Waiblingen

Pause vom Wachstum? Fazio fordert Verzicht auf Gewerbe und Wohnen auf grüner Wiese

Eisental
Blick über das Gewerbegebiet Eisental in Waiblingen. © Benjamin Büttner

In wenigen Jahren ist Waiblingen um rund 4000 Einwohner gewachsen. Neue Gewerbebetriebe haben sich angesiedelt – zum Beispiel Daimler auf dem Hess-Areal. Neuer Wohnraum wurde geschaffen – zum Beispiel auf dem Gelände des früheren Krankenhauses. Was aber, wenn das Wachstum an seine Grenzen stößt? Aus Sorge um fortschreitende Flächenversiegelung wollte die Alternative Liste im Gemeinderat eine freiwillige Pause erwirken: fünf Jahre lang keine neuen Wohn- und Gewerbegebiete auf der „grünen Wiese“ mehr.

Die ALi-Fraktion beantragte, dass in den kommenden fünf Jahren keine neuen Wohn- und Gewerbebaugebiete auf der grünen Wiese ausgewiesen und „alle Suchläufe für Wohn- und Gewerbegebiete eingefroren“ werden. Bei der anstehenden Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans soll mit den sich beteiligenden Bürgern geklärt werden, ob Waiblingen „überhaupt zusätzliche Versiegelung durch neue Gebiete für Wohnbau und Gewerbe bis zum Ablauf des Jahres 2030 benötigt“. Die Stadt soll in einen Dialog – mit dem Ziel, die Frage nach dem Wachstum zu bewerten.

Junge Familien und das Recht auf Wohnraum

Bei den Ratskollegen stieß ALi-Chef Alfonso Fazio mit seinem Vorstoß auf mehrheitliche und teils scharfe Ablehnung, besonders von der CDU. Das Gremium habe sich in den vergangenen Jahren stets auch mit Fragen der Ökologie ausführlich auseinandergesetzt, betonte Fraktionschef Peter Abele. Mit dem geforderten Moratorium aber wäre der Gemeinderat auf fünf Jahre „entmündigt“. Zwar sei der Klimaschutz das „Megathema des 21. Jahrhunderts“, sekundierte ihm sein Kollege Ingo von Pollern, jedoch habe Waiblingen bereits viel getan, um seinen Beitrag zu leisten. Aber: „Haben junge Familien denn kein Recht auf Wohnraum?“ Die Unternehmen bräuchten qualifizierte Mitarbeiter – und diese wiederum Wohnraum.

Auch Julia Goll (FDP) fand den Vorstoß der ALi „viel zu pauschal“ und „unsozial“. Nämlich gegenüber denjenigen, die noch nicht in Waiblingen wohnen, noch dazu werde der Siedlungsdruck an die Nachbarkommunen weitergegeben – „die Leute können ja nicht alle nach Grab oder Welzheim ziehen“.

„Innenverdichtung allein kann den Bedarf nicht decken“

Roland Wied von der SPD erklärte es zwar für richtig, die Diskussion übers Wachstum zu führen, lehnte einen Pauschalverzicht aber ebenso ab: „Wir fassen keinen Grundsatzbeschluss, nichts zu tun.“ Mit Blick auf Kritik an zu dichter Bebauung, unter anderem durch den Biologen Dr. Björn Schäfer geäußert, gab Siegfried Bubeck (FW/DFB) zu bedenken: „Innenstadt-Verdichtung ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei.“ Auch Marc Maier von der AfD sprach sich gegen ein Moratorium aus. Infolge der Flächenversiegelung könne die Stadt an heißen Tagen kaum abkühlen, bezog sich auch Tobias Märtterer (Grünt) auf Björn Schäfer und kritisierte den „Negativ-Kreislauf“ des Wachstums, den es einzuschränken gelte. „Wir in Waiblingen haben Arbeitsplätze.“

Die Stadtverwaltung erklärte, die grundsätzlichen Fragen der Wohnbau- und Gewerbeentwicklung würden bei der Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans „selbstverständlich mit der Bürgerschaft diskutiert“. In den vergangenen Jahren habe die Stadt erfolgreich auf Innenentwicklung und Nachverdichtung gesetzt. „Dennoch können Quartiersentwicklungen allein nicht den weiterhin hohen Bedarf an Wohnbauflächen decken.“ Neue Wohn- und Gewerbegebiete müssten ausgewiesen werden, um die Wohnungsnot zu lindern und der Industrie die Transformation zu ermöglichen. Dieser Bedarf sei stets mit den Belangen von Umwelt- und Artenschutz abzuwägen. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gehört zu den Leitlinien des bestehenden Stadtentwicklungsplans.

In wenigen Jahren ist Waiblingen um rund 4000 Einwohner gewachsen. Neue Gewerbebetriebe haben sich angesiedelt – zum Beispiel Daimler auf dem Hess-Areal. Neuer Wohnraum wurde geschaffen – zum Beispiel auf dem Gelände des früheren Krankenhauses. Was aber, wenn das Wachstum an seine Grenzen stößt? Aus Sorge um fortschreitende Flächenversiegelung wollte die Alternative Liste im Gemeinderat eine freiwillige Pause erwirken: fünf Jahre lang keine neuen Wohn- und Gewerbegebiete auf der „grünen

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