Waiblingen

Parken, Werbung, Pop-up-Läden - was rettet die Innenstadt?

Einkaufstag Montag
Die Lange Straße und der Postplatz in Waiblingen unmittelbar vor dem Lockdown. © Benjamin Büttner

Tamaris, MuM-Moden und andere: Das Ladensterben in der Waiblinger Innenstadt nimmt Fahrt auf, und die Kommunalpolitik ringt um Lösungen. Jüngste Vorschläge sind: eine Rabattaktion in den Parkhäusern, ein neues Werbekonzept, Förderung des Busverkehrs – und die Subvention von Pop-up-Läden. Tatsächlich ist es gelungen, nach dem Aus für den Rosenladen über eine Kurzfrist-Weinbar eine dauerhafte Nutzung zu erreichen: Das Weingut Beurer verkauft dort jetzt Feinkost-Produkte. Ein Modell mit Zukunft? Können Pop-up-Stores die Innenstadt retten?

Diese Hoffnung hegen Daniel Bok und Tobias Märtterer, Stadträte der Gruppe „Grünt“. Ihr Vorschlag: „Allen Besitzern von leerstehenden Läden in der Fußgängerzone bietet die Stadt Waiblingen an, den leerstehenden Laden zu einer Miete zehn Prozent unter dem gültigen Mietspiegel anzumieten.“ Dann, so der Gedanke, hat die Stadt freie Wahl und kann nach wohlüberlegten Grundsätzen vermieten: „Zu bevorzugen sind hierbei Läden und Start-ups, die zu einer vielfältigen Einkaufsstruktur und einer attraktiven Innenstadt beitragen. Möglich sind auch Bürogemeinschaften und Pop-up-Stores.“ Die Stadt könne in der Startphase vergünstigt vermieten und so den Gründern auf die Sprünge helfen. Sie wäre nicht nur „Marktmanagerin“, sondern zuverlässiger, langfristiger und pünktlich zahlender Mieter.

Sind die Vermieter wirklich das Problem?

Bei den Kollegen im Rat stieß die Idee auf wenig Gegenliebe: „Mir ist nicht bekannt, dass die Mieter das Problem sein sollen“, äußerte sich Julia Goll zunächst skeptisch, dann ablehnend: „Ist das der Einstieg in die Planwirtschaft?“ Die Sorge wegen der Leerstände treibe zwar auch ihre Fraktion um, so Silke Hernadi für die FW/DFB. Aber sie verwahre sich gegen das Vorhaben, Steuergelder im freien Markt einzusetzen. Die Stadt sei nicht zwangsläufig die bessere Mieterin. Besser wär’s, die Wirtschaftsförderung zu stärken, statt dass die Stadt als Vermieterin agiere, bekräftigte Marc Maier (AfD). Allerdings müsse man grundsätzlich dem Thema Innenstadt oberste Priorität einräumen, forderte SPD-Chef Roland Wied. „Wir haben alle das Gefühl, dass es nicht optimal läuft.“ Eine „Grundsatzdiskussion“ über die Strategie des Stadtmarketings wünscht Alfonso Fazio („Agtif“).

WTM GmbH unterstützt bei Vermietungen

Die Stadt Waiblingen habe über die WTM GmbH Nutzer für ihre stadteigenen Ladenflächen in der Innenstadt gefunden und die Läden zu adäquaten Konditionen vermietet, versichert die Verwaltung. Ihrer Aufgabe als Immobilienbesitzerin werde sie gerecht. Flächen zu vermieten und dadurch zu einer Aufwertung der Innenstadt beizutragen liege in der Verantwortung der Immobilieneigentümer. Die WTM unterstütze bei Vermietungen, sofern von den Eigentümern gewünscht, helfe, potenzielle Nutzer zu finden, und vermittle Kontakte. Die ganze Stoßrichtung der „Grünt“-Initiative erscheint aus Rathaus-Sicht verfehlt: „Eine Zustimmung zum Antrag käme dem Aufgeben der im Grundgesetz betonten Sozialbindung des Eigentums gleich.“ Weitere Personalressourcen zum Aufspüren von Pop-up-Konzepten für leerstehende Ladenflächen stünden sowieso nicht zur Verfügung. Der Vorschlag wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt: sechs Ja- und 22 Neinstimmen.

Kunden in die Stadt locken – aber bloß nicht jetzt

Arbeit bekommt die WTM GmbH trotzdem - und Geld auch. Sie soll 2021 ein Werbekonzept für die Innenstadt aufstellen und eine Rabattaktion auf und in städtischen Parkhäusern und Parkplätzen bewerben. Dabei geht’s um Parkvergütungen an Kunden. Die kostenlose halbe Stunde Parkzeit durch die Brötchentaste soll bei Einkauf im Einzelhandel oder Nutzung der Gastronomie auf insgesamt anderthalb Stunden verlängert werden. Für die ursprünglich von der CDU in größerem Umfang beantragte Rabattaktion sowie die Werbekampagne investiert die Stadt im kommenden Jahr insgesamt 135 000 Euro - allerdings mit einer coronabedingten Einschränkung: Die Rabattaktion wird erst starten, wenn der Corona-Lockdown vorüber ist und es epidemiologisch wieder vertretbar scheint, Menschen gezielt einen Besuch der Innenstadt schmackhaft zu machen. Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe sollen profitieren – dafür müssen sie erst einmal wieder geöffnet sein.

Der SPD erscheint die Rabattaktion beim Parken auch ohne Lockdown nicht der richtige Weg, sagte Roland Wied. Die Förderungen sollten sich eher auf Bus und Bahn beziehen. So haben verschiedene Parteien oder politische Gruppierungen bevorzugte Verkehrsteilnehmer: Waiblingen habe eine gute Parkgebühren-Ordnung, konstatiert Tobias Märtterer von „Grünt“ – die Fußgänger seien ihm ohnehin wichtiger als die Autos. Nach Meinung von „Agtif“-Chef Alfonso Fazio kommt die Verbilligung beim Parken nicht nur zur Unzeit, auch die Gelder für die Werbekampagne der WTM liefen ins Leere: „Die WTM braucht nicht Geld, sondern personelle Ressourcen.“

Bisher ist es so, dass Einzelhandelsgeschäfte Parkvergütungen an Kunden ausgeben, um die kostenlose Parkzeit (30 Minuten „Brötchentaste“) auf eine Stunde zu verlängern. Dafür bezahlen die Firmen 50 Cent. Nach dem jetzt mehrheitlich beschlossenen Modell wird die Rabattzeit auf eine Stunde verdoppelt – das heißt im Ergebnis: anderthalb Stunden kostenloses Parken. Offen ist der Zeitpunkt der Aktion. Jedenfalls werde die Stadt nicht wie im Frühjahr die kostenlose Nutzung der Parkgaragen erlauben, da aktuell die Menschen der Innenstadt eher fernbleiben sollen. Mehrheitlich beschlossen wurde auch die Werbekampagne der WTM für die Innenstadt.

Tamaris, MuM-Moden und andere: Das Ladensterben in der Waiblinger Innenstadt nimmt Fahrt auf, und die Kommunalpolitik ringt um Lösungen. Jüngste Vorschläge sind: eine Rabattaktion in den Parkhäusern, ein neues Werbekonzept, Förderung des Busverkehrs – und die Subvention von Pop-up-Läden. Tatsächlich ist es gelungen, nach dem Aus für den Rosenladen über eine Kurzfrist-Weinbar eine dauerhafte Nutzung zu erreichen: Das Weingut Beurer verkauft dort jetzt Feinkost-Produkte. Ein Modell mit

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