Waiblingen

Präsenzunterricht: Warum nicht alle Schulen in Waiblingen mitmachen

Symbolfotocoronaschule
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Seit dieser Woche sollen alle Fünft- und Sechstklässler in Baden-Württemberg wieder zur Schule gehen dürfen. Eine Vorgabe des Kultusministeriums, die formal simpel klingt, gäbe es da nicht diese Corona-Pandemie mit allen Begleiterscheinungen. Wie der Lokalredaktion bekannt wurde, haben sich mehrere Waiblinger Schulen gegen den zeitgleichen Präsenzunterricht für alle Fünft- und Sechstklässler entschieden und die Schüler in Gruppen eingeteilt. Nur so könne für die Sicherheit der Schüler gesorgt werden, die Abstandsregeln eingehalten werden und ein adäquater Unterricht für alle erfolgen, lautet deren Begründung.

Beide Waiblinger Gymnasien gehen eigenen Weg

Zwei dieser Schulen sind das Staufer-Gymnasium und das Salier-Gymnasium. Die Gründe sind ähnlich. Peter Schey, Schulleiter des Salier-Gymnasiums, ist überzeugt von seinem Konzept. Die Mehrheit der Eltern trage die Entscheidung mit, meint er. Die Rückmeldungen seien überwiegend positiv.

Teil der Schüler verfolgt den Unterricht übers Internet

Sein Ziel ist es, dass die AHA-Regeln eingehalten werden. „Das Abstandsgebot hat oberste Priorität“, betont er. Werden diese an der Schule nicht eingehalten, müssen im Fall einer Corona-Erkrankung die gesamte Klasse wie auch alle Familienmitglieder zwei Wochen lang in Quarantäne. Gleichzeitig möchte Schey eine „gute Lernsituation für die Schüler“. Die Fünft- und Sechstklässler hat er in Lerngruppen unterteilt. Diese kommen im Wechsel an die Schule. Der Unterricht wird über das Webkonferenzsystem BigBlueButton bei Moodle zeitgleich nach Hause übertragen, so dass die andere Hälfte den Unterricht gleichermaßen verfolgen kann. Die Schüler haben ihren festen Stundenplan, erhalten sowohl Frontalunterricht als auch Aufgaben, die sie lösen müssen. Sie können alle dem Tafelanschrieb folgen. Der Lehrer steht beiden Gruppen gleichermaßen zur Verfügung. Er kann Fragen beantworten und den Kindern helfen, wenn sie nicht weiterwissen.

Schey ist überzeugt, dass dies für seine Schüler besser funktioniert, als wären diese in zwei Klassenräumen aufgeteilt. Der Lehrer müsste sich dabei nicht nur zweiteilen und zwischen den Räumen einen Spagat machen, sondern Schey bräuchte auch zusätzliches Aufsichtspersonal, das an anderer Stelle wieder fehlen würde. Schließlich sind es nicht nur Fünft- und Sechstklässler, die unterrichtet werden müssen, sondern auch die beiden Kursstufen, die sich aufs Abitur vorbereiten. Die restlichen Jahrgänge erhalten Home-Schooling. Sportlehrer als Aufsichtspersonen reichen bei der Vielzahl an Schülern nicht aus.

Salier-Gymnasium: Kommende Woche starten Corona-Tests

Außerdem möchte Schulleiter Peter Schey in der kommenden Woche mit den Corona-Tests an der Schule beginnen. Hierzu benötige er motiviertes Personal, das geschult ist und die Tests bei den Schülern zweimal pro Woche umsetzt. Hierfür kommen wiederum die Sportlehrer infrage. „Für mich ist das ein sehr stimmiges Konzept. Bei einem anderen Konzept habe ich kein gutes Gefühl“, sagt er.

Staufer-Realschule geht ebenso eigenen Weg

Eine dritte Waiblinger Schule ist die Staufer-Realschule, die Schüler in unterteilten Lerngruppen im Wechsel an der Schule unterrichtet. „Die Abstandsregel hat oberste Priorität“, sagt auch Schulleiter Axel Rybak. Aus je 15 Schülern besteht eine Gruppe. Drei fünfte und drei sechste Klassen gibt es aktuell an der Schule. Am Montagabend gab es einen Eltern-Lehrer-Dialog, bei dem er, so sagt er, „sehr, sehr positive Rückmeldungen und die volle Unterstützung“ erhalten hat.

Grund: Zu wenig Lehrkräfte

„Einen reinen Präsenzunterricht bekommen wir nicht hin“, betont der Schulleiter der Staufer-Realschule. Zusammen mit den Fachräumen gebe es sogar ausreichend Möglichkeiten, die Schülergruppen alle vor Ort zu unterrichten. „Bei der Anzahl der Lehrer stoßen wir aber an unsere Grenzen“, so Rybak. Die Sportlehrer als Aufsichtspersonen hochgerechnet auf die Zahl der Sportstunden, die sie in einer Klasse geben, reichen bei weitem nicht aus, so Rybak. Schüler im Alter von zehn oder elf Jahren könne man auch nicht unbeaufsichtigt lassen. „Eigentlich hatten wir an allen Schulen gut funktionierende Systeme. Bis letzte Woche konnten alle Lehrer unterrichten, egal ob sie sich selber nicht so wohl gefühlt haben oder das Kind krank zu Hause war“, sagt er. Nun tauchen neben all dem Mehraufwand die Vertretungsprobleme auf.

Klare Aussage des Kultusministeriums

Die Position des Kultusministeriums dazu ist eindeutig: Es sei kein Wechselunterricht vorgesehen, so das Ministerium auf Anfrage. Die entsprechenden Mitteilungen des Ministeriums „sind für die Schulen verbindlich“. Man wolle für die Klassen fünf und sechs den stundenplanmäßigen Unterricht durchgängig in der Präsenz anbieten. Die Begründung sieht das Ministerium in den festen Gruppen. Gibt es weniger Unterricht an der Schule, nehmen berufstätige Eltern die Notbetreuung in Anspruch. Da würden sich die Gruppen wieder mischen.

Am Salier-Gymnasium waren bislang fünf Kinder in der Notbetreuung, erklärt Peter Schey auf Nachfrage der Redaktion. Seit dieser Woche haben diese Kinder zu den benötigten Betreuungszeiten Unterricht an der Schule. Die Notwendigkeit der Notbetreuung ist dadurch nicht mehr gegeben. Die Kinder sind festen Gruppen zugeteilt, eine Durchmischung findet nicht statt.

Seit dieser Woche sollen alle Fünft- und Sechstklässler in Baden-Württemberg wieder zur Schule gehen dürfen. Eine Vorgabe des Kultusministeriums, die formal simpel klingt, gäbe es da nicht diese Corona-Pandemie mit allen Begleiterscheinungen. Wie der Lokalredaktion bekannt wurde, haben sich mehrere Waiblinger Schulen gegen den zeitgleichen Präsenzunterricht für alle Fünft- und Sechstklässler entschieden und die Schüler in Gruppen eingeteilt. Nur so könne für die Sicherheit der Schüler

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