Waiblingen

Pilates auf der Rems

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Pilates
Koordination und Gleichgewicht werden bei Pilates auf dem Board trainiert - dabei genießen die zwölf Sportler die Natur beim Wehr auf der Rems. © Alexandra Palmizi
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Waiblingen. Stand-Up-Paddling ist eine der Trendsportarten des Sommers. In Waiblingen paddeln zwölf Sportbegeisterte nun nicht nur auf der Rems, sie machen auf dem Brett auch Pilates. Dabei ist ein gutes Gleichgewicht das A und O. Auf dem wackeligen Untergrund sollen die Übungen noch effektiver sein und die Tiefenmuskulatur stärken.

Besonders vertrauenserweckend wirkt das lange weiße Surfbrett nicht, wie es da in der Sonne im glitzernden Wasser am Remsufer treibt. Dennoch setzt Jana Müller mutig erst den rechten, dann den linken Fuß aufs Brett und stößt sich mit dem Paddel vom Ufer der Schwaneninsel ab. Es dauert einen kleinen Augenblick bis die 29-Jährige das Gleichgewicht gefunden hat, dann sticht sie kräftig ins Wasser und rudert den anderen Kursteilnehmern hinterher, die Rems hinauf zum Wehr. Dort werden alle Paddel-Bretter zusammengebunden, damit niemand abtreibt, ehe das Pilates-Training der besonderen Art beginnt.

Eine ganz neue Erfahrung

Koordination, Gleichgewicht und Ganzkörpermuskulatur trainieren, dabei die Natur genießen und die Seele baumeln lassen – das alles ist beim Pilates auf dem Paddel-Brett möglich. Deshalb ist Jana Müller am Samstagmorgen bereits zum dritten Mal zum Sport auf der Rems gekommen: „Ich habe früher schon Pilates gemacht, aber auf dem Paddel-Brett ist es eine ganz neue Erfahrung“, erzählt die 29-jährige Waiblingerin. Dabei ist der Sport auf dem Brett für jeden geeignet, glaubt man den Worten von Kursleiterin Melanie Giese.

Durch das Brett werden die Übungen intensiver

Die 38-jährige Personal Trainerin unterrichtet seit vier Jahren Pilates – allerdings normalerweise auf sicherem Boden. Vergangenen Sommer habe sie damit angefangen, Übungen wie die „Brücke“ oder den „Phönix“ auch auf dem sogenannten SUP-Board, dem Stand-Up-Paddling-Brett, auszuprobieren. „Auf dem Wasser zu trainieren stärkt die Tiefenmuskulatur. Durch den wackeligen Untergrund werden die Übungen noch intensiver und effektiver“, erklärt die Fitnesstrainerin.

Alle Teilnehmer bleiben trocken

Das kann Elke Schwarz-Kugele aus Korb nur bestätigen. Die 54-Jährige konnte ihre Bauchmuskeln noch einige Tage nach dem letzten Training deutlich spüren. „Pilates hatte ich noch nie gemacht, aber diesen Sommer wollte ich mal etwas Neues ausprobieren“, erzählt sie. Ins Wasser gefallen ist sie bei ihrer ersten Pilates-Stunde auf dem Brett zum Glück nicht, aber nicht alle Teilnehmer sind beim letzten Training trocken geblieben. Deshalb empfiehlt die Übungsleiterin, im Badeanzug oder in leichter Sportbekleidung zu trainieren. Ein Neoprenanzug sei aber nicht nötig, der schränke nur die Beweglichkeit ein, so Giese.

Pilates ist kein Wettkampf, jeder trainiert in seinem Tempo

Bereits eine halbe Stunde ist vergangen, bis alle zwölf Teilnehmer mit ihren Brettern und Paddeln die richtige Position vor dem Wehr gefunden haben. Dabei ist es wichtig, dass der Blick auf Melanie Giese frei ist, denn sie erklärt die Übungen und zeigt, wie es richtig geht. „Gerader Rücken, hüftbreiter Stand, weich in den Beinen, die Körpermitte anspannen“, gibt die 38-Jährige die richtige Haltung vor.

Alle Muskelgruppen werden beansprucht

Bei den Übungen arbeitet dann jeder in seinem Tempo und passt seine Atmung an. „Das hier ist kein Wettkampf. Es geht darum, das Beste aus sich herauszuholen“, erklärt Giese den Teilnehmern. So werden nach anfänglichen Dehnübungen durch leichtes Beugen und Drehen alle Muskelgruppen bei anspruchsvollen Übungen kräftig trainiert. Dabei wird das Paddel, wenn möglich, mit einbezogen. Beispielsweise dient es über den Kopf gehalten als leichtes Gewicht bei der Kniebeuge. Doch es hilft auch dabei, das Gleichgewicht zu halten. Denn Ziel ist es, nicht ins Wasser zu fallen. Melanie Giese macht den Teilnehmern Mut: „Der Körperschwerpunkt liegt bei den Übungen meist tief und die Bretter sind kippsicher.“

Wie eine kurze Urlaubsreise

Der Sport in der Mittagssonne ist ganz schön schweißtreibend. Doch die Anstrengungen werden belohnt: Nach rund 90 Minuten endet das Pilates-Training der besonderen Art mit einer Abschlussentspannung in Rückenlage auf dem Brett. Erschöpft, aber glücklich paddeln die Teilnehmer danach wieder zurück ans Ufer. „Das war wie eine kurze Urlaubsreise“, findet Elke Schwarz-Kugele.

Das Pilates-Programm von Melanie Giese und dem Paddel-Boot-Verleih Epia soll auch im kommenden Sommer wieder stattfinden. Die Teilnehmer sind sich einig: Sie sind dann wieder mit an Bord.