah bei einer Lesung im Bürgerzentrum.

Am Montag ist im Bürgerzentrum kein Raum für die schwäbische Urtugend: das Sparen. Denn an diesem Abend geht es im Welfensaal ums Schwelgen, Prassen und Schlemmen. Nicht jedoch ums Verschwenden: sondern um die Würdigung des Handwerks, das hinter dem Nicht-Alltäglichen steckt, um Kunst und Genuss.

Klinks persönlicher Tourguide: Der Bauch entscheidet

Mit seinem Buch „Ein Bauch spaziert durch Paris“ präsentiert Vincent Klink, bekannt als Fernsehkoch und Betreiber des Stuttgarter Restaurants Wielandshöhe, heitere Einsichten und ganz persönliche Eindrücke seiner Reisen nach Paris.

Es ist mehr eine Plauderstunde als eine Lesung, die Klink mit seinen über 200 Zuhörern abhält. Ein liebevoller Bericht über einzelne Tage in Paris, gespickt mit amüsanten und kritischen Anekdoten, nachdenklichen Beobachtungen und Verweisen auf Passagen des Buches. Er erzählt von Bahnsteigen und vom Eiffelturm, von weinseligen Abenden mit seiner Familie, von Mona Lisa und brotloser Kunst, von französischen Obern und Restaurantmenüs.

Das Buch beginnt im Jahr 2012 am Stuttgarter Bahnhof. Klinks Liebe zur französischen Hauptstadt reicht jedoch schon viel weiter zurück. Mit 17 Jahren träumt er davon, Künstler zu werden, träumt von einem Paris der Kreativen und Freidenkenden. Jedoch entdeckt er bald: „Dieses Frankreich, dieses Paris, existiert nicht so, wie ich mir das vorgestellt oder gewünscht hätte.“

Ein Sternekoch in Paris - als Esser

Dafür lernt er als Koch und leidenschaftlicher Esser Paris unter einem ganz anderen Blickwinkel kennen: Zur Essenszeit, geleitet von seinem Bauch und einer gehörigen Portion Neugierde, erkundet er den Geschmack von Paris.

So führen ihn seine Besuche zu einem Restaurant auf dem Eiffelturm, in ein jüdisch-koscheres Bistro, zu Schneckenragout und Hühnersuppe, zu experimenteller und bodenständiger Küche.

Das Buch trägt aber nicht Mahlzeit um Mahlzeit zusammen, nach dem Motto: Das hier ist die französische Küche. Schon allein, weil er „französische Küche“ im Grunde mehr als ein Qualitätssiegel denn als Kochkanon beschreibt. Sie sickerte nach den Revolutionsjahren Ende des 18. Jahrhunderts in das Leben des Bürgertums. Das Küchenpersonal des entmachteten – wenn nicht gar enthaupteten – Adels gründete öffentliche Lokale, erklärt Klink: „Das war die Geburtsstunde der Restaurants, die Geburtsstunde der Grande Cuisine.“ Oder: die Geburtsstunde eines anspruchsvollen Kochens zum Genuss, als Kunst.

Besucher schätzen die persönliche Note

Was in gehobenen Restaurants auf den Tisch kommt, liegt in den Händen der Köche, die ihre Rezepte aus den verschiedenen Teilen Frankreichs mit in die Hauptstadt bringen. Eine „Pariser Küche“ gibt es in dem Sinne nicht – aber viel zu entdecken.

Hinzu kommen im Buch die kulturellen Erkundungstouren. Klink nimmt sich Zeit für einen kulturellen Streifzug durch Paris. Für Geschichte und Kunst, für das jüdische Museum und seine Architektur, für den Louvre und das Musée d’Orsay, für Schaufenster mit aufwendig hergestellter Haute-Couture-Kleidung und Blicke auf die Seine, für anerkennende Bemerkungen zum Künstlerhandwerk und Blumenschmuck, für Anekdoten von temperamentvollen Pariserinnen und seiner ebenso temperamentvollen Ehefrau.

Diese persönliche Note ist es, die das Buch und auch die Lesung unterhaltsam und kurzweilig machen. Zum Beispiel für die Denkendorfer Fred und Elke Cohn, die ins Bürgerzentrum kommen, um Vincent Klink als Menschen einmal live zu erleben.

Oder für Iris Seiz aus Welzheim: „Gerade die Kleinigkeiten waren immer so lustig“, die kleinen Anekdoten und Seitenhiebe, die Klink heiter einstreut.

Ratschläge an den Klischeeschwaben

Wie er nicht am Essen spart, so spart er nicht an humorvollen Ratschlägen. Der wichtigste geht an den Klischeeschwaben, der Paris und seine Speisen erkunden möchte: „Wenn Sie sparen wollen, bleiben Sie am besten in Waiblingen und legen sich in ein Aldi-Regal zum Heilfasten.“ Denn auch diese Botschaft hat der Abend: Genuss und Schwelgerei dürfen ihren Preis haben.

Vincent Klink

Vincent Klink wurde 1949 in Gießen geboren. Seit 1991 betreibt der gelernte Koch das Restaurant Wielandshöhe in Degerloch, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.

Als Fernsehkoch ist er unter anderem bekannt aus dem „ARD-Buffet“ und der SWR-Sendung „Koch-Kunst mit Vincent Klink“.

Die Lesung veranstaltete die Buchhandlung Osiander in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Waiblingen.