Waiblingen

Polizei ermittelt: Asbest-Teile unsachgemäß zerkleinert

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Halb abgedeckt: Die Arbeiten an den Bahnsteigdächern wurden vorübergehend angehalten. Foto: Palmizi © Alexandra Palmizi / ZVW

Waiblingen. Bei Bauarbeiten am Waiblinger Bahnhof wurde offenbar unsachgemäß mit asbesthaltigem Material hantiert. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Sorgen um ihre Gesundheit müssten sich die Fahrgäste, die sich am Bahnhof aufhielten, nicht machen, versichert eine Sprecherin des Landratsamts.

Diese Woche ließ die Bahn am Waiblinger Bahnhof an den Gleisen 6 und 7 alte Bahnsteigdächer demontieren. Dass diese gebundenes Asbest enthalten, war vorab bekannt. Nur unter strengen Sicherheitsvorschriften darf mit dem krebserregenden Baustoff gearbeitet werden. Die Arbeiter müssen Schutzkleidung tragen, außerdem darf die Demontage nicht parallel zum Publikumsverkehr stattfinden.

Solange asbesthaltige Platten unbeschädigt bleiben, Asbest also gebunden bleibt, besteht kein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Anders sieht es aus, wenn die Bauteile aufgebrochen werden – dann wird der gefährliche Staub frei und schwirrt durch die Luft. So geschehen diese Woche in Waiblingen. Nach Aussage eines Augenzeugen seien die Platten mit der Spitzhacke zerkleinert worden – die Gewerbeaufsicht des Landratsamts bestätigt dieses unsachgemäße Vorgehen.

Keine Erkenntnisse über Asbest-Konzentration vor dem Regen

Eigentlich – dieses Wörtchen ist in dieser Sache öfter fällig – müssen Arbeiten im Zusammenhang mit Asbest eine Woche vorher offiziell angemeldet werden. Das aber unterblieb laut Aussage des Landratsamts –nur ein kurzes Telefonat gab es. So wurde in den Nächten auf Dienstag und auf Mittwoch munter drauflosgeschafft, schwerpunktmäßig wohl in der Zeit zwischen 23 und 1 Uhr. Eigentlich sollten die Arbeiten nach Betriebsschluss erledigt werden. Inzwischen wurden die Arbeiten auf Geheiß der Gewerbeaufsicht eingestellt.

Eine Bahnsprecherin äußerte sich am Freitag noch zurückhaltend: „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir rechtliche Schritte einleiten.“ Eigentlich hatte die Bahn, zumal der Asbestgehalt der Bahnsteigdächer bekannt war, per Ausschreibung eine Spezialfirma gesucht, welche die nötigen Sicherheitsbestimmungen kennt und einhält.

Treppenaufgang hätte gesperrt sein sollen

Eigentlich hätte der Treppenaufgang zum Bahnsteig der Gleise 6 und 7 gesperrt sein sollen. Nach Darstellung des Landratamts wurden Züge auf andere Gleise umgeleitet – schließlich müssten aus Sicherheitsgründen die Oberleitungen abgeschaltet werden. Nach Beobachtung des Augenzeugen hielten sich jedoch Personen am Bahnsteig auf, während in direkter Nähe gearbeitet wurde. Wegen des Fußballturniers der Auslands-Äthiopier in Waiblingen habe am Mittwochabend relativ viel Betrieb auf dem Bahnhof geherrscht. Nach Erkenntnissen der Gewerbeaufsicht wurden die Platten abseits des Besucherverkehrs zerkleinert.

Das hätte so zwar gar nicht geschehen dürfen, wirklich gefährlich sei dies wegen des Abstands aber nicht. Spätestens nach dem Regen in der Nacht auf Donnerstag sei der Asbestgehalt in der Luft gesunken, die Polizei konnte erst danach Proben entnehmen. Über die Asbest-Konzentration vor dem Regen ist nichts bekannt. Besorgniserregend war sie nach offizieller Einschätzung nicht. Die Platten sind jetzt in Säcke verpackt. Die Entsorgung ist geregelt – jetzt auch mit Wissen der Gewerbeaufsicht.

Asbest

Von fest gebundenen Asbestprodukten geht keine Gefahr durch Freisetzung von Asbestfasern aus, solange die Produkte keinen thermischen oder mechanischen Einwirkungen ausgesetzt werden. Kritisch sind Arbeiten, bei denen Elemente zerstört werden.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass über einen Zeitraum von Jahren Asbestfasern in hoher Konzentration freigesetzt und eingeatmet wurden, ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt. Quelle: Umweltbundesamt