Waiblingen

Pauluskirche Hegnach wird 50: Gemeinde feiert - und hält an Pfarrer Elser fest

50 Jahre Pauluskirche: Pfarrer Bernhard Elser, Petra Dobler, Hiltraud Zimmerling
Wissen die Pauluskirche zu schätzen: Pfarrer Bernhard Elser, Ratsvorsitzende Petra Dobler (2. v. l.) und Rätin Hiltraud Zimmerling. Ihr Vater Jakob Müßle war in der Bauphase im Kirchengemeinderat. © Alexandra Palmizi

Nach jahrelangen Diskussionen war es Ende 1972 geschafft: In Hegnach wurde die neu gebaute evangelische Pauluskirche eingeweiht. Nun feiert man das halbe Jahrhundert. Und ist froh über die flexiblen Räume des Gemeindezentrums, in denen inzwischen sogar eine Ukrainerin mit Kind lebt.

Einige Veränderungen stehen an – mit Pfarrer Bernhard Elser, der 2021 wegen seiner Kritik an Corona-Schutzmaßnahmen und -impfungen aufgefallen war, will die Gemeinde aber weiter zusammenarbeiten. Von der Landeskirche heißt es dazu, das Personaldezernat sei mit Elser weiter im Gespräch.

Es habe in diesem Jahr keine Vorfälle mehr gegeben, die eine neue Situation geschaffen hätten, so Dan Peter, Sprecher der württembergischen Landeskirche. Tatsächlich hält der Pfarrer sich auf seinem Youtube-Kanal seit Monaten merklich zurück. Dort hatte er im August 2021 das Video „Zuspruch für alle, die Nein zur Impfung sagen“ hochgeladen. Es wurde tausendfach abgerufen.

Weitere Beiträge zur Corona-Politik folgten. Zuletzt veröffentlichte er aber nur noch Ausschnitte aus seinen Predigten oder auch eine Aufnahme von Rennradfahrern bei der Deutschland-Tour in Remseck.

"Toleranz für andere Meinungen"

Die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Petra Dobler, möchte sich dazu eigentlich nicht mehr „groß äußern“. Sie sagt, die Gemeinde wolle mit Bernhard Elser, der seit 2016 im Amt ist, weiter arbeiten. Sie sei aber auch froh, dass alles ruhiger geworden ist. Das Thema Corona spiele ja in der Gesellschaft auch nicht mehr die große Rolle wie letztes Jahr, und im Gemeindeleben höre sie zu der Personalie nichts mehr.

Die Pandemie sei für alle eine „grenzwertige Zeit“ gewesen, sagt Petra Dobler. „Ich finde es gut, dass wir die Toleranz gehabt haben, andere Meinungen stehenzulassen. Mir geht es aber um das Gemeindeleben. Wir wollen von Jesus Christus erzählen, das ist unser Thema.“

Pfarrer Bernhard Elser hält sich politisch zurück

Pfarrer Elser bestätigt, dass er sich politisch zurückhält. Seine Verantwortung als Hegnacher Ortspfarrer nehme er weiter wahr. Mit der Landeskirche habe er „kontrovers diskutiert“, es sei nicht immer einfach gewesen. Aber es sei wichtig, nach vorne zu schauen, „dass man wieder aufeinander zugehen und sich die Hand reichen kann. Das ist mir schon wichtig, auch wenn man die Dinge ganz anders sieht“. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass beim 50-Jahr-Gottesdienst am Sonntag Prälat Ralf Albrecht aus Heilbronn die Festpredigt halten wird. Albrecht ist einer von vier Prälaten der Landeskirche Württemberg.

Pauluskirche als Bauwerk: "Sehr begeistert"

Von der Pauluskirche als Bauwerk ist der Pfarrer „sehr begeistert“, wie er sagt. Sie sei flexibel nutzbar, mit mehr oder weniger Stühlen je nach Veranstaltung. „Starre Kirchenbänke“ gibt es nicht, im Gottesdienst kann er „moderne Elemente einfließen lassen“, etwa per Beamer Videoclips oder Powerpoint-Präsentationen an die Wand werfen. „Das finde ich toll. Das ist auch anders als bei Kirchen mit gotischen Spitzbögen.“ Das Gebäude stamme zwar aus den 1970er Jahren, sei aber „doch irgendwie zeitgemäß“, findet Elser.

1972: "Geist des Fortschritts"

Eingeweiht wurde die Pauluskirche am 1. Advent 1972. In der Festschrift schrieb der damalige Bürgermeister Alfred Entenmann „von einem Geist des Fortschritts in unserer Gemeinde“: „Das neue Gemeindezentrum stellt eine wesentliche Bereicherung bei der Neugestaltung der Ortsmitte dar. Für uns ist besonders erfreulich, dass Rathaus und Kirche in räumlicher Nähe neu entstanden sind. Eine solche Lösung entspricht auch guter, schwäbischer Tradition.“

Vorausgegangen war den Bauarbeiten, die von April 1971 bis November '72 dauerten und Pläne der Stuttgarter Architektengemeinschaft Henning, Mory, Vielmo und Fahr umsetzten, jahrelange Debatten in der Hegnacher Gemeinde. Sie brauchte damals mehr Platz. Schon in den 50er Jahren seien die Reihen in der kleinen, jahrhundertealten Nikolauskirche stets „voll besetzt“ gewesen, so ein Beitrag von Ruhestandspfarrer Armbruster in der Festschrift von 1972. Bereits 1960 hatte der Kirchengemeinderat demnach zu Spenden für einen Neubau aufgerufen. Dann aber wurde über den Standort diskutiert, es gab „langwierige Verhandlungen und Begutachtungen“. 1964 beschloss der Rat schließlich, östlich der alten Kirche zu bauen.

Ehemaliger Pfarrer Eberhard Wunderlich schickt Grußwort

Vier Nachfahren damaliger Räte sind heute auch ehrenamtlich in dem Gremium engagiert. Der erste Pfarrer in der neuen Kirche war Eberhard Wunderlich. Er lebt heute in Stuttgart, ist laut Petra Dobler 98 Jahre alt, könne aber noch viel aus der damaligen Zeit erzählen. Die Kirchengemeinderatsvorsitzende hat ihn kürzlich besucht, zum Jubiläumsgottesdienst steuere er ein Grußwort bei. Dobler rechnet für Sonntag mit circa 150 Personen bei der Feier – es sei aber schwierig zu schätzen, schließlich habe man mit solchen Jubiläen noch keine Erfahrung.

An normalen Sonntagen besuchen ihr zufolge 70 bis 80 Hegnacher den Gottesdienst, dazu kommen die Kinder in Kinderkirche und paralleler Betreuung. Vor Corona seien es eher über 100 Teilnehmer gewesen. „Das ist etwas abgebröckelt.“ Platz wäre theoretisch für über 400, wenn die zwei Trennwände geöffnet werden.

Diese Flexibilität des Gebäudes schätzt Petra Dobler. Mit 51 Jahren ist sie im selben Alter wie die Pauluskirche, seit Kindheitstagen kommt sie hierher. Ihr gefällt, dass das Gotteshaus innen „nahbarer“ wirke als eine wesentlich ältere, aber auch etwas „kalte“ Kirche.

Zwei kleine Familien wohnen im Gemeindezentrum

Und es sei schön, alles in einem Haus zu haben. Im Keller sind Jugendräume. Um Energie zu sparen, finden inzwischen auch viele Sitzungen oder Posaunenchorproben unten statt. Oben sind die Räume höher. Laut dem aktuellen „Gemeindebrief“ geht das auf Pläne des neuen Mesners und Hausmeisters Steffen Mandl zurück, der seit August mit Sohn und Tochter selbst in einer Dienstwohnung im Gebäude lebt.

Zuvor hatte sich Hans-Georg Poppinga 19 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand um alles gekümmert und sei „nicht wegzudenken“ gewesen, so Pfarrer Elser.

Nicht nur die Mesner können an ihrem Einsatzort wohnen. Seit dem Frühjahr beherbergt die evangelische Gemeinde auch eine Ukrainerin, die mit ihrer Tochter vor dem Krieg geflohen ist. Im Untergeschoss hat sie im „Club-Raum“ eine Bleibe gefunden, mit eigenem Bad und Küchenzeile, so der Pfarrer. Der sich generell freut, dass im Gebäude „wieder Leben da“ ist nach den ersten zwei Corona-Jahren. CVJM, Krabbelgruppe, Musik: „So wünschen wir uns das. So soll es die nächsten 50 Jahre sein.“

Gebäude in gutem Zustand - in Zukunft neue Heizung und Dach nötig

Das Gebäude ist laut Elser in einem guten Zustand. Über die Jahre habe es immer mal wieder kleinere Renovierungen gegeben. Man stehe nicht unter Handlungsdruck. Irgendwann müsse man aber über einen Ersatz für die Ölheizung nachdenken. Eine größere Investition wird zudem ein neues Dach, so Petra Dobler. Ihr zufolge soll es in der Zukunft auch eine behindertengerechte Toilette geben.

Neue Schirme ermöglichen mehr Feiern im Freien

Eine für alle sichtbare Veränderung gibt es auf dem Platz vor der Kirche. Hier sollen große Schirme ermöglichen, noch öfter draußen zu feiern. Das ist laut Pfarrer Elser auch für Advent und Heiligabend vorgesehen. Das Beheizen der Kirche könne man sich dann sparen. Finanziert worden seien die Schirme über Spenden. Gottesdienste draußen, bei jedem Wetter, das sei auch ein „Übrigbleibsel aus der Corona-Zeit“, so Bernhard Elser. „Das hat sich aber bewährt.“

Nach jahrelangen Diskussionen war es Ende 1972 geschafft: In Hegnach wurde die neu gebaute evangelische Pauluskirche eingeweiht. Nun feiert man das halbe Jahrhundert. Und ist froh über die flexiblen Räume des Gemeindezentrums, in denen inzwischen sogar eine Ukrainerin mit Kind lebt.

Einige Veränderungen stehen an – mit Pfarrer Bernhard Elser, der 2021 wegen seiner Kritik an Corona-Schutzmaßnahmen und -impfungen aufgefallen war, will die Gemeinde aber weiter zusammenarbeiten. Von der

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