Waiblingen

Pendler: „Die S-Bahn ist besser als ihr Ruf“

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Pascal Murrmann pendelt täglich von Hohenacker in die Stuttgarter Innenstadt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Verstopfte Straßen, volle Bahnen: Jeden Morgen setzen sich Tausende von Menschen in Bewegung, um nach Waiblingen zur Arbeit zu fahren oder aus Waiblingen an ihren Arbeitsplatz nach Stuttgart zu pendeln. Einer von ihnen ist Pascal Murrmann. Der 25-Jährige pendelt täglich von Hohenacker in die Stuttgarter Innenstadt. Pendlerfrust und -freude kennt er als Autofahrer ebenso gut wie als S-Bahn-Fahrer. Er sagt: „Die S-Bahn ist besser als ihr Ruf.“

Pascal Murrmann lebt (noch) bei seiner Familie in Hohenacker. Die Mieten in Stuttgart sind teuer – da bietet sich das Pendeln für den 25-jährigen Berufsanfänger an. Von Januar bis August fuhr er mit dem Auto, zum 1. September wechselte er die Arbeitsstelle und das Fortbewegungsmittel: Seitdem fährt er mit der S-Bahn. „Jeden Tag bin ich im Stau gestanden“, erzählt er. Morgens um halb acht setzte er sich in seinen Dienstwagen, gut eine Stunde später war er im Büro. Dazwischen lagen rund 20 stressige Kilometer. „Ich bin über Schleichwege gefahren, um den Stau auf der B 29 zu vermeiden.“ Von Hohenacker steuerte er mit seinem BMW runter zur Vogelmühle, dann durch Hegnach in Richtung Oeffingen und nach Cannstatt. Dort stand er dann doch regelmäßig im Stau, sagt Pascal Murrmann. Dann ging’s nur noch langsam voran, bis er gegen 8.40 Uhr in seine Tiefgarage rollte.

Im Auto kämpft jeder für sich allein

Die verstopften Straßen nervten. Aber auch die aggressive Fahrweise vieler Autofahrer im Berufsverkehr habe er höchst anstrengend gefunden, sagt der 25-Jährige. „Jeder denkt an sich und kämpft für sich in seinem abgeschlossenen Raum. „In der S-Bahn sind dagegen alle gleich.“

Dass er schließlich auf die S-Bahn umstieg, war einem Jobwechsel geschuldet. Und der Tatsache, dass er an seiner neuen Arbeitsstelle im Sozialministerium keinen Dienstwagen mehr hat, sondern ein Job-Ticket, also einen Zuschuss auf seine Fahrkarten. Privat teilt sich der 25-Jährige ein Auto mit seinem Bruder. Einen eigenen Wagen wollte er sich nicht kaufen. Und so reihte er sich Anfang September in die Schlange derer ein, die am Bahnhof Neustadt/Hohenacker die S-Bahn nehmen. „Es war eine Umgewöhnung“, erinnert er sich. „Zur S-Bahn zu laufen ist schon was anderes als ins Auto einsteigen, Türe zu, Sitzheizung an.“

Arbeitsweg nutzen

Statt um 7.30 Uhr geht er jetzt um 7.45 Uhr aus dem Haus, um die Bahn um 7.55 Uhr zu bekommen. Meistens, sagt er, checkt er in der S-Bahn erst mal seine Mails im Diensthandy oder er liest digital die Zeitung. „Manchmal höre ich auch Musik oder ein Hörbuch oder ich mache kurz die Augen zu. Das gibt es im Auto nicht. Da wird Konzentration verlangt.“ Was ihm gefällt: Die S-Bahn sei ein Spiegel der Gesellschaft, noch nie sei er von seinen Mitpendlern genervt gewesen. „Auch nachts habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht oder mich irgendwie unwohl gefühlt.“

Verspätungen gibt es natürlich, sagt Pascal Murrmann. Andererseits sei die S-Bahn besser als ihr Ruf. Von fünf bis zehn Minuten Verspätung müsse man immer ausgehen, und fünf Minuten hin oder her seien ihm auch egal. Was ihn stört, sind allerdings die mangelnden Informationen darüber. Wartend am Bahnsteig stehen und keine Ahnung zu haben, was los ist und wann die Bahn denn kommt, findet er wie viele andere extrem nervig. Er selbst hat sich in der Bahn-App einen Verspätungsalarm eingestellt – mit der Folge, dass er schon beim Frühstück über jede Verspätung alarmiert wird – leider auch schon über die ab einer Minute.

Ein Privileg, zur Arbeit laufen zu können

Mit dem Pendlerdasein hat er sich arrangiert. „Es ist ein Privileg, zur Arbeit laufen zu können“, findet der Hohenackerer. Inzwischen sucht er eine Wohnung in Stuttgart, „aber nicht so drängend“, sagt er, wohl wissend, dass er wahrscheinlich auch dort pendeln muss. In der Waiblinger Innenstadt zu wohnen könnte er sich gut vorstellen: „Mit den zwei S-Bahnen und der Regionalbahn ist die für Pendler ideal.“

Stuttgart-Pendler

Waiblingen hat mit seinen rund 56 000 Einwohnern circa 26 000 Arbeitsplätze. 77 Prozent davon werden von Menschen besetzt, die aus anderen Orten nach Waiblingen fahren. Jeder dritte Waiblinger (exakt 31 Prozent der Einwohner) hat seinen Arbeitsplatz in einer anderen Stadt. Die meisten pendeln nach Stuttgart.